Häufige Passivraucher haben hohes Lungenkrebsrisiko

- Lyon/Heidelberg - Nichtraucher, die an ihrem Arbeitsplatz einer starken Konzentration von Zigarettenrauch ausgesetzt sind, tragen ein hohes Lungenkrebsrisiko. Das berichten Forscher um Kurt Straif vom internationalen Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation WHO in Lyon.

Demnach haben regelmäßig von "Blauem Dunst" umgebene Angestellte ein um 24 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Dieses Risiko steige bei starker Belastung sogar auf das Doppelte, heißt es im "American Journal of Public Health" (Bd. 97, Nr. 3).

"Es besteht eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Dauer der Schadstoffbelastung durch Tabakrauch am Arbeitsplatz und der Entwicklung von Lungenkrebs", erklärte Straif am Mittwoch in Lyon. Und ergänzte: "Es besteht eine dringliche Notwendigkeit, jegliche Exposition gegenüber Passivrauchen am Arbeitsplatz zu unterbinden." Die vorliegenden Daten lieferten "den bis jetzt stärksten Hinweis darauf, dass die Belastung mit Passivrauch am Arbeitsplatz mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs einhergeht", heißt es in dem Journal.

Straif und seine Kollegen hatten für ihre Studie die Resultate von 22 bereits vorliegenden Untersuchungen ausgewertet, die den Zusammenhang zwischen Krebs und Passivrauch am Arbeitsplatz erforschten. Daran hatten insgesamt 4305 Menschen teilgenommen. Der Mediziner wies darauf hin, dass Studien zum Passivrauch "naturgemäß" schwieriger auszuwerten seien als solche zum direkten Tabakkonsum. Bei denen lässt sich - eine ehrliche Auskunft vorausgesetzt - sehr sicher sagen, wie viele Zigaretten über welche Zeit geraucht wurden.

Diese Zuordnung fällt bei Passivrauchern schwerer, ihre Aussagen zur Rauchbelastung sind daher ungenauer. Straif und seine Kollegen fanden Angaben wie die Zahl der rauchenden Kollegen oder die Zahl von Rauchern im gleichen Raum. Zudem gab es Einschätzungen wie "sehr verraucht", "ziemlich verraucht" und "wenig verraucht".

Als besonders stark verrauchte Arbeitsplätze gelten Bars, Discos und viele Restaurants, sagte Maria Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Mitarbeiter solcher Betriebe seien nicht von der deutschen Arbeitsstättenverordnung vor dem Rauch geschützt, kritisierte sie. "Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar." In vielen Ländern habe sich gezeigt, dass ein Rauchverbot nicht zu einem Rückgang der Besucherzahlen geführt habe.

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