Ein häufiges Leiden: das dicke Bein

- Immer häufiger suchen Frauen mit stark geschwollenen Beinen beim Hausarzt oder der Notaufnahme einer Klinik Hilfe. Manche haben auch starke Schmerzen, andere wollen vor allem wissen, ob die Schwellungen gefährlich sind und was sie dagegen tun sollen.

"Die Gründe für ein dickes Bein sind zahlreich und altersabhängig verschieden", erklärt der Angiologe und Vize-Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten, Professor Dr. Malte Ludwig (Kempfenhausen), "meist sind jedoch Venenklappenstörungen oder Lymphabflussprobleme (Lymphödeme) die Ursache".

Allein an Lymphödemen leiden in Deutschland mindestens 80 000 Patienten. Deshalb gehört das geschwollene Bein auch zu den Schwerpunktthemen des 44. Bayerischen Internistenkongresses in München. Nicht immer ist ein dickes Bein gefährlich. Doch bei bestimmten Symptomen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden: Akute, einseitige Schmerzen im Bein mit neu aufgetretener Schwellung gehören dazu, gerade wenn das Bein zusätzlich bläulich verfärbt ist. Diese Zeichen deuten auf eine Thrombose, also den Verschluss einer Vene durch ein Blutgerinnsel, hin, die Frauen wie Männer treffen kann.

Mit Blutuntersuchung, Ultraschallspezialverfahren oder Röntgen kann der Arzt schnell eine Diagnose stellen. Unbehandelt kann eine tiefe Beinvenenthrombose zum lebensgefährlichen Verschluss der Lungenarterien (Lungenembolie) führen, wenn sich Teile des Gerinnsels lösen, mit dem Blutstrom ins Herz wandern und die Lungengefäße verstopfen. Eine Thrombose kann nach einer Operation auftreten oder nach Verletzungen, wann man -etwa wegen Knochenbrüchen -lange im Bett liegen muss. Deshalb erhalten die Patienten vorbeugend Kompressionsstrümpfe und Injektionen in den Bauch mit Heparin- haltigen Blutverdünnern. Ein erhöhtes Risiko haben auch Menschen mit angeborener Neigung zu Blutgerinnseln und Schwangere. Behandelt wird die Thrombose mit elastischen Spezialbinden und Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen, in manchen Fällen wird das Gerinnsel auch medikamentös aufgelöst.

Gesundheitlich ungefährlich ist eine andere Variante des dicken Beins, das Lipödem (Fett-Bein). Betroffen sind häufig gerade jüngere Frauen, und viele leiden sehr darunter. Bei dieser oft angeborenen Fettverteilungsstörung sind beide Oberschenkel aufgetrieben (Reithosenphänomen).Als Behandlung wird gerne eine Fettabsaugung angeboten. Dies, mahnt Ludwig, sei jedoch durch die mögliche Zerstörung von Lymphgefäßen am Bein "nicht ganz unproblematisch". Beidseitige Beinschwellungen können aber auch Folge einer Herzmuskelschwäche sein (Herzinsuffizienz, im fortgeschrittenen Stadium bei älteren Menschen) oder nach einer Operation im Beckenbereich auftreten. Männer leiden manchmal nach einer Prostataoperation unter dicken Beinen.

Bei Krebskranken können die Schwellungen auch Nebenwirkung einer Bestrahlungs- Therapie sein. Hinter allen diesen Schwellungen steckt ein gestörter Lymphfluss. Zur Therapie des so genannten Lymphödems empfiehlt der Angiologe eine Kombination von manueller Lymphdrainage (kreisende Streichbewegungen, vom Hals beginnend nach unten) und eine nachfolgende Kompressionstherapie mit Spezialbinden. "Bei reiner Lymphdrainage hält der Effekt nur sehr kurze Zeit an, und es kommt erneut zum Lymphstau."

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