Der Haken im Netz

- Alle reden von Downloads, aber legale Angebote fehlen bisher. Das Portal popfile.de soll das ändern: Der Unterhaltungs-Konzern Universal Music hat das erste legale Download-Angebot in Deutschland gestartet. Legal bedeutet aber natürlich, dass die Musik nicht nur die Surf-Gebühren, sondern auch pro runter geladenem Titel was kostet. Derzeit 99 Cent pro Song, Preissteigerung schon angekündigt. Dabei ist rund ein Euro pro Song schon zu teuer.

<P>Mit dem Launch dieses Portals hat die Industrie aber dennoch zum ersten Mal auf die Konsumenten gehört. Denn der Mega-Erfolg der illegalen Tauschbörsen hat auch gezeigt, dass die Leute Musik anders genießen wollen als bisher. Die User möchten ihre Lieblingslieder auf ihrem Computer oder ihrem mobilen MP3-Player abspielen. Also setzt die Universal jetzt aufs Netz und hofft, dass es den Musikfans ein paar Euro wert ist, nicht umständlich im Internet nach ihren Lieblingsliedern suchen (das kann bei einem Tauschportal tatsächlich manchmal ewig dauern) und einen Song auch nicht stundenlang downloaden zu müssen. Mit popfile soll's flott gehen, und man kann sich per Audio-Stream vorher anhören, was man dann nachher runterlädt.</P><P>Popfile.de speist sich nicht nur aus dem Backkatalog von Universal Music, sondern liefert seinen Usern auch aktuelle Charterfolge. Als zusätzliches Lockmittel wird das Portal in Zukunft Titel anbieten, noch bevor sie konventionell auf CD veröffentlicht werden. Bis zum Ende des Jahres will das Portal sein Angebot auf 20 000 Tracks erhöhen. Über 300 000 Visits und 30 000 Downloads verzeichnete die Website in der Einführungsphase.</P><P>Allerdings: Einen Haken hat das Ganze, außer dass es den Leuten ans Geld geht. Denn der User kann bei popfile nicht im üblichen MP3-Format downloaden. Man setzt auf ein eigenständiges, verschlüsseltes MP3-Format, das sich nicht in herkömmlichen Playern abspielen lässt. Als Schnittstelle dient dem User das Softwaremodul "MY-PLAYLIST", mit dem er die gedownloadeten Songs verwalten, abspielen und als Windows Media Files (WMA) exportieren muss. Diese Files kann der User dann entweder auf seinen mobilen Player überspielen oder sie auf eine Audio-CD brennen. Die WMA-Files sind durch das Microsoft DRM 1.0 geschützt, die gebrannten Audio-CD's enthalten ein Wasserzeichen mit den User-Daten. Damit will die Universal verhindern, dass die runter geladenen Songs umgehend in den kostenlosen Tauschbörsen auftauchen. Doch das macht das Ganze natürlich etwas umständlich.</P><P>Bei so viel technischem Aufwand liegt natürlich die Vermutung nahe, dass dieses Portal vor allem ein Versuchsballon der Industrie dafür ist, die Möglichkeiten des digitalen Vertriebs von Musik zu prüfen. Will heißen: Kein Besuch mehr im Plattenladen. Das neue Album kommt dann direkt auf den Computer und, wenn die Mobilfunk-Betreiber dazu in der Lage sind, auch auf das Handy mit eingebautem MP3-Spezialplayer. Damit lässt sich dann auch wieder ordentlich sparen. Seitens der Industrie natürlich. Denn ein digital vertriebenes Album wird den Musik-Fan sicherlich nicht weniger kosten, als das jetzt bei den "richtigen" CD's der Fall ist. Und die haben immerhin noch ein buntes Cover-Heftchen . . .<BR><BR></P>

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