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Apples iPhone (l.) mit dem Portal iTunes. Daneben ein Handy von Nokia mit Verbindung zum "Ovi Store".

Handy-Branche ahmt Apples iPhone nach

Barcelona - Als Apple vor zwei Jahren ankündigte, man habe mit dem iPhone das Mobiltelefon neu erfunden, klang das nach einer vollmundigen Werbe-Floskel. Doch die Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona offenbart nun erstaunliches: Eine ganze Branche versucht, das Modell des Herausforderers zu kopieren.

Jüngstes Zeichen: Der Handy-Weltmarktführer Nokia kündigte am Montag eine neue Plattform für Multimedia-Inhalte und Programme mit dem Namen "Ovi Store" an, die selbst optisch sehr an den "App Store" in Apples iTunes-Portal erinnert. Auch der kleinere Konkurrent Sony Ericsson stellte ein ähnliches Angebot in Barcelona vor.
Der Weg der Mobilfunk-Branche in die Zukunft scheint damit klar: Statt eines getrennten Angebots von Geräten und Diensten wird es in Zukunft mehrere miteinander konkurrierende Plattformen geben, auf denen der Kunde ein Komplettangebot bekommt.

Neue Konkurrenz

Für Apple bedeutet der späte Einstieg von Nokia in die Welt der Handy-Software-Marktplätze nicht nur ein Bestätigung, dass man den richtigen Weg eingeschlagen hat, sondern auch einen neuen mächtigen Wettbewerber. Rund eine Milliarde Menschen nutzen derzeit weltweit Nokia-Handys, wie Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo nicht vergaß zu betonen. Beim Start des Ovi Store sollen auf einen Schlag 50 Millionen Kunden auf ihn zugreifen können.
Die Basis von Apple ist - zumindest noch - deutlich kleiner. Im vergangenen Jahr wurden rund 13,67 Millionen iPhones abgesetzt. Der Anteil am gesamten Handymarkt liegt damit lediglich bei 1,12 Prozent - und 8,5 Prozent bei den Smartphones. Die Anwender eines iPhone nutzen jedoch das mobile Internet bislang deutlich intensiver als die Besitzer anderer Smartphones.

Riesiger Markt für Smartphones

Mit dem Duell zwischen Apple und Nokia hat sich der Kampf um die Zukunft Mobilfunkbranche deutlich zugespitzt. Wer diese beherrschen wird, ist absolut offen. Die Smartphones - wie die Mischung aus Handy und Mini-Computer genannt wird - machen gerade einmal ein Zehntel der Handys im Umlauf aus. Das bedeutet, es gibt noch einen riesigen Markt, den es zu erneuern gibt. Und dass Nokia heute 37 Prozent des gesamten Handy-Marktes kontrolliert, bedeutet da nicht soviel. Denn viele Kunden wechseln spätestens alle zwei Jahre ihr Gerät aus.

Außerdem kämpft ein neuer außerordentlich starker Rivale um seinen Platz auf den Markt: Die vom Internet-Riesen Google ins Leben gerufene Allianz um das Betriebssystem Android. Bisher ist nur ein Handy auf dem Markt, das G1, das vor allem auf Google-Dienste zugeschnitten ist. Es wirkt etwas klobig und die ersten Programme lösen noch keine Begeisterung aus.

Doch Hersteller wie HTC und Sony Ericsson arbeiten bereits an weiteren Geräten. Und auch neue Programme sind in Entwicklung. Das wichtigste aber ist: Hinter Android stehen insgesamt rund 50 Handy-Hersteller, Mobilfunk-Anbieter und Zulieferer sowie die Internet-Großmacht Google. Nokia ist nicht dabei.

Wackelkandidat Microsoft

Die Marktforscher von Gartner rechnen für die nächsten Jahre mit einem scharfen Verdrängungswettbewerb. Bis 2015 werden nach ihrer Einschätzung nur noch drei Handy-Betriebssysteme den Markt beherrschen. Als Wackelkandidaten haben sie dabei derzeit Windows Mobile von Microsoft ausgemacht. Doch es ist davon auszugehen, dass der weltgrößte Software-Konzern nicht kampflos aufgeben wird.

dpa

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