Harte Auslese in der Politik-Wissenschaft

- Eine bis auf den letzten Platz gefüllte Große Aula erreicht normalerweise keine Lehrveranstaltung an der Münchner Ludwig-Maximilians- Universität (LMU). Doch diesmal hielt der ehemalige Staatsminister für Kultur, Julian Nida-Rümelin, am vergangenen Mittwoch seine Antrittsvorlesung an der LMU. Zwar hat der Ex-Politiker den Lehrstuhl für politische Theorie und Philosophie am Geschwister- Scholl-Institut (GSI) der Münchner Uni bereits seit Semesterbeginn inne, doch erst jetzt stellte Nida-Rümelin seinen programmatischen Aufriss öffentlich vor.

<P>Demokratie und Wahrheit </P><P>"Demokratie und Wahrheit" lautete der Untertitel seines Vortrags. Die Kernfrage: "Wie ehrlich kann und muss Politik sein?" Sehr ehrlich, meint Nida-Rümelin. Nach seiner Ansicht liegen moderne Theorien falsch, wenn sie fordern, die Politik solle jeden Wahrheitsanspruch aufgeben, um nicht zu geistigen Bürgerkriegen zu führen. Denn gerade eine Demokratie bedürfe der Wahrhaftigkeit, die ohne Wahrheit nicht zu haben sei. Der gebürtige Münchner Nida-Rümelin hat in der Landeshauptstadt in den 1970er-Jahren Philosophie, Politik, Physik und Mathematik studiert. </P><P>Doch wenn er von Politik spricht, weiß er noch aus einem anderen Grund, wovon er redet: Ab 1998 erlebte er den politischen Betrieb von innen, erst als Kulturreferent in München und ab 2001 in Berlin als Staatsminister für Kultur im Kanzleramt von Gerhard Schröder. Am 1. Juli ist Nida- Rümelin endgültig zur Münchner Wissenschaft zurückgekehrt: An diesem Tag wurde er zum Geschäftsführenden Direktor des GSI gewählt. </P><P>Ab dem Wintersemester 2004/2005 tritt er damit die Nachfolge von Henning Ottmann an. Der neue Direktor plant einiges für das Institut, unter anderem eine Beschränkung der Studentenzahlen, denn: "Das Betreuungsverhältnis ist bei uns so ungünstig wie nirgends sonst in der Republik." Während im Bundesdurchschnitt auf einen Professor 35 Studierende kämen, sei das Verhältnis am GSI mit 2800 Studenten und sieben Professoren um mehr als das Zehnfache schlechter. </P><P>Daher plant Nida-Rümelin ab dem Wintersemester 2005/2006 eine Eignungsprüfung vor Studienantritt und die Einführung eines Numerus clausus, also eine Auswahl nach der Abiturnote. Auch die Ausrichtung des GSI will der neue Direktor ändern: Neben den Geisteswissenschaften sollen Soziologie und Ökonomie hinzutreten. Die drei offenen Professuren sollen bis zum Sommersemester 2005 besetzt sein. </P>

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