Externer Dienstleister

Hass-Kommentare: Facebook lässt deutsches Team löschen

Hamburg/Berlin - Nach viel Kritik an der Art und Weise, wie Facebook mit Hass-Kommentaren und rechtswidrigen Einträgen deutscher Nutzer umgeht, setzt das soziale Netzwerk nun spezielle Teams ein.

Facebook kommt seinen Kritikern entgegen und will gegen Hass-Kommentare künftig auch von Deutschland aus aktiv werden. Dabei setzt das Netzwerk nach Informationen des „Spiegel“ auf einen externen Partner. Demnach sollen Mitarbeiter der Bertelsmann-Tochter Arvato, die auch fließend Arabisch, Französisch oder Türkisch sprechen, künftig entsprechende Inhalte in dem Facebook-Netzwerk prüfen und von Berlin aus schneller löschen können. In ersten Reaktionen wurde diese Entscheidung von Seiten der Politik begrüßt. Der bisherige, recht schleppende Umgang mit Hasskommentaren war wiederholt in die Kritik geraten.

Insgesamt sollen laut „Spiegel“ künftig Kontrolleure in dreistelliger Zahl von Berlin aus gegen die Hasstiraden vorgehen. „Facebooks Gemeinschaftsstandards verbieten Hass-Reden, Terrorismus sowie bestimmte Gewaltandrohungen und Mobbing“, sagte eine Facebook-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Facebook investiere mit wachsender Größe verstärkt in entsprechende Teams und arbeite mit Partnern in aller Welt, die unter der Leitung der Firmenzentrale in Dublin agierten.

Bisher kümmerten sich Facebook-Mitarbeiter von weltweit vier Standorten aus, darunter Dublin, um entsprechende Löschungen rechtswidriger Kommentare. Unter anderen hatte zuletzt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bei Netzwerken wie Facebook und Twitter mehr Anstrengung eingefordert und sich über verbesserte Maßnahmen gegen die wachsende Zahl von Hass-Botschaften verständigt.

Auf eine Änderung habe die Politik in den letzten Monaten immer gedrungen, sagte der Netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz. Facebook-Teams aus Deutschland könnten nun effektiver gegen die Urheber vorgehen. „Inhalte müssen nicht nur entlang der deutschen Rechtslage überprüft und schnellstmöglich gelöscht werden, sondern gelöschte Kommentare auch an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet werden.“ Ob dies dann tatsächlich geschehe, sei derzeit aber noch unklar.

Die Etablierung eines deutschsprachigen Teams direkt in Deutschland sei überfällig, sagte auch die Grünen-Politikerin Renate Künast. „Die bisherige Praxis war nicht praktikabel und hat mehr und mehr zu rechtswidrigen Ergebnissen geführt.“

Bei Facebook hatte es zuvor geheißen, es sei nicht notwendig, zusätzliche Mitarbeiter in Deutschland zur Bearbeitung der Hass-Botschaften anzusiedeln, dies könne an zentralisierten Standorten besser koordiniert werden. Zugleich wurden die Anträge von Nutzern, Hass-Kommentare zu löschen, in der Regel bereits schnell bearbeitet - der Kritikpunkt dabei war vor allem, dass viele fremdenfeindliche Inhalte im Netz geblieben seien.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

YouTube erlaubt Abo-Gebühren und Verkauf von Fanartikeln
YouTube und Instagram verschärfen ihren Konkurrenzkampf um Anbieter von Videoinhalten. Bei der Google-Videoplattform werden sie künftig auch Geld mit kostenpflichtigen …
YouTube erlaubt Abo-Gebühren und Verkauf von Fanartikeln
Google bringt eigene Podcast-App für Android
Podcasts erreichen immer mehr Zuhörer. Google schließt sich mit einer eigenen Android-App dem Boom an und will mit der Empfehlung von Inhalten auf Basis der …
Google bringt eigene Podcast-App für Android
Top-Apps: Mobiles Navi und Live-Übertragung
Alle vier Jahre weicht das Sommerloch der WM-Euphorie. Das Fußball-Turnier begeistert weltweit und beeinflusst auch die wöchentlichen App-Charts.
Top-Apps: Mobiles Navi und Live-Übertragung
Firefox mit Add-ons Speicherdiät verordnen
Der Firefox-Browser braucht bekanntlich viel Speicherplatz. Sind viele Tabs gleichzeitig geöffnet, kann darunter die Geschwindigkeit leiden. Mit zwei kleinen Add-ons …
Firefox mit Add-ons Speicherdiät verordnen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.