Der Hausarzt ist überall mit im Gepäck

- Mit einem neuen Blutdruckmessgerät, das drahtlos mit dem Handy gekoppelt ist, können Patienten in Zukunft ihre Daten zum Arzt schicken. Die Entwicklung hat ein Team um Professor Bernhard Wolf vom Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der Technischen Universität München (TUM) vorgestellt.

<P>Das Blutdruckmessgerät überträgt automatisch die Werte, die man zuvor über eine Armbinde am Handgelenk ermittelt hat, über einen Bluetooth-Funksender auf das Handy. Von dort aus kann der Patient die Daten in die Praxis senden und seinen Arzt anschließend um Ratschläge bitten. Das Gerät wurde bereits erfolgreich in einer Rehabilitationsklinik erprobt und hat jetzt Serienreife erlangt.<BR><BR>"Wir wollten ein System entwickeln, das es dem Patienten ermöglicht, von überall individuell vom Arzt betreut zu werden, ohne gleich in der Praxis erscheinen zu müssen", erklärt Bernhard Wolf. "Zudem wollen wir die Patienten mit der Technik autonomer machen, indem wir ihnen die Möglichkeit geben, sich vor einem Arztbesuch besser zu informieren. Die Patienten sollen so aktiv teilnehmen an ihrer Behandlung", sagt er.<BR><BR>Blutwerte per Funk zum Arzt</P><P>"Etwa 100 000 Schlaganfälle könnten in Deutschland jährlich verhindert werden, wenn man Risikofaktoren wie den Bluthochdruck regelmäßig kontrolliert und individuell, aber auch kostengünstig beobachten würde", sagt Wolf. <BR><BR>Die TUM-Medizinelektroniker haben sich aber schon weitere ehrgeizige Ziele gesteckt, um den Patienten noch unabhängiger zu machen. "Wir wollen den Leuten in Zukunft Geräte in einem kleinen Arztkoffer zur Verfügung stellen, mit denen sie zum Beispiel Daten über ihren Zucker oder ihren Harnstoff selbst bestimmen und zum Arzt übertragen können", sagt Wolf. <BR><BR>Wolf und sein Team versprechen sich von diesem Behandlungsansatz viele positive Effekte. "Indem man eine Therapie individuell ausrichtet, kann man eine Behandlung effizienter machen, denn wenn die Patienten ihre Daten zu Hause ermitteln, dann ergeben sich unverfälschte Daten", meint Wolf.<BR><BR>"Bei Blutdruckwerten verhält es sich zum Beispiel so, dass sie viel höher sind, wenn ein Patient nur sporadisch ihn in der Praxis messen lässt, als wenn er ihn regelmäßig zu Hause nach einer achtstündigen Ruhephase selbst ermittelt. Die Messung durch Dritte in der Praxis verfälscht also die Werte", ist sich Wolf sicher. "Darum bräuchten viele Leute gar keine Behandlung. Das Gleiche gilt für Blutzuckerwerte."<BR><BR>Aber auch Fitnessdaten, oder ob zum Beispiel über den Tag zu wenig getrunken wurde, wollen die Medizintechniker über ihre Geräte in Zukunft übermitteln. "Der Computer könnte dann dem Patienten am Abend anzeigen, wie viele Schritte er gegangen ist, dies mit der Körperfettmasse verrechnen und wie sich das auf seine Fitness auswirkt", erklärt Wolf. <BR><BR>Ein anderer Sensor misst über die Haut, ob genügend Wasser aufgenommen worden ist und zeigt eventuelle Defizite an.<BR><BR>In Zukunft soll das neue telemetrische System noch unabhängiger vom Mediziner werden. Die Gesundheitswerte werden dann vom Handy zu einer Datenbank übertragen und von ihr analysiert. Der Computer soll also den Patienten überwachen. Für dieses Projekt haben wir eine kleine Firma ausgegründet", sagt Alexander Scholz, der am Heinz Nixdorf-Lehrstuhl zur Zeit promoviert. "Auch die Datensicherheit des Systems ist gewahrt", so Scholz, "denn die Daten werden vom Handy codiert und erst dann zum Arzt übermittelt."<BR><BR>Noch kann die telemetrische Gesundheitsüberwachung nicht über die Kassen abgerechnet werden, denn es gibt dafür keine Abrechnungsnummer. <BR>Doch bei einigen Ärzten im Raum München und Freiburg ist das Blutdruck-Messgerät bereits bestellbar. Bald werden sie die Abfrage der Daten und ihre Interpretation auch zu einem Festpreis anbieten. <BR><BR>Mehr Infos auf der Homepage des Lehrstuhls: www.lme.ei.tum.de.<BR><BR></P>

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