Heilende Kräfte für Mensch und Tier

- Zu einem Sandbad sagt der Spatz nicht Nein. Auch der Elefant nimmt jede Gelegenheit zur Sanddusche oder zum sandigen Ganzkörperbad wahr. Hamster, Chinchilla und Wüstenrennmaus werden ohne die Möglichkeit zur Fellpflege im Sandbad sogar krank. Vielen Tieren dient das Sandbad als Trockner, zum Entfernen von Ungeziefer, eben insgesamt zur Hautpflege.

<P>Auch die Menschen nutzen von altersher die heilende Wirkung des Sandes. Schon bei den alten Griechen wird über das therapeutische Sandbad berichtet. Heute wird die "Psammatotherapie" (abgeleitet vom griechischen "psammos" = Sand) bei Rheuma, Gelenk- und Knochenleiden, bei Frauenleiden, in der Sportmedizin, bei Nervenentzündungen und anderen Krankheiten angewendet, die trockener Wärme bedürfen.</P><P>Nicht jeder Meeressand eignet sich als Heilmittel. Der verwendete Sand, der hauptsächlich aus Quarz besteht, muss sehr fein sein, mit einer Korngröße von 0,063 bis 0,2 Millimetern. Zudem sollte er reich an Mineralsalzen, wie Jod oder Brom, sein. Die mineralische Zusammensetzung von Sand variiert je nach Ort sehr stark. Den salzhaltigen Heilsand findet man vor allem an der Mittelmeerküste und in Nordafrika. Beliebte Kurorte sind das oberägyptische Assuan und zahlreiche Badeorte im norditalienischen Friaul. In unseren Breiten findet man keinen derartig warmen, von der Sonne aufgeheizten Sand. Darum blieb die Psammatotherapie hierzulande lange Zeit nahezu unbekannt.</P><P>Über therapeutische Sandbadewannen findet das Sandbad zwar auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Reine "Sandkurorte" gibt es bislang aber nicht. Das Sandbad wird immer in Kombination mit anderen Kurbehandlungen angewendet. Der Patient wird in der aufgeheizten Badewanne mit Sandschaufel und Sandschieber eingegraben. Für eine Behandlung werden 475 Kilogramm Sand benötigt. Per Überdruck wird er auf einem konstanten Temperaturniveau gehalten. Der Patient liegt eingewickelt in ein Tuch in dem Sand. "Durch ein Tuch können die gesunden Mineralsalze, die sich nur im feuchten Milieu lösen, natürlich nicht auf die Haut übergehen", sagt Professor Jürgen Kleinschmidt vom Institut für Klimatologie und Balneologie der Ludwig-Maximilians-Universität München bedauernd. "Doch um den Hygienebestimmungen für medizinische Sandbäder gerecht zu werden, ist ein Tuch leider zwingend notwendig." Um in den "puren Genuss" eines Sandbads zu kommen, muss sich der Badende also zur "Wiege des Heilsandes", ans Mittelmeer oder nach Afrika, begeben.</P><P>Ein anderes sandiges Heilmittel, die Heilerde, gibt es in Drogerien, Apotheken oder Reformhäusern zu kaufen. Heilerde kann äußerlich als Maske, Packung oder Wickel und innerlich als Trank oder Pulver verwendet werden. Sie besteht, ebenso wie Sand, zu einem Großteil aus Quarz und enthält viele Mineralstoffe. Mit einer Korngröße von 0,002 bis 0,02 Millimetern ist das Heilerdepulver jedoch sehr feinkörnig. Im Fachjargon wird es auch Löß genannt und gehört zur Gruppe der Peloide ( abgeleitet von pelos = Schlamm). Das sind chemische Gemische, die durch geologische und biologische Vorgänge entstanden sind. Weitere Peloide, die therapeutisch verwendet werden, sind Schlamm, Schlick, Moor, Lehm und Fango. "Peloide entfalten ihre Wirkung nur mit Wasser", erklärt der Mediziner Kleinschmidt.<BR><BR>Die therapeutische Wirkung von Heilerde beruht vor allem auf ihrer adsorbierenden Wirkung: Die Körnchen der Heilerde können Gift- und Schadstoffe sowie Säuren anziehen und binden. <BR><BR>Äußerlich ist die Lößpackung bei einer Vielzahl von Problemen anwendbar, wie Hauterkrankungen, Insektenstichen, Prellungen, Krampfadern oder Weichteilrheumatismus. Über Tiefenwärme wird die Durchblutung angeregt. Dabei werden Schadstoffe über die Haut ausgeschieden. Nass fühlt sich eine Heilerdemaske samtig auf der Haut an. Mit dem Trocknen entfaltet sich dann fühlbar die "saugende" Wirkung.<BR><BR>Innerlich kann Heilerde bei Magen-Darm-Beschwerden helfen, etwa bei Durchfall, Sodbrennen, Verstopfung, Blähungen oder Darmentzündung. Der Trank schmeckt sandig, aber neutral. Er sollte immer ein bis zwei Stunden vor oder nach der nächsten Mahlzeit getrunken werden, da sonst auch Vitamine oder Arzneimittel aus dem Darm "aufgesaugt" werden. <BR><BR>Lexikon aktuell<BR>Die Schlammpackung beinhaltet eine äußerliche Behandlung durch das Auftragen von Heilschlämmen. Sie erfolgt in vier aufeinander folgenden Schritten: 1. die Schlammpackung (Moor, Schlamm, Fango und andere Peloide) 2. ein Thermalbad 3. die Reaktionsphase (intensives Schwitzen) 4. Entspannungsmassage des Muskel- und Nervensystems. Jede Art der Schlammpackung wirkt über eine wärmende Tiefenwirkung. Sie kann in Körpergewebetiefen von drei cm noch ein Grad Celsius betragen.</P><P> </P>

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