Das heilende Virus

- Ihr Ruf ist miserabel. Durch Krankheiten wie Ebola und Aids morden sie täglich tausende Menschen. Als Verursacher der Vogelgrippe verbreiten sie derzeit auf der ganzen Welt Schrecken. Doch nicht immer sind Menschen und Viren Feinde: Dass die Krankheitserreger manchmal sogar heilen können, hat nun der Krebsforscher Oliver Ebert von der Medizinischen Klinik und Poliklinik des Klinikums rechts der Isar bewiesen.

Der medizinische Helfer heißt Vesikuläre Stomatitis Virus. Es befällt vor allem Tieren in den Tropen. Bei Rindern, Schweinen und Pferden löst der Erreger Entzündungen in der Maulhöhle aus, Menschen reagieren mit grippeähnlichen Symptomen.

30 Prozent der kranken Ratten wurden geheilt

Doch das Virus kann auch anders: Oliver Ebert hat mit seinem Team gezeigt, dass mit Hilfe des Erregers Leberkrebs zurückgedrängt oder sogar geheilt werden kann. Für seine Versuche injizierte Ebert Krebszellen in die Lebern von Ratten. Anschließend spritzte er den Tieren die Vesikulären Stomatitis Viren.

"Es hat sich herausgestellt, dass das Virus bei gesunden Leberzellen eine starke Abwehrreaktion hervorruft", erklärt Ebert. "Die erkrankten Leberzellen dagegen wurden von den Viren befallen und aufgelöst." Mit ihren Experimenten konnten die Mediziner rund 30 Prozent der an Krebs erkrankten Ratten heilen.

Doch dieser Erfolg reicht den Wissenschaftlern nicht: Jetzt wollen sie die Gene der Viren so verändern, dass sie die Krebszellen gezielter attackieren und für das gesunde Gewebe völlig ungefährlich werden. "Die neuen Gen-Abschnitte sollen zusätzlich dabei helfen, dass eine mit Viren befallene Krebszelle auch ihre Nachbarn in den Tod reißt", sagt Ebert. In einem weiteren Schritt planen die Forscher, das Virus so zu verändern, dass es im Körper des Patienten eine Immunantwort gegen die Krebszellen auslöst. "Damit bekämpfen wir dann auch die gefürchteten Metastasen und kleinere Krebszellennester."

Derzeit erkranken in Deutschland rund drei Prozent der Tumorpatienten an Leberkrebs. Weltweit, vor allem in den tropischen Ländern der Dritten Welt, ist Leberkrebs allerdings eine der häufigsten Tumorerkrankungen überhaupt. "Erkennt man diesen schnell wuchernden Krebs nicht frühzeitig, sind Therapiemöglichkeiten sehr begrenzt", sagt Ebert. Denn herkömmliche Behandlungsmethoden, wie etwa die Chemotherapie, sind bei Leberkrebs meistens wirkungslos.

Doch auch in unserem Kulturkreis könnten die Leberkrebsfälle in den nächsten Jahrzehnten zunehmen. Denn eine der häufigsten Ursachen für die tückische Krankheit sind Infektionen mit Hepatitis-C-Viren. Weltweit sind rund 170 Millionen Menschen davon betroffen.

Hepatitis C löst oft Leberkrebs aus

Das Hepatitis-C-Virus kann erst seit 1990 nachgewiesen werden. "Leberkrebs kann durch eine Hepatitis-C-Infektion, die über 30 Jahre zurückliegt, ausgelöst werden", sagt Ebert. "Früher wurde die Infektion auch durch Blutkonserven übertragen." Hepatitis-Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Leberkrebspatienten in Deutschland im Jahr 2020 einen Höchststand erreichen wird.

Die Bekämpfung der Leberkrebszellen durch die Viren wird nun in den USA von einer Arbeitsgruppe am Mount Sinai Medical Center in New York bei den ersten Patienten getestet. In Deutschland werden die klinischen Studien wohl in drei Jahren starten. Für die Forschung mit den heilenden Viren stellen das Bundesministerium für Forschung und Bildung und die Deutsche Krebshilfe der Arbeitsgruppe um Oliver Ebert insgesamt eine Million Euro zur Verfügung. Sollten die Münchner Forscher Erfolg haben, könnte sich der Ruf der Viren erheblich verbessern.

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