Herz und Lunge in Gefahr

- München - Die Grippe (Influenza) hat den gesamten Süden Deutschlands derzeit fest im Griff. Auch aus den Nachbarländern Österreich und Schweiz werden immer mehr Krankheitsfälle gemeldet. In Bayern ist die Zahl der Infektionen seit zwei Wochen rapide angestiegen, besonders betroffen sei Oberbayern, berichtet Dr. Wolfgang Hautmann, Arzt für öffentliches Gesundheitswesen am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

<P>86 Nachweise von Influenzaviren wurden allein in der fünften Kalenderwoche an die Behörde gemeldet, mehr als auf dem Höhepunkt der letztjährigen Saison. <BR>Ohnehin sind die aber nur die Spitze der tatsächlichen Erkrankungswelle, weil viele Ärzte keine Schleimabstriche zum Test ins Labor schicken. "Influenza ist keine harmlose Erkältung, sondern eine ernsthafte Viruserkrankung, und sie ist äußerst ansteckend", warnt der Bevölkerungsmediziner. <BR><BR>Eine echte Influenza-Grippe kann im Vergleich zu anderen Atemwegserkrankungen besonders schwer verlaufen. Zu gefährlichen Komplikationen kommt es vor allem dann, wenn das Immunsystem bereits aus anderen Gründen geschwächt ist.<BR><BR>Jedes Jahr fordert die Grippe viele Todesopfer, vor allem unter älteren Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Lunge oder des Stoffwechselsystems. Auch immungeschwächte Menschen, wie Krebskranke oder HIV-Infizierte, sind besonders gefährdet. Der Rat von Grippeexperten: Menschenansammlungen meiden.<BR><BR>Auch für kleine Kinder kann die Grippe sehr gefährlich werden. Bei ihnen kommt es mit einer Grippeinfektion häufig auch zu einer Meningitis (Gehirnhautentzündung). Deshalb wird derzeit in den Kinderkliniken bei Kindern, die mit hohem Fieber eingeliefert werden, auch vorsorglich das Gehirnwasser der kleinen Patienten untersucht.<BR><BR>Fieber (über 39 Grad Celsius), starkes Schwächegefühl, Kopf- und Gliederschmerzen sind die Hauptanzeichen für eine Infektion mit Influenzaviren. Wen sie erwischt haben, der wird mehrere Wochen krank sein, wenn er keinen Impfschutz hat oder sofort (in den ersten zwei Tagen) einen Virusstopper (Neuraminidasehemmer)bekommt. Zunehmend melden Apotheken Engpässe bei der so genannten "Grippepille" (Tamiflu). <BR><BR>Grundsätzlich kann man sich auch jetzt noch impfen lassen, allerdings nur, wenn man gesund ist. Zudem dauert es ein bis zwei Wochen, bis ein wirksamer Schutz aufgebaut ist. Die Impfung kann jeder Hausarzt durchführen. Die Kassen übernehmen die Kosten.<BR><BR>"Die verwendeten Impfstoffe enthalten keine lebenden Grippeviren, eine Ansteckung durch die Impfung ist also nicht möglich", betont Dr. Hautmann. Der Impfstoff enthält Komponenten von drei besonders häufigen Influenzavirustypen, die jährlich auf der Basis der internationalen Infektionsdaten neu in Abstimmung mit der Weltgesundheitsbehörde WHO zusammengestellt werden.<BR><BR>Dass die Risiken einer verschleppten, unbehandelten Virusgrippe viel größer sind, erfährt so mancher Patient erst, wenn es zu spät ist. Gefährlich sind vor allem Herzmuskelentzündungen, die das Herz dauerhaft schädigen. Manche Herztransplantation musste deshalb schon vorgenommen werden. Gefährlich sind außerdem begleitende Lungenentzündungen (Pneumonien) die durch zusätzlichen Bakterienbefall der Atemwege ausgelöst werden können.<BR><BR>Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat wegen der vielen Grippefälle den Kommunen zur Vorbereitung auf eine mögliche Grippe-Epidemie geraten. "Städte und Gemeinden sollten darauf eingestellt sein, Merkblätter an die Bevölkerung zu verteilen, über Hygienemaßnahmen zu informieren und gegebenenfalls auch Schulen und öffentliche Treffpunkte zu schließen", sagte Verbandssprecher Franz Reinhard Habbel bei einer Fachkonferenz des Städte- und Gemeindebundes in Nürnberg.<BR><BR>Vorbereitet sein sollten die Kommunen auch auf die Bildung von Krisenstäben oder zur Anordnung von Besuchsverboten für medizinische Einrichtungen. Wie die Lungenkrankheit SARS 2004 gezeigt habe, könne eine Epidemie extreme Belastungen für das öffentliche Gesundheitswesen und die öffentliche Ordnung bringen.<BR><BR>Einen Einsatzplan mit mobile Mikrobiologenteams und gesundheitspolitischen Maßnahmen für eine so genannte Pandemie, eine weltweite Infektionswelle mit besonders aggressiven Influenzaviren, hat das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin für alle Fälle ausgearbeitet. Die derzeitige Grippewelle ist aber keine Pandemie, für sie genügen normale Überwachungsmaßnahmen, so das RKI.<BR><BR></P>

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