Hilfe bei "hilflosem Lebensstil"

- James P. McCullough, Pionier im Kampf gegen chronische Depressionen, gibt es unumwunden zu: Der Name für die von ihm entwickelte Therapie ist ein Problem. "Er ist grauenhaft", sagt der Psychologieprofessor der amerikanischen Virginia Commonwealth University. "Aber ich bin eben mit ihm verbunden." Sicher, die Fragestellerin auf dem Psychiatriekongress in Berlin meinte ihren Beitrag witzig. Aber er berührt den Kern: Wer merkt sich schon CBASP? Oder die Langfassung, die auf Deutsch so klingen würde: Kognitives Verhaltensanalyse-Psychotherapiesystem.

Psychotherapie mindestens so wichtig wie Medikamente

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde allerdings ist überzeugt: Es lohnt, sich den Namen einzuprägen. "Diese Therapie ist mindestens genauso wichtig wie Medikamente", sagt etwa Professor Mathias Berger, Ärztlicher Direktor an der Freiburger Uniklinik. Neu ist CBASP übrigens nicht. Entwickelt hat McCullough die Methode in den 1980er-Jahren und erzielt mit ihr bemerkenswerte Erfolge -­ nur, dass der Rest der Welt das bisher kaum registrierte.

Um das zu ändern, ist McCullough nach Deutschland gekommen. Denn erhältlich ist seine Therapie hierzulande bisher kaum: Eine einzige Fachfrau hat ihre Ausbildung bisher abgeschlossen, einige Psychotherapeuten lassen sich derzeit schulen -­ es dauert noch, bis Kranke ihren CBASP-Spezialisten um die Ecke finden.

Während akute Depressionen meistens von selbst wieder abklingen, leiden allein in der Bundesrepublik eine Million Menschen an chronischen Depressionen. Gegen die gibt es bisher kein Patentrezept. McCullough fasst die Situation so zusammen: Die Pharmaindustrie stellt diverse Psychopharmaka her, die allesamt jeweils die Hälfte der Patienten kurieren; genauso häufig sind für sich genommen die Erfolge seiner CBASP-Therapie. Kombiniere man diese jedoch mit einem beliebigen Antidepressivum, steige die Quote auf 70 Prozent. "Wir glauben, dass das ein wirklicher Durchbruch ist", sagt Berger.

CBASP ist eine Mischform aus tiefen- und verhaltenspsychologischen Ansätzen -­ zugeschnitten auf das jeweilige Krankheitsprofil: Chronisch Depressiven fehlt die Distanz zu ihrem Leben, Misserfolge erleben sie als Katastrophen, den Zusammenhang zwischen eigenem Verhalten und dem anderer durchschauen sie nicht. McCulloughs Beispiel: Patienten spazieren ins Büro des Chefs, fordern ein höheres Gehalt und fühlen sich als "Versager", wenn sie es nicht bekommen.

Solche Fälle analysieren Therapeut und Patient: Dass Vorgesetzte in solchen Situationen meistens ablehnen, muss erst erarbeitet werden. Eine wichtige Hürde ist schon genommen, wenn der Depressive den Therapeuten nicht mehr als Feind sieht. 25 Sitzungen braucht es in der Regel, um den "hoffnungs- und hilflosen Lebensstil" der Kranken zu durchbrechen. Ein wasserdichter Vergleich mit anderen psychiatrischen Therapien steht noch aus. McCullough Lächeln hierzu strahlt Gewissheit aus, dass CBASP auch den besteht.

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