Hilfe bei Schmerz in den Gelenken

- Senta Berger streckt ihre Hände aus und blickt auf ihre Finger. An den Gelenken wölben sich Knoten. "Ich war getroffen in meiner Eitelkeit, als ich die Diagnose erhielt", bekennt die Schauspielerin. Die Diagnose lautete: Arthrose. Wie etwa fünf Millionen Deutsche leidet auch Senta Berger unter dem schmerzhaften Verschleiß der Gelenke. "Eine unattraktive Krankheit", sagt sie. "Und wenig spektakulär."

Als Schirmherrin der Initiative "Stark gegen Schmerz" will die beliebte Schauspielerin die Krankheit populärer machen ­\ und ihre ebenfalls wenig spektakulären Therapien. Denn wie eine neue Studie zeigt, nützen noch immer zu wenig Patienten die Mittel, um trotz Arthrose beweglich zu bleiben. Sie heißen vor allem: Schmerztherapie, Bewegung und als letzte Nothilfe künstliche Gelenke. Mit ihnen, so beweist das Vorbild der Schauspielerin, ist ein aktives Leben auch mit Arthrose möglich.

"Auch meine Mutter hatte Arthrose und wurde damit 98 Jahre alt", erzählt Senta Berger. Fast bis zum Ende ihres Lebens sei sie trotzdem sehr fit gewesen. Dank der richtigen Physiotherapie und den richtigen Medikamenten.

Den Verschleiß der Gelenke kann indes auch die modere Medizin nicht rückgängig machen. Er ist die Ursache für Arthrose. Im Gegensatz zur Arthritis sind diese nicht chronisch entzündet, sondern abgenutzt oder durch einen Unfall zerstört. Betroffen ist zunächst der Knorpel. Ist er beschädigt, wird er zusätzlich vom Immunsystem angegriffen. Damit schwindet der Stoßdämpfer des Knochens. "Im Röntgenbild sieht man einen verkleinerten Gelenkspalt", erklärt Professor Manfred Schattenkirchner, Rheumatologe aus München. Die Gelenkflüssigkeit verändert sich. Schließlich stößt Knochen auf Knochen. Dieser verdichtet und verformt sich und bildet Auswüchse. Das Gelenkneigt dazu, sich zu entzünden. Man spricht dann von aktivierter Arthrose.

"Am häufigsten ist Arthrose im Knie- und Hüftgelenk", sagt Schattenkirchner. Denn diese tragen das größte Gewicht. Doch auch Gelenke, die kaum belastet werden, können verschleißen. So erkranken auch Hand- oder Fingergelenke häufig. "Und man kann nichts dagegen tun", sagt Senta Berger. Und blickt wieder auf ihre Finger. Wie bei den meisten Patienten ist auch bei der Schauspielerin die Fingergelenksarthrose Veranlagung. "Schon ein Marmeladeglas zu öffnen, wird dann zum Problem", sagt Schattenkirchner.

Nicht alle Patienten leben mit der Erkrankung so gut wie Senta Berger. Dies zeigt eine Studie, die in der Klinik für Altersmedizin an der Uniklinik Bochum erstellt wurde. Das Ergebnis: Schmerzen in den Gelenken bleiben oft unbehandelt. Obwohl die Beschwerden so stark waren, dass mehr als ein Drittel der Befragten extrem starke Schmerzen hatte, erhielt nur ein Drittel Medikamente dagegen. Nur knapp die Hälfte versuchte, sie mit Krankengymnastik oder anderen Behandlungen in den Griff zu bekommen.

"Dabei ist Arthrose keine lästige Altersbeschwerde, die man hinnehmen muss", sagt Schattenkirchner. Um die Schmerzen zu lindern, gibt es eine Reihe von Medikamenten. Wer Probleme mit dem Magen hat, kann heute zu neuen verträglicheren Arzneien greifen.

Doch nicht nur Pillen helfen: Auch Akupunktur und Fußreflexzonenmassage bei Kniearthrose können nachweislich die Schmerzen lindern.

Zudem kann jeder selbst viel dazu tun, seine Beschwerden zu verringern. Die oberste Devise heißt: Der Speck muss weg. Die häufigste Ursache von Arthrose ist Übergewicht. "Nur fünf Kilo weniger ­ und den Patienten geht es wesentlich besser", sagt Schattenkirchner. Zudem gibt es Anzeichen, dass im Fettgewebe gebildete Stoffe den Gelenken schaden. So leiden Dicke auch öfter unter Arthrose der Hand- und Fingergelenke.

Wichtig ist zudem Sport. "Der Knorpel braucht Belastung", sagt der Rheumatologe. Bewegt sich ein Arthrose-Patient zu wenig, nehmen die Schmerzen zu. Die Krankheit schreitet schneller voran. Auch Wärme, zum Beispiel bei einem Urlaub im Süden, tut den Gelenken gut.

Ernährung hat keinen Einfluss auf Arthrose

"Meine Patienten fragen oft auch, was sie essen sollen", erzählt Schattenkirchner. Doch habe die Ernährung ­ im Gegensatz etwa zu Gicht ­ keinen Einfluss auf die Arthrose. Manche Ärzte empfehlen Glucosamin einzunehmen. Dies trägt im Körper dazu bei, dass Gelenkschmiere und Knorpel entstehen. Einen Nachweis, dass die Einnahme bei Arthrose helfe, gibt es laut Schattenkirchner indes nicht.

Sind die Schmerzen anhaltend und unerträglich, ist die letzte Alternative ein künstliches Gelenk. Auch hier hat die Medizin große Fortschritte gemacht. Von ihnen profitierte auch Senta Berger, als sie sich ein künstliches Hüftgelenk einsetzen ließ. "Ich kann noch Rad schlagen", sagt sie, lacht und wirft dazu ihr rechtes Bein hoch in die Luft.

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