Himmlischer Ton der Entspannung

- Keine andere Farbe beeinflusst die Menschen auf so unterschiedliche Weise wie die Farbe Blau. Blau weckt seit der frühen Menschheitsgeschichte bis heute den Einfallsreichtum und die Phantasien in der Kunst, in der Mythologie und in der Chemie.Noch in der Steinzeitepoche verwendeten die Künstler nur wenige Farben, die sie aus Mineralien, Erden und anderen Rohstoffen erzeugten. Die Farbe Blau kannten sie nicht.

<P>Erst in den frühen Hochkulturen machte man sich daran, Farben auch künstlich zu gewinnen. Vor Schwierigkeiten stellte die Menschen vor allem die Gewinnung von blauen Malfarben. Die erste Herstellung von Blau ist vermutlich schon auf das 3. Jahrtausend vor Christus zurückzuführen. "Ägyptisch Blau, das man aus dem Halbedelstein Lipislazuli gewann, ist eine der ältesten aus Mineralien hergestellte künstliche Farbe, erklärt Prof. Dieter Kessler von der Ludwig-Maximilians-Universität. </P><P>Die erste Verwendung ist aus der 4. Dynastie (2613-2494 v.Chr.) bekannt. Die Ägypter bemalten damit ihre Sakopharge und Kalksteinskulpturen. Selbst bei tausendjähriger Sonneneinstrahlung hat Ägyptisch Blau sein kräftig leuchtendes Erscheinungsbild behalten, wie die im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellten Grabschätze noch heute eindrucksvoll beweisen. Die Herstellung von Ägyptisch Blau endete mit dem Untergang des Römischen Reiches. </P><P>Bis ins 18. Jahrhundert gewann man die Blautöne neben der Herstellung aus Lapislazuli auch aus dem Mineral Azurit. Für die Textileinfärbung verwendete man bevorzugt Indigoblau, von den in tropischen und subtropischen Regionen, am längsten in Indien heimischen Indigosträuchern. Alle drei Farbmittel waren bereits in der Antike bekannt. Da sie meist importiert werden mussten, waren sie entsprechend teuer.</P><P>In der Mythologie einiger europäischer Völker teilte man übelwollenden Geistern und Zauberern die Farbe Blau zu. Nicht selten lockten sie mit blauen Irrlichtern Wanderer in Moorgebieten ins Verderben. </P><P>In orientalischen Ländern hingegen versucht man die Aufmerksamkeit von Überirdischen auf sein Haus zu lenken, indem man es blau anstreicht. Künstlern gilt Blau als Farbe der Ferne, des Geistigen und Göttlichen. Expressionistische Maler wie der Deutsche Franz Marc (1880-1916) oder der Exilrusse Wassili Kandinsky (1866-1944) gründeten in München die berühmte Künstlervereinigung "Blaue Reiter". Bekannt wurden vor allem die Pferde von Franz Marc. Mit dieser Farbe wollte der Maler das wahre Wesen der Tiere vermitteln. In der Malerei wird Blau als kalte Farbe eingestuft.</P><P>Blau ist nach einer Umfrage des Allensbacher Instituts bei den Deutschen die beliebteste Farbe. 36 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer ziehen sie jeder anderen vor.</P><P>Je dunkler die Farbe<BR>desto beruhigender</P><P>"In der Werbung verwenden wir Blautöne, wenn wir Ruhe, Besonnenheit oder aber auch Sauberkeit ausstrahlen wollen", erläutert Stephan Heller von der Münchner Werbeagentur Heller und Partner-communication. "Blau sagt dem Betrachter: Lehn Dich zurück, vertrau uns!"</P><P>Banken und Versicherungen setzen Blau oft als Hausfarbe ein. "Blau ist aber nicht gleich blau", so der Werbeexperte "Je dunkler die Farbnuance ist, desto beruhigender und entpannter wirkt sie auf uns".</P><P>Was auf der einen Seite angenehme Gefühlsregungen auslöst, wird auf der anderen Seite aber auch mit Befremdung aufgenommen. So vermeiden Lebensmittelexperten blauen Farbstoff in Nahrungsmitteln und vor allem in Süßigkeiten, da Blau hier eher unnatürlich wirkt. Als eines der wenigen Genussmittel, mit einer markanten blauen Farbe hat es der Likör "Blue Curacao" zur Berühmtheit geschafft. Das Getränk ist nach einer kleinen karibischen Insel vor Venezuela benannt.</P><P>Astronauten erschließt sich aus dem Kosmos sofort der Charakter der Erde. Sie ist leuchtend blau, im Gegensatz zum eisengesteinsroten Mars oder der sandgelben Venus. Dies hat unser Planet allein dem Wasser zu verdanken.</P><P>Physikalisch ist Blau <BR>eine Wellenlänge</P><P>Im physikalischen Sinne bedeutet "Farbe" Licht einer bestimmten Wellenlänge. Kurzwelliges Sonnenlicht ist blau, langwelliges ist dagegen rot. Die Weltmeere erscheinen uns blau, weil die Wassermoleküle die kurzwellige Strahlung des Sonnenlichts streuen und damit für uns sichtbar machen. Rotes Licht jedoch wird vom Wasser vollständig verschluckt.</P><P>Schaut man in den Himmel, erscheint er uns aufgrund der Streuung des Lichts an den Wassermolekülen in der Atmosphäre ebenfalls blau. Doch wenn man einen hohen Berg besteigt, wird der Himmel zunehmend schwarz. Dieses Phänomen fiel schon dem islamischen Gelehrten Al Buruni (973-1050) auf, als er den höchsten Berg Persiens, den 5600 Meter hohen Demavend, bestieg. Die Erklärung ist einfach: Je näher man dem Gipfel kommt, desto weniger Luftmoleküle befinden sich über dem Bergsteiger, also auch keine Teilchen, an denen sich die Sonnenstrahlung streuen kann. </P><P><BR>Buchtipps<BR>"Blau - Die Farbe des Himmels"; Götz Hoeppe; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg; 19,95 .<BR>"Mare No. 15- Die Zeitschrift der Meere"; Sonderheft zur Farbe Blau; dreiviertel Verlag, Hamburg; 7 .<BR>"Farben" - Sehen, Warnehmen Verstehen; von Norbert Welsc u. Claus Liebmann; Spektrum Akademischer Verlag; 49,95 .<BR></P>

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