Hirnforscher weist Kritik an Stammzellen-Patent zurück

- Bonn/Hamburg - Der Bonner Hirnforscher Oliver Brüstle hat die Kritik der Umweltorganisation Greenpeace zurückgewiesen, wonach er ein Patent "zum Klonen menschlicher Embryonen" halte. Greenpeace hatte am Dienstag die Rücknahme des Schutzrechts gefordert. Brüstle sagte dagegen in einem dpa-Gespräch in Bonn, Klonen sei durch das umstrittene Patent von 1999 "überhaupt nicht abgedeckt". Der Forscher betonte, dass er nicht mit Stammzellen geklonter menschlicher Embryonen arbeiten wolle und auch keine solche Zellen klonen wolle. Dies sei schon rechtlich in Deutschland gar nicht möglich.

<P>Brüstle erklärte, sein Patent beziehe sich auf die Herstellung von Nerven-Vorläuferzellen aus embryonalen Stammzellen, auf Verfahren der Ausreifung von Stammzellen und auf die Anwendung als Zelltransplantat ins Nervensystem. "Es handelt sich also nicht um ein Klon-Patent, sondern vielmehr um Verfahren, die mit Klonen nichts zu tun haben. In dem Patent steht auch nichts drin, was Klonierungsstrategien in irgendeiner Form abdeckt."</P><P>Greenpeace hatte kritisiert, dass sich das Patent auch explizit auf solche Zellen erstrecke, die aus eigens geklonten menschlichen Embryonen stammten. Greenpeace-Experte Christoph Then forderte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) als oberste Dienstherrin auf, das "Klon-Patent" aus dem Verkehr zu ziehen. "Andernfalls werden wir prüfen, wie wir gerichtlich dagegen vorgehen können", sagte Then. Der Marburger Bund unterstützte die Greenpeace- Forderung.</P><P>Nach Darstellung von Brüstle waren im Patentantrag von 1997 alle wissenschaftlich möglichen Quellen der Herkunft und Verwendung von embryonalen Stammzellen für seine Arbeit eingeschlossen. Dazu habe auch die Möglichkeit gehört, dass solche Stammzellen aus geklonten Embryonen stammen könnten. Inzwischen müsse dies relativiert werden, ergänzte Brüstle. So sei beispielsweise ein klinischer Einsatz des Dolly-Verfahrens nicht möglich und auch nicht tolerierbar.</P><P>Brüstle hat an der Universität Bonn den Stiftungslehrstuhl für Rekonstruktive Neurobiologie inne. Er ist der erste deutsche Wissenschaftler, dem der Import menschlicher embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken genehmigt wurde. Er will die Ende 2002 aus Israel eingeführten Stammzellen vermehren und in Zellen des Nervensystems umwandeln, um Erkrankungen des Gehirns zu behandeln.</P>

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