Historikerin unter Soldaten

- Die Professorin Merith Niehuss ist neue Chefin der Münchner Universität der Bundeswehr. Die 51-Jährige Historikerin hat am gestrigen 24. November in einer Feierstunde im Audimax auf dem Campus Neubiberg von ihrem Vorgänger, Prof. Hans Georg Lößl, die Präsidentschaft der Uni übernommen. In unserer Zeitung spricht sie über neue Projekte, Ziele und ihre Rolle als erste Präsidentin einer bayrischen Universität.

Was werden die wichtigsten Projekte in Ihrer Amtszeit sein?

Niehuss: Wir werden vor allem den Bologna-Prozess weiter vorantreiben, um die Studenten fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Wir müssen uns auch deswegen damit beeilen, weil unsere Studenten erst fünf bis sieben Jahre nach dem Studium auf den zivilen Arbeitsmarkt kommen, so dass es doppelt wichtig ist, sie frühzeitig mit den neuen Studienabschlüssen zu versehen. Neue Studiengänge wird es auch geben, wie zum Beispiel "Satellitennavigation", ein Forschungsfeld, in dem wir stark vertreten sind und mit dem wir unser Profil weiter schärfen wollen.

Sie kommen selber aus den Geisteswissenschaften. Die Bundeswehr-Uni ist eher technisch orientiert. Werden Sie auf die geisteswissenschaftliche Ausbildung in Zukunft vermehrt Wert legen?

Niehuss: Mittlerweile denke ich nicht mehr, dass die Geisteswissenschaften unterrepräsentiert sind. Viele der Generale der Bundeswehr haben einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund. Wir bieten unseren Studenten mit dem neuen Begleitstudium "studium plus" auch Kurse aus ganz entgegengesetzten Fächern an. Auch werden zum Beispiel alle unsere ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge mit betriebswirtschaftlichen Elementen versehen. Und die Gesellschaftswissenschaften werden oft parallel zu anderen Studiengängen angeboten. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Ausbildung in den Sportwissenschaften. Hier spielt die Pädagogik eine große Rolle. Wir planen auch die Einführung eines neuen Studiengangs "International Law and Politics", der sich mit gesellschaftspolitischen Problemen beschäftigen wird. Derartige Kombinationen bieten unseren Absolventen dann beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Stichwort: Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen. Welche Projekte schweben Ihnen vor?

Niehuss: Zwar haben wir unsere Schwerpunkte so positioniert, dass wir eigene Forschungsfelder bearbeiten, doch die Zusammenarbeit mit der TUM und der LMU ist schon in vielen Fächern, wie in den Nanowissenschaften oder am Reaktor in Garching, sehr eng. Insbesondere in der Ausbildung für eine bessere Lehre, gerade für unsere neuen wissenschaftlichen Mitarbeiter, arbeiten wir gut mit den anderen Hochschulen zusammen. Wir wollen unser Profil weiter stärken, indem wir uns in Zukunft mit der Sicherheitsforschung beschäftigen. Das umfasst alle Bereiche von Naturkatastrophen über die Technik, bis hin zu sozialen Aspekten, wie dem Terrorismus.

Sehen Sie Unterschiede bei den Studenten, die Soldaten sind und zivilen Studenten an anderen Universitäten. Was unterscheidet das Klima an der Bundeswehr-Uni von zivilen Unis?

Niehuss: Unsere Studenten stehen etwas mehr unter Strom. Die Leute lernen schließlich einen Doppelberuf. Sie sind zugleich Offiziere und haben damit einen Arbeitgeber, der Wert darauf legt, dass die Ausbildung zügig abgeschlossen wird. Die Soldaten können sich weniger Ausfälle leisten als zivile Studenten. Ansonsten unterscheidet sich das Studentenleben wenig von dem an zivilen Unis.

Werden Sie weiter vermehrt darauf setzen, auch zivile Studenten auszubilden?

Niehuss: Ja, dieses Projekt werden wir weiter verfolgen. Mit dem Ministerium ist vereinbart, dass wir nicht besetzte Plätze mit zivilen Studenten auffüllen können. Das Studium bei uns ist kostenpflichtig. In der Regel übernehmen Firmen die Gebühren. Zudem wollen wir Weiterbildungsangebote verstärkt anbieten, die man berufsbegleitend belegen kann, wie etwa den Master of Business Administration (MBA).

Sie sind die erste Präsidentin einer Universität in Bayern, sehen Sie sich als Vorreiterin?

Niehuss: Ja, ein bisschen schon. Es ist schon wichtig den Leuten zu zeigen, dass auch eine Frau eine Universität führen kann, gerade im etwas konservativen Bayern.

Was hat sich an der Bundeswehr-Uni geändert seit es dort auch vermehrt Soldatinnen gibt, die studieren?

Niehuss: Wir haben jetzt etwa neun Prozent Studentinnen. Diese Zahl hat sich im letzten Jahr verdoppelt. Wir rechnen damit, dass sich die Quote bei zehn Prozent einpendeln wird. Seit in den Seminaren auch mehr Frauen sitzen ist das Klima schon etwas lockerer geworden. Das ist eine schöne Entwicklung. Die Bundeswehr muss sich aber erst noch auf die Frauen einstellen. Frauen haben andere Probleme als Männer. Gerade durch die ständigen Versetzungen überall in Deutschland, ist es schwer eine Familie zu gründen, da es viele Ehen unter Soldaten gibt. Diese Versetzungspolitik ist nicht zuträglich, um eine Familie zu gründen. Die Bundeswehr muss unbedingt familienfreundlicher werden!

Das Gespräch führte Thorsten Naeser.

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