Hochschullehrer unter Notendruck

- Philosoph Julian Nida-Rümelin hat Bestnoten, allerdings von nur zwei Bewertern. Der Anatom Reinhard Putz hat dagegen schon 28 Zeugnisse ausgestellt bekommen. Er kommt auf eine ordentliche Durchschnittsnote von 2,5.

An den deutschen Hochschulen Noten zu verteilen, ist schon lange nicht mehr ein Vorrecht der Dozenten. Längst füllen Studenten Fragebögen aus, um Seminare und Vorlesungen zu bewerten. Seit vergangenem Herbst sind solche Rankings nicht mehr nur hochschulintern: Jetzt gibt es Zeugnisse für Professoren auch im Internet.

Studenten der Technischen Universität Berlin haben eine Homepage ins Leben gerufen, die es bundesweit ermöglicht, Professoren und ihre Kurse zu bewerten.

Auf der Homepage www.meinprof.de können Studierende anhand von sieben Kriterien bewerten, was ihnen an einem Kurs gefallen hat, oder was ein ziemlich großer Reinfall war. Zusätzlich kann man Kommentare verfassen. "Wir wollen mit unseren Seiten eine Entscheidungshilfe für die Belegung von Lehrveranstaltungen liefern, vor allem für Hauptseminare", erklärt Jonathan Weiß, der an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurswesen studiert. Zusammen mit zwei Kollegen hat er die Homepage ins Leben gerufen. "Ich hatte die Idee, als ich ein Jahr in den USA studiert hatte", erzählt Weiß. Dort ist es schon seit Jahren üblich, im Internet auf der Homepage www.ratemyprofessor.com Bewertungen über seine Dozenten abzugeben. Mehr als fünf Millionen Einträge sind bis heute dort eingelaufen.

Diese Bewertungs-Möglichkeit wollten die Berliner Studenten nun auch ihren Kommilitonen in Deutschland bieten. "Mittlerweile haben wir rund 6000 Zugriffe jeden Tag", sagt Weiß. "Etwa 1000 neue Benotungen gehen täglich bei uns ein." Von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) haben schon mehr als 90 Dozenten eine Beurteilung erhalten.

Dass auf einem solchen Internetforum auch persönliche Rachegelüste per Mail eingehen, kann man nicht ausschließen, räumt Weiß ein. "Wir kontrollieren alle Eingänge, die wir veröffentlichen." "Wenn zum Beispiel auffällig viele Mails von einem Computer aus verschickt werden, nehmen wir diese aus der Wertung."

Die Resonanz auf die neuen Seiten sind sehr unterschiedlich. "Einige Profs weisen ihre Studenten in den Kursen schon selbst darauf hin, dass sie bei uns Noten vergeben können, andere haben schon gedroht, uns zu verklagen", sagt Jonathan Weiß. Aber diesen Klagen sehen der 24-Jährige und seine Kollegen eher gelassen entgegen.

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