Im Hörsaal online mit Peking, Tokio, Zürich

- Rap-Musik empfängt die Studenten vor ihrer ersten Vorlesung in diesem Semester. Über dem Pult des Hörsaals 2 U01 im Schweinchenbau der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sind zwei große Leinwände installiert, die in den nächsten zwei Stunden eine zentrale Rolle übernehmen werden.

<P>Es ist die erste internationale Vorlesung der so genanntenen "Artificial Intelligence Lectures", die an fünf Unis in Asien und Europa zeitgleich und interaktiv gehalten wird. Das Internet macht's möglich. <BR><BR>Riesige Datenmengen durchströmen den Internet-Highway, als die fünf Uni-Chefs von München, Zürich, Warschau, Peking und Tokyo ihre Studenten begrüßen. Jeder kann jeden auf den beiden großen Bildschirmen sehen.<BR><BR>"Eine Vorlesung an fünf Universitäten, die über den ganzen Erdball verstreut sind, zeitgleich in englischer Sprache zu halten ist ein hochkomplexe Sache," erklärt Britta Glatzeder vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der LMU. "Die Technik dafür ist erst seit ein paar Jahren überhaupt vorhanden."<BR><BR>Und so sind die etwa 50 Studenten und Mitarbeiter im Münchner Hörsaal Zeugen einer Premiere bei dem "Experiment Globales Lernen", wie es die Initiatoren nennen. Noch nie zuvor wurde für eine internationale Vorlesung ein solcher technologischer Aufwand bewältigt.<BR><BR>Die Technik ist in der Tat beeindruckend. Von Professor Rolf Pfeifer, der in Tokyo eine Gastprofessur inne hat, kommt ein Tafelbild, das über einen Beamer im Power-Point-Format an die Leinwände projiziert wird. Jeder, ob Student oder Professor in den fünf zugeschalteten Hörsälen, kann ein Mikrofon in die Hand nehmen. Derjenige, der am lautesten spricht, erscheint automatisch auf dem Bildschirm.<BR><BR>Zwar könnte man den besondere Lerneffekt, der ein solch aufwendigen Projekt rechtfertigt, hinterfragen. Doch die Premiere der Vorlesungsreihe, die sich mit der Computertechnologie in der modernen Gesellschaft beschäftigt und in diesem Wintersemester jeden Dienstag um 9.15 Uhr im Schweinchenbau stattfindet, ist gelungen. </P><P>Kleinere Probleme mit der Datenübertragung werden schnell beseitigt, so dass die Diskussion und der Gedankenaustausch über acht Zeitzonen hinweg fast in Echtzeit stattfinden kann.<BR><BR>Auch die Studenten sind von dem Projekt sehr angetan: "Am meisten fasziniert mich die Vernetzung so unterschiedlicher Kulturkreise wie Europa und Asien durch das Internet", sagt Amelie Vanser, Medizinstudentin im zweiten Semester. "Man sitzt in der gleichen Vorlesung wie die Chinesen und Japaner an ihren Unis."<BR><BR>Amelie ist mit ihren Freundinnen extra nach der Biochemievorlesung in die Leopoldstraße gekommen, um die Premiere mitzuerleben. "Schade nur, dass die Vereinigten Staaten nicht mitmachen", bedauert sie. Aber sie will auch nächste Woche dabei sein, wenn es heißt: "Wir sind online mit Tokyo, Peking, Warschau und Zürich." <BR></P>

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