Aus dem Hörsaal in die Werkstatt

- Eine Frau als Ingenieur? Für viele undenkbar. Studentinnen technischer Fachrichtungen haben es besonders schwer, sich gegen die männliche Konkurrenz durchzusetzen. An der TU München gibt es deshalb seit vier Jahren das Förderprogramm "Mentoring". Die Projektleiterin Dr. Ulla Weber erklärt, wie das Mentorenprogramm funktioniert und was es bringt.

Ingenieurinnen finden dreimal so oft keine Anstellung wie Ingenieure. Trauen ihnen die Männer nichts zu?

Dr. Ulla Weber: Dass Frauen häufig die Technikkompetenz abgesprochen wird, ist sicher einer der Gründe. Die Faktoren sind aber vielfältig. So werden Personalentscheidungen meist von Männern getroffen. Vorgesetzte neigen eher dazu Menschen zu fördern, die ihnen ähnlich sind - und die sind dann eben auch männlich.

Wie kann "Mentoring" den Frauen helfen?

Weber: Fachkräfte in den Ingenieurwissenschaften sind gesucht. Wenn Ingenieurinnen keine Anstellung finden, liegt es also nicht an fehlenden Arbeitsplätzen, sondern an der Vermittlung. Genau hier liegt die Hauptfunktion von "Mentoring": in der erfolgreichen Vermittlung weiblicher Nachwuchskräfte.

Wie funktioniert "Mentoring"?

Weber: Kernstück ist die Zweierbeziehung zwischen Mentorin und Mentee. Die Betreuer geben ihre Erfahrungen und ihr Wissen weiter und führen mit den Studentinnen regelmäßig Gespräche über Lebens- und Karriereplanung. Für die Teilnehmerinnen gibt es zusätzliche Angebote, wie Bewerbungstrainings. Einmal jährlich spielen Personalvertreter mit Studentinnen Bewerbungssituationen nach. Den Betreuern bieten wir ein "Gender-Training" an. Die Teilnehmer sollen sich dabei der typischen Rollenmuster entledigen, die Aufstieg und Teamerfolg behindern.

Wie kann ich als Studentin am Mentoring-Programm teilnehmen?

Weber: Voraussetzung für die Teilnahme ist das Vordiplom oder der Bachelor. Die Studentinnen können sich beim Frauenbüro der TU bewerben. Entsprechende Formulare gibt es im Internet.

Wer kann Mentor werden und welche Voraussetzungen muss er erfüllen?

Weber: Die Mentorinnen und Mentoren sollten selbst schon mindestens fünf Jahre im Job sein und im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich arbeiten.

Finden die Teilnehmerinnen des Projekts häufiger einen Job?

Weber: Fast alle haben mittlerweile eine Arbeitsstelle gefunden. Mehr als die Hälfte geben an, dass ihnen die durch "Mentoring" geknüpften Kontakte geholfen haben. Bemerkenswert ist, dass alltatsächlich im erlernten Beruf tätig sind. Dies ist keineswegs selbstverständlich. Denn nur 30 Prozent aller Ingenieurinnen arbeiten dann auch in Ingenieurberufen.

Sitzen die ersten Teilnehmerinnen bereits auf einem Chefsessel?

Weber: Der Weg in die Führungsetagen braucht seine Zeit und die meisten haben ihr Studium erst 2005 abgeschlossen. Noch haben wenige der Berufsanfängerinnen Personalverantwortung, allerdings schon über die Hälfte Projektverantwortung.

Das Interview führte Andrea Eppner

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