News-Ticker: Gesuchter Imam bei Explosion in Alcanar getötet

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Auf Holperstraßen auf die Datenautobahn

- Nangal Chaudhary - Der schlichte Computer in einem 15 Quadratmeter großen Laden, mitten im Basar von Nangal Chaudhary, bedeutet eine technische Revolution. Denn er verbindet das indische Dorf im Bundesstaat Haryana mit dem Rest der Welt, über das Internet. "Global Village", der Begriff aus dem Internet-Zeitalter, soll eigentlich ausdrücken, wie die Welt durch das World Wide Web zum Dorf wird. In Nangal Chaudhary ist es umgekehrt: Das Dorf wird durch den Anschluss ans Netz zur großen weiten Welt.

<P> </P><P>Holprige Wege führen zur Datenautobahn in Nangal Chaudhary. Über dem Ladeneingang steht "Cybercafe" und "www.nangalchaudhary.8k.com". Die Seite wird von Rajesh Kaleria betreut, der auch das Internetcafé betreibt. "Ein einziger Rechner ist alles, was wir haben", sagt der 25-Jährige, "aber besser als nichts". Finanziert wurde der Computer vor zwei Jahren von der Regierung, die Kaleria als Lehrer und Leiter des Internetcafés einsetzte. 2000 Rupien (42 Euro) im Monat verdient er. Strom, Telefon und Miete muss er von den Einnahmen bezahlen.</P><P>"Der Computer-Unterricht kostet 200 Rupien pro Monat", sagt Kaleria. Derzeit lernen 20 junge Männer aus der Gegend das Klicken und Tippen, Herunterladen und Senden. Der 16-jährige Umesh Kumar hat in dem Raum, an dessen Wand ein vergilbtes Foto von Microsoft-Gründer Bill Gates hängt, zum ersten Mal im Leben einen Rechner gesehen. "Ich dachte zuerst, das wäre ein Fernseher", gibt er zu, "aber jetzt kann ich schon Internetseiten von Zeitungen öffnen und Artikel lesen." Außerdem lernt er Text- und Datenverarbeitungsprogramme kennen. Umesh hat versucht, seinen Vater in den Unterricht mitzunehmen, aber der hat sich bislang geweigert.</P><P>"Das Mailen macht viel Spaß", sagt Umesh und öffnet seine Mailbox. "Das Problem ist nur, dass ich selten weiß, wem ich schreiben soll." Deshalb schicken sich die Schüler gegenseitig E-Mails. "Außerdem ist es für uns oft schwierig, mit dem Internet klar zu kommen, weil wir nicht gut genug Englisch sprechen", sagt ein Schüler.</P><P>Nach und nach wird die ländliche Bevölkerung an das weltweite Netz angebunden. Das National Informatics Centre (NIC) betreibt landesweit Internetprojekte in Dörfern, und mehr und mehr Bauern, Fischer und Jugendliche loggen sich ein und entdecken die digitale Welt. Die anfängliche Skepsis weicht der Neugier: In manchen Dörfern nutzen Eltern das Internet, um für ihre Kinder Heiratsanzeigen aufzugeben und abzurufen. Ziel der indischen Regierung ist es jetzt, jede Region mit mindestens einem Rechner mit Internetanschluss zu versorgen.</P><P>Im nördlichen Bundesstaat Himachal Pradesh betreiben Jugendliche in Zusammenarbeit mit der Regierung mittlerweile 25 Computer. Die Dorfbewohner können Formulare, Beschwerden und Anträge an die Behörden per E-Mail einreichen. Im westlichen Maharashtra werden den Landwirten Daten zur Zuckerrohrernte aus 70 Dörfern im Internet zur Verfügung gestellt. Und Fischer im südindischen Kerala nutzen das Netz, um Wetterinformationen abzurufen. Fast überall sind die Nutzer Analphabeten, aber Jugendliche, die lesen und den Computer bedienen können, helfen ihnen.</P><P>Eine gute Autostunde von Nangal Chaudhary entfernt liegt das Dorf Kanina. Auch dort steht in einem kleinen Raum ein einsamer Rechner. "Internet Dhaba" heißt das Geschäft, "Internet Imbiss". Als Vijendra Kumar im Sommer 2000 den Dhaba eröffnete, kamen Bauern und bestellten Essen. Sie wunderten sich, dass es dort stattdessen einen Computer gab. Heute schicken die Bauern ihre Kinder zum Unterricht.</P><P>Die meisten Bauern in Kanina und Nangal Chaudhary sind überzeugt, dass ihnen ein Computer und das Internet nichts nützen. Erntedaten und Wetterzyklen haben sie im Kopf, weitere Informationen brauchen sie nicht. "Aber sie haben das Gefühl, dass ihren Kindern die Kurse helfen könnten. Deshalb bezahlen sie den Unterricht", sagt Kumar.</P><P>Immer wieder fällt der Strom aus, täglich mehrere Stunden, wie in allen Dörfern. Kumar verbindet den Computer mit einer Autobatterie unter dem Tisch - und weiter geht der Unterricht. Schwieriger ist es schon, wenn die Telefonleitungen mal wieder blockiert sind.</P><P>Der Kurs beginnt am Nachmittag und dauert eine Stunde. "Zurzeit haben wir nur Jungen als Schüler, aber es gab auch schon mal ein Mädchen im Kurs", sagt Kumar. 200 Leute hat er in den vergangenen zwei Jahren unterrichtet. Und allen hat er die Geschichte von Bill Gates erzählt.</P><BR>

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