Honorar für die Diplomarbeit

- Mehrere Monate zwischen Bibliothek und Computer, hundert Seiten Text mit mehreren hundert Fußnoten - in Diplom- oder Magisterarbeiten steckt viel Mühe und Zeit. Doch viele Arbeiten verstauben nach Studien-Ende im Regal. Das muss nicht sein: Ein Münchner Verlag hilft Studenten und Absolventen, ihre Abschluss- und Hausarbeiten zu vermarkten.

"Eigentlich sind solche Arbeiten zu schade, um nach der Korrektur in einer Schublade zu vermodern", dachte sich Patrick Hammer im März 1998. Damals studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität Kommunikationswissenschaft. Mit seiner Schwester sicherte Hammer sich die Internetadresse "www.hausarbeiten.de". Zunächst schrieben die zwei alle Freunde an und veröffentlichten deren Seminararbeiten.

Heute ist Hammer einer von sechs Gesellschaftern des Grin-Verlages. 61 190 Arbeiten von Studenten sind mittlerweile über die Internet-Portale des Verlages abrufbar. Allein zwischen 100 und 200 Abschlussarbeiten kommen jeden Monat hinzu.

Arbeiten aus BWL und Pädagogik sind gefragt

Wer auf der oben gennanten Homepage oder unter www.diplomarbeiten24.de recherchiert, kann unentgeltlich Einleitung und Inhaltsverzeichnis der wissenschaftlichen Werke lesen und bei Interesse eine Arbeit als Pdf-Datei herunterladen. Bezahlt wird übers Internet.

Oft werden die Arbeiten von großen Firmen oder Parteien gekauft, wie Hammer berichtet. "Abschlussarbeiten behandeln oft aktuelle oder Randthemen, zu denen man in Büchern nur allgemeine Informationen findet."

Für den Autor einer Arbeit bedeutet das ohne zusätzlichen Aufwand einige Euro Zuverdienst. Je nach Umfang, Thema und Note zahlt der Käufer zwischen 2,99 und 150 Euro. 40 Prozent des Nettoverkaufspreises erhält der Schreiber einer Abschlussarbeit. Reich wird er damit zwar nicht, doch "einige Autoren kommen im Jahr auf vierstellige Beträge", so Hammer.

Nachgefragt werden vor allem wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten; aber auch die Fächer Medienwissenschaften, Pädagogik und Politik boomen.

Weil rund die Hälfte der Arbeiten von Studenten heruntergeladen werden, sieht sich das 17-köpfige Team des Grin-Verlags immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, Plagiate zu erleichtern. Hammer argumentiert dagegen: "Seit Arbeiten im Internet veröffentlicht werden, ist das Abschreiben viel riskanter", meint er. Habe ein Hochschulprofessor einen begründeten Plagiatsverdacht, arbeite man zudem mit, um den Sachverhalt aufzuklären.

Nicht zuletzt erhofft sich Patrick Hammer durch die Portale des Grin-Verlags ein bisschen frischen Wind an den Hochschulen: "Es ist ein Anreiz für die Dozenten, nicht immer dieselben Hausarbeitsthemen zu stellen."

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