Hormone gegen Magersucht

- Im Kampf gegen Depressionen und Ängste, aber auch gegen die Fett- und die Magersucht setzen Stoffwechselforscher und Nervenwissenschaftler zukünftig auf Hormone. Die Ursachen der sich in den Industrienationen dramatisch verbreitenden Fettsucht sind vielschichtig.

<P>Eine Hauptursache ist aber unsere Ernährung. Die in der Evolution als Schutzmechanismus entwickelte Steuerung der Kalorienaufnahme und Fettspeicherung, die das Überleben in Hungerzeiten sichern sollte, erweist sich bei den heutigen üppigen Ernährungsgewohnheiten als gefährlicher Bumerang.</P><P>Nun soll dem Körper durch Hormone vorgetäuscht werden, er habe bereits gegessen beziehungsweise genug Fettreserven aufgebaut. Das Prinzip, über das Matthias Tschöp vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam beim Europäischen Kongress für Neuroendokrinologie berichtete, heißt, dem Gehirn wird etwas vorgetäuscht, was in Wirklichkeit noch nicht besteht.</P><P> Bei der "Pille" wird dieses Prinzip schon lange erfolgreich angewandt: Hier signalisieren Hormonveränderungen dem Gehirn, dass bereits eine Schwangerschaft besteht und deshalb kein Eisprung erfolgen soll.</P><P>Neben dem "sättigenden" Hormon Leptin (im Jahre 1994 entdeckt, es informiert das Gehirn über bereits vorhandene Fettspeicher) und dem vor zwei Jahren entdeckten "Hunger-Hormon" Ghrelin (es informiert das Gehirn, dass Kalorien zugeführt wurden) kennt man inzwischen auch ein Darmhormon, das den Hunger zwischendurch verhindert und eines, das dem Gehirn mitteilt, eine Mahlzeit soll beendet werden.</P><P>Damit stehen den Forschern bereits die Säulen der künftigen Strategie zur Verfügung, mit denen die Fettsucht erfolgreich gezügelt werden, aber auch das Gegenteil, nämlich die Magersucht, in den Griff bekommen werden soll.</P><P> Auch gegen Depressionen und Ängste werden neuartige Medikamente entwickelt. Florian Holsboer vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München berichtete über eine erste Studie an 24 Patienten, bei denen ein Mittel getestet wurde, das die Wirkung des Stresshormons Cortisol an seinen Rezeptoren (Ankerstellen) blockiert. </P><P>Cortisol hält uns normalerweise wach, unterdrückt den Appetit und erhöht die Aufmerksamkeit. Sind wir längere Zeit dem Stress ausgesetzt, entstehen daraus Schlafstörungen, Magersucht, Angst und Depressionen.</P><P>Es werde aber noch zwischen drei und fünf Jahren dauern, bis größere Studien mit solchen Medikamenten anlaufen können, meinte Florian Holsboer.<BR></P>

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