Hormone rehabilitiert

- Forscher der Berliner Charité widersprechen nach eigenen Untersuchungen ausdrücklich zwei angloamerikanischen Großstudien, die einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Brustkrebs (Mammakarzinom) und der Hormonersatztherapie (HRT) festgestellt hatten. Die Einnahme von Östrogenen und Gestagenen stimuliere nur das Wachstum bereits vorhandener Tumoren, stellte jetzt die Forscherguppe um den Pathologen Manfred Dietel fest.

Rund ein Viertel aller Frauen, die unter typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und depressiven Verstimmungen leiden, nimmt künstliche Hormone. Nach Angaben der AOK sind dies in Deutschland derzeit etwa 1,5 Millionen Patientinnen.

Früher lag die Zahl deutlich höher: Die Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin spricht von einem Rückgang der HRT-Verordnungen von 40 bis 50 Prozent in den Vorjahren.

Zurückzuführen ist dies vor allem auf zwei Studien: 2002 brachen Forscher der Women′s Health Initiative eine Beobachtung von rund 16 000 Frauen ab, an denen die Wirkung einer Kombination aus Östrogenen und Gestagenen getestet werden sollte. Den Medizinern schien eine Fortsetzung ethisch nicht mehr vertretbar, da nach ersten Erkenntnissen die Hormongabe das Brustkrebsrisiko um 26 Prozent erhöhte. Ein Jahr später ergab eine britische Studie an einer Million Frauen, deren Daten rückwirkend ausgewertet wurden, sogar eine Verdopplung des Brustkrebsrisikos, wenn zehn Jahre lang kombinierte Hormonpräparate eingenommen wurden. Die Studien lösten weltweit große Verunsicherung aus.

Die Berliner Forscher kommen zu einem anderen Ergebnis: "Die Hormonersatztherapie hat keinen Einfluss auf die Neubildung von Brustkrebs", so Prof. Dietl: Die Daten aus beiden Großstudien ließen nur den Schluss zu, dass Hormone das Wachstum eines vorhandenen hormonempfindlichen Mammakarzinoms fördern.

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