Hospiz Stiftung beklagt massive Defizite in der Schmerztherapie

- Münster - Massive Defizite in der Schmerztherapie hat die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung beklagt. "Wir haben eine Zwei-Klassen-Schmerztherapie in Deutschland", sagte der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, am Rande des Deutschen Schmerzkongresses am Mittwoch in Münster der dpa. Während auf der einen Seite die wenigen guten Schmerztherapeuten "volle Hütten" hätten, würden andere Schmerzpatienten Opfer von ärztlicher Unkenntnis und bürokratischen Hemmnissen des deutschen Gesundheitssystems.

<P>"Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ein Drei-Stufen-Schema zur Schmerztherapie erarbeitet, doch gut 63 Prozent der Ärzte kennen diesen Stufen-Plan nicht", sagte Brysch. Der WHO-Plan differenziert den Einsatz von Medikamenten nach schwachen, mittelstarken und starken Schmerzmitteln. Eine dosierte Morphintherapie scheitere häufig daran, dass der verschreibende Arzt schnell sein Budget überschreite. "Die Kassenärztliche Vereinigung entscheidet so über die Therapie bei Schmerzpatienten", kritisierte der StiftungsVorstand.</P><P><BR>Unkenntnis und Vorurteile über den Einsatz dieser Medikamente erschwerten häufig eine wirksame Schmerztherapie. Für den MorphinEinsatz sei ein intensiver Dialog zwischen Arzt, Patient und Angehörigen notwendig. Ärzte benötigten dafür eine besondere Ausbildung. Dazu gehöre vor allem das Wissen über die richtige Dosierung von Morphinen. "Gibt der Arzt zu wenig, leidet der Patient Schmerzen, gibt er zu viel, kann es das Leben des Patienten verkürzen", betonte Brysch.</P><P><BR>Ein internationaler Vergleich über die Höhe des Morphinverbrauchs bezogen auf eine Million Einwohner zeige, dass Deutschland Schlusslicht in Europa ist: 1995 waren rund 10 Kilogramm Morphin je eine Million Einwohner verbraucht worden, in Großbritannien und Schweden lag er bei 30 beziehungsweise 49 Kilogramm, in Dänemark bei 83 Kilogramm. </P><P> </P>

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