"Ich bin froh, nicht die einzige Frau zu sein"

- Anna Mayer und Qi Zhang sind in jeder Hinsicht Ausnahmefrauen. Sie haben sich für den von Männern dominierten Studiengang Elektrotechnik entschieden. Und damit nicht genug: Die beiden 20-Jährigen sind an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg eingeschrieben, ohne sich als Soldaten verpflichtet zu haben.

Zhang und Mayer haben als "Externe" Stipendien für ihr Studium bekommen und gehören so zu den wenigen zivilen Studenten an der Bundeswehr-Uni.

"Man gewöhnt sich schnell daran, dass wir Frauen hier in der Unterzahl sind", sagt Qi Zhang. Laut Sprecher Michael Brauns ist jede Zehnte an der Hochschule der Bundeswehr eine Frau.

Das Verhältnis zu den Soldaten beschreiben die beiden jungen Frauen als freundschaftlich. "Ich komme gut mit ihnen zurecht", sagt Anna Mayer. Abends gehe man schon einmal auf Partys in Bars der Soldaten-Wohnhäuser. Denn die Externen haben zwar Zutritt auf das abgeriegelte Gelände, müssen aber außerhalb wohnen. Mayer, die aus Marquartstein bei Traunstein stammt, hat sich eine Wohnung in Neubiberg gemietet. Qi Zhang wohnte schon vor ihrem Studium in Neubiberg. So können beide bequem zu den Hörsälen radeln.

Den Spaß am Studium sieht man den beiden an. "Ich finde vor allem den festen Stundenplan gut. Das erinnert so an die Schule", erklärt Qi Zhang. Dass sie in ihrer Studienrichtung "Mathematical Engineering" nur 16 Studenten sind und die Professoren sich für Fragen viel Zeit nehmen, gefällt Anna Mayer am meisten.

Zwar haben die Bundeswehr-Studenten nur drei Monate pro Jahr vorlesungsfrei und müssen dann noch Pflichtpraktika absolvieren. "Aber wenn man es sich einteilt, hat man schon genug Freizeit", sagt Anna Mayer. Nicht selten verbringen die Freundinnen ihre freie Zeit auf dem Campus, um das Sportprogramm auszunutzen.

Verpflichtung wäre Alternative gewesen

"Meine Freunde denken, ich wäre Soldatin und hätte mich auf zwölf Jahre verpflichtet", sagt Qi Zhang grinsend. Dann wird sie ernst: "Das wäre aber meine Alternative gewesen, wenn ich das Stipendium nicht bekommen hätte." Anna Mayer kann sich eine Verpflichtung bei der Bundeswehr dagegen überhaupt nicht vorstellen: "Das wäre als Frau wohl eher schwierig", sagt sie und denkt dabei an 30-Kilometer-Märsche mit schwerem Rucksack. "Ich bin froh, nicht die einzige Frau hier zu sein", gesteht Anna Mayer. Qi Zhang pflichtet ihr bei. "Man braucht einfach mal jemanden zum Ratschen."

Finanziert werden die Stipendien von Osram und Siemens. Die Studentinnen gehen dabei keine Verpflichtungen ein. Qi Zhang überlegt, nach ihrem Abschluss für Osram nach China zu gehen. Chinesisch spricht sie fließend.

Auch für nächstes Wintersemester können sich zivile Studenten für Elektrotechnik an der Universität der Bundeswehr einschreiben. Bewerbungen bis 15. März 2007 an Prof. Stefan Schäffler (Stefan.Schaefflerunibw.de).

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