Immer feste druff: Battlefield: Bad Company 2 im Test

Redwood City - Was musste man warten als Fan der Battlefield-Reihe. Sich gar mit besseren Browsergames trösten. Nun also endlich der lang ersehnte zweite Teil von Battlefield: Bad Company. Test mit Video!

Elogen bei Computerspielen haben gerne mal den Anruch der Käuflichkeit des Autors, weshalb sie, wenn möglich, vermieden werden sollten. Und das Vermeiden von Begeisterungsstürmen wiederum fällt beim neuen „Battlefield: Bad Company 2“ nicht allzu schwer. Nicht dass es nicht ein tolles Spiel wäre, von der wirklich überragenden Grafik ganz zu schweigen. Und doch: Irgendwie wird Bad Company 2 den Vorschusslorbeeren nicht gerecht. Man wird den Eindruck nicht los, dass ambitioniert gearbeitet, aber irgendwie etwas vergessen wurde. Aber erst einmal „Alles auf Anfang“, wie Roland Kaiser sang.

Endlich wieder Battlefield

Lange musste man als PC-Zocker ja auf eine Fortsetzung der Battlefield-Reihe warten. Nach Battlefield 2142 und dem lustigen, aber nun auch nicht gerade Abendfüllenden Battlefield Heroes war darben angesagt. Bis nun endlich der zweite Teil von Bad Company auf den Markt geworfen wurde. Moment sagen Sie? Zweiter Teil? Warum habe ich den ersten nicht gespielt? Sie Fuchs Sie. Nun, die schwedischen Entwickler von Dice haben sich in ihrer Hybris ja nicht zu einer PC-Version durchringen können. Der Titel erschien 2008 nur für die Xbox 360 und die PlayStation 3 und wurde mit Lob geradezu überschüttet. Nun muss der zweite Teil mit dieser Erwartungshaltung zurecht kommen und eben auch eingefleischte WASD-Nutzer überzeugen. Und leider schafft er das nicht völlig.

Mit allem und scharf

Es geht ordentlich rund, soviel kann man nach den Einzelspielermissionen sagen. Ob Dschungel, Schnee oder japanischer Schützengraben es ist alles drin und dran. 13 Missionen lang wird man rund um den Globus gescheucht und an jede Waffe gelassen die herumliegt. Mal Scharfschütze, mal Sprengstoffexperte, mal Panzerfahrer oder Heli-Pilot. Technisch ist das alles eine glatte eins. Landschaften wie man sie bei Far Cry oder Crysis gesehen hatte. Brachiale Soundkulisse inklusive. Allerdings dürfte sich die überwiegende Mehrheit der Spieler Bad Company 2 wegen des Multiplayermodus gekauft haben. Und der überzeugt schon einmal, da es nicht nur dröges Fahnenerobern sondern auch Angriff und Verteidigung von Kommunikationsanlagen im Rush-Modus gibt. Einer Art Flag-by-Flag Abwandlung. Natürlich kann man sich auch im Deathmatch-Modus austoben. Dazu stehen insgesamt vier Klassen zur Verfügung.

Bitte kombinieren Sie

Man wählt aus den Klassen Sturmsoldat, Sanitäter, Aufklärer oder Ingenieur die Wunschklasse. Die einzelnen Klassen sind dabei mit geeigneten Waffen und Gegenständen ausgestattet. Innerhalb dieser Klassen kann man neue Waffen freischalten und diese für den Kampf in der jeweiligen Klasse benutzen. Vier sind ersteinmal wenig, doch Upgradeoptionen und die Menge der sammelbaren Abzeichen für jede Klasse sind immens. Charakteranpassungen, Zusatzgeräte und unzahlige Waffen halten die Motivation hoch.

Screenshots aus Battlefiel: Bad Company 2

Screenshots aus Battlefield: Bad Company 2

Soweit so gut. Nur sind die Klassen nicht ganz ausbalanciert. Beispiel Sturmsoldat: Sollte man eine Klasse wirklich mit der Munitionsausgabe betrauen und ihr dann noch eine unglaublich wirkungsvolle Waffe wie den Granatwerfer an die Hand geben? Im Vergleich zu Battlefield 2 ist es eher ein Rückschritt in der Klassenausgestaltung als ein Fortschritt. Auch die Sniper-Klasse ist in Bad Company 2 etwas zu stark geraten. Nach ein paar freigeschalteten Features kann man dank enormem Zielfernrohr fast die ganze Karte einsehen. Auf den Fog-of-War wurde verzichtet. Damit wird man gerne mal aus unglaublichen Distanzen geheadert. Allerdings wird nach einem erfolgreichen Abschuss dem Opfer die Position des Snipers verraten. Toll für alle, bis auf den Sniper natürlich. Verstecken und campen ist nicht. Das ganze Spiel will Aktion, Bewegung und Dynamik. Da es auch nicht die Möglichkeit des Liegens gibt, ist man aber eh immer auf den Beinen. Stichwort Dynamik: Es wurde auch auf jede Art von Sprengfallen verzichtet. Damit mangelt es etwas an Heimtücke und Raffinesse. Ein Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Effekt entsteht.

Nichts für Stubenhocker

Konnte man sich bei anderen Battlefield-Spielen noch hinter Mauern oder in Gebäuden verschanzen, so fällt das nun weg. In Battlefield: Bad Company 2 zückt man den Granatwerfer und zerlegt kurzerhand das Gebäude, in dem sich Gegner am Lagerfeuer Geschichten erzählen. Schießscharten Marke Eigenbau. Macht kaputt, was euch kaputt. Das sieht aber, dank überragender Grafik nicht nur schön aus, sondern bietet ganz neue taktische Möglichkeiten. Außerdem macht es Spaß und einiges her.

Mehr Spieler

Mehr Spieler als beispielsweise dem Refenzprodukt BF2 gibt es auf den Karten nicht. Ganz im Gegenteil: Massenschlachten sind in Bad Company 2 nicht zu erwarten. Vielmehr wird das Hauptaugenmerk auf den Teamgedanken gerichtet. Absprachen mit den Squad-Kollegen und koordiniertes Vorgehen sind gefragt. Was nervt ist, dass nicht auf mangelnde Munition oder Sani-Pakete hingewiesen werden kann. Aber das heißt eben auch wieder nur: Rein ins Squad und über Teamspeak das Fehlende Geordert.

Fazit

Kann viel, will noch mehr. Ein Einzelspieler-Game ist es nicht. Soll es auch gar nicht. Warum aber dann die Einzelspielerkampagne? Auf Multiplayerseite ist es schon sehr fein geraten, nervt aber mit manch fehlendem Kleinkram derart, dass man dem Rechnerknecht am liebsten Wasser ins CD-Laufwerk kippen möchte. Trotzdem: Man muss sich klar sein, dass dies ein kritisieren auf hohem Niveau ist. Bad Company 2 ist ein tolles Spiel, keine Frage, aber wie bei einem geilen Eisbecher hätte man halt gerne noch Krokant oben drauf, um es perfekt zu machen.

Genre: Ego-Shooter/Taktik-Shooter

Erschienen für: PC, XBox 360, Playstation 3

Hersteller: Electronic Arts

Altersfreigabe: Ab 18 Jahren

Martin Müller

Rubriklistenbild: © Electronic Arts

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