Impfung schützt Frauen vor Krebs

- "Zum ersten Mal kann man eine Krebsart durch eine Impfung verhindern", sagt Professor Ernst Weissenbacher vom Klinikum Großhadern begeistert. Das ist eine Revolution. Seit Oktober können sich Frauen gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen.

Humane Papillomviren (HPV) gelten als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs, dem Zervixkarzinom, wie es in der Fachsprache heißt. Beim Geschlechtsverkehr ist das Infektionsrisiko besonders hoch - das Virus wird durch Schleimhautkontakt übertragen. Doch nur wenige infizierte Frauen erkranken tatsächlich an Gebärmutterhalskrebs. Der Tumor entsteht erst 10 bis 20 Jahre später - als Folge einer chronischen Infektion. Bei den meisten Frauen verschwindet das Virus dagegen spontan - ebenso unbemerkt, wie es gekommen ist.

Doch allein in Deutschland sterben mehr als 2000 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs. 7000 neue Patientinnen kommen jährlich hinzu, viele von ihnen sind jünger als dreißig. Schuld daran ist nach Expertenmeinung der hohe Durchseuchungsgrad in der Bevölkerung: "70 Prozent der sexuell Aktiven kommen im Laufe ihres Lebens mit HPV in Kontakt", warnt der Gynäkologe Weissenbacher.

Das Papillomvirus kann bei

Frauen Krebs auslösen

Ein neuer Impfstoff bietet seit Oktober wirksamen Schutz gegen das Virus - zumindest gegen vier der rund hundert verschiedenen Virustypen. Doch allein 75 Prozent aller Tumore des Gebärmutterhalses werden durch die Typen 16 und 18 ausgelöst, gegen die der Impfstoff schützt. Ebenso verhindert er die Infektion mit Typ 6 und 11, die für unangenehme Warzen im Genitalbereich verantwortlich sind. HP-Viren verursachen aber auch rund 40 Prozent der Krebserkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich - auch vor diesen Tumoren schützt der neue Impfstoff. "Ein kleiner Pieks für die Frauen, ein großer Schritt für die Menschheit", meint Dr. Michael Wojcinski vom Berufsverband der Frauenärzte.

Die Krankenkassen zahlen die Impfung bisher nicht

Doch der Preis der Impfung wird viele Frauen abschrecken. Rund 500 Euro müssen die Patientinnen für die drei notwendigen Injektionen bezahlen. Eine Impfung, die vermutlich in fünf bis zehn Jahren wiederholt werden muss. Genauere Angaben können auch Experten derzeit noch nicht machen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten bislang nicht.

Das könnte sich bald ändern: Denn Anfang Dezember wird die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts über eine allgemeine Impfempfehlung entscheiden. Ihrem Rat und dem öffentlichen Druck werden sich die Krankenkassen kaum entziehen können. Obwohl Experten jedem zur Impfung raten - selbst Männern - werden vermutlich nur sehr junge Frauen zwischen 9 und 16 Jahren von der Entscheidung profitieren: Am effektivsten ist die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Dann sind Frauen mit einer Sicherheit von rund 80 Prozent vor dem Zervixkarzinom geschützt. Allerdings nur, wenn sie auch weiterhin regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen: Experten propagieren die Kombination von Impfung, Abstrich und Gen-Test auf HPV.

Hoffnung gibt es aber auch für ältere Patientinnen: Wissenschaftler arbeiten an einer neuen, therapeutischen Impfung. Sie soll Frauen helfen, die sich bereits mit dem Virus infiziert haben. Der künftige Impfstoff soll körpereigene Killerzellen aktivieren, die das HP-Virus abtöten. Im Tierversuch tun sie das bereits mit Erfolg.

Wer als Mädchen geimpft wurde, ist vor Zervixkrebs geschützt.

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