Die Implantate der Zukunft

- Dieses Jahr wurde an deutschen Hochschulen viel über die Förderung der Eliten von morgen nachgedacht. Doch es gibt sie längst, die Elite-Wissenschaftler und -Studenten, die an der Verwirklichung hoch innovativer Ideen arbeiten und damit die Qualität ihrer Hochschule im internationalen Wettbewerb beweisen. Ein Beispiel für den Erfolg intensiver, fach- und hochschulübergreifender Forschung ist der Bayerische Forschungsverbund FORTEPRO, dessen Arbeit an Knochenersatz-Implantaten gerade mit einem begehrten europäischen Preis ausgezeichnet wurde.

<P>Das Team des Ingenieurwissenschaftlers Alexander Ott vom Lehrstuhl für Feingerätebau und Mikrotechnik der TU München hatte auf der Frankfurter Messe bei der "EuroMold 2004" - der weltgrößten Fachmesse für Werkzeug- und Formenbau, für Design und Produktentwicklung - erste Entwicklungsergebnisse aus dem Forschungsverbund vorgestellt. FORTEPRO steht für Forschungsverbund Tissue Engineering (= Gewebezüchtung) und Rapid Prototyping (= schnelle Produktentwicklung). Für die Präsentation des Projekts "Patientenindividuelles Kieferimplantat aus biokompatibler Keramik mit innerer Struktur (3D-Druck)" erhielt das bayerische Team vor einer starken japanisch-deutschen Konkurrenz den Preis "EuroMold Award in Gold".<BR><BR>Knochenersatz-Strukturen mit Stammzellen</P><P>Den Forschungsverbund aus Medizinern, Mathematikern, Informatikern und Ingenieuren von fünf Universitäten und einem Großforschungszentrum haben wir in diesem Jahr in unserer Serie über die Bayerischen Forschungsverbünde bereits vorgestellt. Die beteiligten Forscher arbeiten an individuellen, stabilen Knochenersatz-Implantaten, deren maßgeschneidertes Gerüst mit körpereigenen Zellen (derzeit Stammzellen aus dem Knochenmark) besiedelt wird, sich nach der Implantation abbaut und durch nachwachsendes eigenes Knochengewebe ersetzt wird. <BR><BR>Einer der innovativen Forschungspartner ist Professor Günter Ziegler vom Friedrich-Baur-Forschungsinstitut für Biomaterialien der Uni Bayreuth. Wir fragten ihn bei einer Tagung in Freising, an der über 30 Wissenschaftler des Verbunds teilnahmen, nach Ergebnissen.<BR><BR>"Das Wichtigste ist zunächst die innovative Kraft, die von diesem Forschungsverbund ausgeht", so Ziegler. "Schon atmosphärisch ist der Verbund ungewöhnlich, in dem so unterschiedliche Fachdisziplinen eng zusammengeschweißt wurden." Darüber hinaus aber sei für sein Institut die Kombination von neuen Materialien und Verfahrenstechniken besonders interessant, so Ziegler. "Mit den 3D-Keramik-Strukturen ist in diesem Projekt schon ein Riesenschritt gelungen." Unglaublich viel gelernt habe man für den Ingenieurbereich gerade auch von der Medizin, in der die Brücke zwischen Materialtechnischen Verfahren und Stammzellenbesiedlung geschlagen werde.<BR><BR>Partner in dem Verbund sind auch hochspezialisierte mittelständische Firmen. Wir fragten nach, was sie an FORTEPRO besonders reizt.<BR><BR>Gunter Kadegge von der Rapid Prototyping-Firma KL-Technik in Krailling betonte, er sei als Hersteller von Teilkomponenenten natürlich an Aufträgen für die Zukunft interessiert. "Neben dem Produkt sind mir in dem Forschungsverbund jedoch vor allem der enge Kontakt und der Informationsaustausch mit den Forschern sowie die Synergieeffekte zu anderen Produktionen wichtig." Der Chemiker Gerhard Maier von der Firma polyMaterials in Kaufbeuren erklärte, dass seine Firma konkret Interesse an neuen, bioabbaubaren Materialien habe, und für solche Innovationen lohne es sich auch, Geduld zu haben, selbst wenn der Medizinprodukte-Markt jetzt noch nicht abzuschätzen sei. "Es wurden in diesem Forschungsverbund schon viele Probleme gelöst. Als nächster spannender Schritt - und da machen wir gerne mit - stehen nun Tests zur Biokompatibilität an." <BR><BR>Ein erstes Fazit des Sprechers von FORTEPRO, des Kiefer-Gesichtschirurgen Professor Hans-Florian Zeilhofer (Universität Basel/Hightech-Forschungs-Zentrum TU München): "Unser Verbund lebt von einer neuen, geistig offenen, kreativen Kultur des Forschens. Er ist multidiziplinär, überfakultär und interuniversitär. Die jungen Wissenschaftler lernen bei dieser sehr vernetzten, sich zu einem Ganzen fügenden Gemeinschaft von Forschern, die Sprachbarrieren ihrer Fachgrenzen zu überwinden. Die älteren Forscher beobachten, dass Barrieren und Berührungsängste zwischen Fächern fallen, die über Jahrzehnte bestanden."<BR><BR><BR></P><P><BR><BR></P>

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