Infarkt-Therapie mit Stammzellen bald Standardverfahren

- Rostock - Ein in Rostock entwickeltes Verfahren zur Behandlung von Herzinfarktpatienten mit Hilfe von Stammzellen könnte schon in wenigen Jahren weltweiter Standard werden.

Die Gruppe um Herzchirurg Gustav Steinhoff hat nach eigenen Angaben eine zweijährige kontrollierte Studie an 40 Patienten erfolgreich abgeschlossen, denen nach einem Infarkt körpereigene Stammzellen ins Herz gespritzt wurden. Dort regenerierten die Zellen das geschädigte Herz und verbesserten so bei zwei Dritteln der Patienten die Pumpleistung deutlich. Am Freitag trafen in Rostock etwa 30 Patienten erneut mit ihren Ärzten zusammen.

"Die Studie hat gezeigt, dass unser Verfahren sicher und effizient ist", sagt Steinhoff, der im Juli 2001 in der ersten Phase der Studie erstmals einem Patienten die aus dem eigenen Knochenmark gewonnenen Stammzellen injiziert hatte. Stammzellen aus dem Knochenmark dienen eigentlich der Blutbildung. "Seit einigen Jahren vermutet man, dass diese Zellen auch über die Blutbahn durch den Körper wandern und an geschädigten Partien 'Reparaturen' vornehmen können", erläutert Steinhoff.

Diese Fähigkeit machen sich die Rostocker zu Nutze und spritzen Stammzellen direkt an den Ort der erwünschten Wirkung - ins Herz. Dabei verwandeln sich die Stammzellen nach Steinhoffs Erkenntnissen nicht in Herzmuskelzellen, die für die Pumparbeit im Herzen zuständig sind, sondern werden unter anderem zu Gefäßzellen. Inzwischen wurden ähnliche Verfahren auch in anderen deutschen Kliniken erprobt, etwa in Hannover oder in Düsseldorf.

Bei der ersten Phase ging es laut Steinhoff darum, die Sicherheit der Therapie zu belegen und die genaue Dosis an Stammzellen, die für den Erfolg nötig ist, zu ermitteln. Bei der zweiten Phase wurden die Stammzellpatienten mit einer Kontrollgruppe verglichen, die herkömmlich behandelt wurde. "Die Pumpleistungen nach der neuen Therapie waren signifikant höher als bei der Kontrollgruppe", sagte Steinhoff. "Besonders gute Ergebnisse wurden bei Patienten erzielt, die vor der Behandlung eine sehr schlechte Herzleistung hatten."

In einer dritten Phase der Studie sollen nun an mehreren Kliniken im In- und Ausland mindestens 150 weitere Patienten nach dem neuen Verfahren behandelt werden. Verschärfte Bedingungen sollen ausschließen, dass noch Fehler möglich sind. "In zwei bis drei Jahren kann unsere Therapie dann weltweit routinemäßig angewandt werden."

Einer der am Freitag zu dem Treffen gekommenen Patienten ist der 55-jährige Manfred Engel aus Rostock. Zu Pfingsten 2003 hatte er eine erschütternde Diagnose bekommen: Obwohl er keine Symptome verspürt hatte, entdeckten die Ärzte bei ihm gleich mehrere Hinterwandinfarkte. "Mir wurde gesagt, es kann sein, dass ich jetzt aufstehe und tot umfalle", erinnert sich Engel. Im Dezember 2003 wurde er dann operiert und ließ sich von Steinhoff überzeugen, an der Studie teilzunehmen. "Danach hat sich die Durchblutung meines Herzens nach Angaben meiner Ärzte deutlich verbessert."

Für eine solche Aussage ist es für den 72-jährigen Rostocker Hans Förster zu früh. Er wurde im Januar 2005 nach einem Infarkt operiert und mit Stammzellen behandelt, noch liegen keine endgültigen Ergebnisse vor. Er hatte vor seinem Infarkt von der neuen Therapie in der Zeitung gelesen und ließ sich auf eigenen Wunsch damit behandeln. Auf die Frage, was er von der Stammzelltherapie hält, lacht er und sagt: "Mir geht es heute gut, also stehe ich ihr positiv gegenüber."

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