Ingenieure verzweifelt gesucht

- In Deutschland sind derzeit rund 18 000 Ingenieursstellen unbesetzt. Weil der Nachwuchs fehlt, wird sich dieses Problem bis 2020 massiv verschärfen. Universitäten, Industrie und Verbände werben nun gemeinsam für technische Studiengänge - und haben dabei mit wenig kooperativen Schullehrern oder eigener Ressourcenknappheit zu kämpfen.

Das ist das Ergebnis des siebten "Tages der Technik in Bayern", der an der Technischen Universität München (TUM) durchgeführt wurde.

"Wir bezahlen heute bitter für die Fehler Anfang der 1990er-Jahre", sagt Erich Kohnhäuser, Präsident der Fachhochschule Regensburg. Er bezieht sich auf die Entlassungswellen, die damals Techniker und Ingenieure um ihre Jobs gebracht haben. Die Konsequenz: Innerhalb von zwölf Monaten sank die Zahl der Studienanfänger in technischen Fächern an einigen Unis auf bis zu ein Drittel ab.

Im Schulterschluss fordern nun der Verband der Ingenieure (VDI), der Verband der Elektrotechnik (VDE), Konzerne wie Siemens und die Universitäten einen "gesellschaftlichen Aufbruch" für mehr Technik-Affinität.

Die Verbände und Unis haben sich die Nachwuchsförderung schon in den Schulen sowie die verstärkte Akquise weiblicher sowie ausländischer Studierender auf die Fahnen geschrieben.

Bei Punkt eins scheitern die Bemühungen nicht selten an den Lehrern. Dazu Günter Dependahl, bayerischer Landesvertreter des VDE: "Lehrer wissen oft überhaupt nicht, was ein Ingenieur macht." Und oft wollen sie es leider auch nicht wissen: Äußerungen wie "Hab zu viel zu tun" oder "Hab so was nicht auf dem Stundenplan" bremsen nach Erfahrung der Techniker viele Bemühungen aus. Die TUM hat reagiert und bildet Lehrer für naturwissenschaftliche Fächer in den eigenen Hallen aus.

Geht es um den weiblichen Nachwuchs, sollen spezielle Angebote Vorurteile abbauen. "Die Technik-Feindlichkeit schwindet, sobald Mädchen Einblick in die Arbeit von Ingenieuren bekommen", so Wolfgang Schröppel von Siemens.

TUM: Ingenieurs-Studium ohne Numerus clausus

Unabhängig von Geschlecht, Nationalität oder Herkunft spielen für alle Abiturienten die Studienbedingungen eine Rolle. Die Technische Universität München belegt Ingenieurs-Studiengänge nicht mit einem Numerus clausus. Konsequenz: Um die steigende Nachfrage zu bewältigen, ging die Zahl der Unterrichtsstunden, die Dozenten halten, von acht auf neun nach oben. "Und das bisher ohne Gegenleistung", wie Rudolf Schilling, Vizepräsident der TU, betont. Der Freistaat Bayern habe aber Unterstützung zugesagt.

Insgesamt sehen die Ingenieure den Wandel von einer technikfeindlichen zur technikaffinen Gesellschaft als ein mittelfristiges Großprojekt. "Ähnlich wie beim Umweltbewusstsein wird es wohl so zehn Jahre brauchen", sagt Wolfgang Schröppel.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Letzte Chance zum Kauf? Apple nimmt offenbar beliebte iPhone-Modelle aus dem Sortiment
Laut Medienberichten plant Apple, zwei seiner iPhone-Modelle aus dem Sortiment zu nehmen. Kunden könnten nur noch wenige Wochen Zeit bleiben, um zuzuschlagen.
Letzte Chance zum Kauf? Apple nimmt offenbar beliebte iPhone-Modelle aus dem Sortiment
WLAN-Passwort einfach mit anderen iOS-Nutzern teilen
Will man bei Freunden oder Verwandten zum ersten Mal ins W-Lan, steht zunächst ein umständliches Passwort-Eintippen an. Das ist bei Nutzern von iOS 11 nun nicht mehr …
WLAN-Passwort einfach mit anderen iOS-Nutzern teilen
Instagram führt Fragen-Sticker ein
Um besser mit seinen Followern zu interagieren bringt Instagram eine neue Funktion: Neuerdings können Nutzer ihren Idolen oder Freunden beliebige Fragen stellen. Die …
Instagram führt Fragen-Sticker ein
Neue Funktion bei WhatsApp: Von dieser Änderung können alle profitieren
Nervige Gewinnspiele, Kettenbriefe - immer wieder werden WhatsApp-Nachrichten verschickt, die so viele Daten wie möglich von den Nutzern sammeln sollen. Damit könnte es …
Neue Funktion bei WhatsApp: Von dieser Änderung können alle profitieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.