Die innere Uhr tickt im Takt der Sonne

Chrono-Biologie: - Drei Taktgeber regeln unseren Tag. Die Sonne, die soziale Uhrzeit, die uns zum Beispiel sagt, wann die Abendnachrichten beginnen, und eine innere Uhr. Doch die Sonnenzeit entspricht nicht überall derselben sozialen Uhrzeit. Zwar leben wir in Deutschland alle in einer Zeitzone. Die Sonne geht aber im Osten früher unter als im Westen. Im Sommer ist es zudem länger hell.

Aber welche der äußeren Uhren stellt die innere Uhr? Dieser Frage sind Prof. Till Roenneberg und sein Team von der LMU nachgegangen. Im Interview gibt Roenneberg Auskunft, wie der Mensch mit diesen beiden Taktgebern umgeht.

Wer gibt unserer inneren Uhr den Takt an? Die Sonne oder das Ticken unserer sozialen Uhr?

Roenneberg: Die innere Uhr stellt sich eher nach dem Tageslicht ein als nach sozialen Gewohnheiten. Zu diesem Ergebnis sind wir gekommen, nachdem wir mehr als 21 600 Testpersonen, verteilt über die ganze Bundesrepublik, befragt haben. Wir fragten sie nach ihren Wach- und Schlafgewohnheiten.

Wie sahen die Ergebnisse aus?

Roenneberg: Wir haben die unterschiedlichen Sonnenzeiten in Deutschland verwendet ­ im Osten geht die Sonne 36 Minuten früher auf und unter als im Westen und fast denselben Unterschied finden wir im Tagesablauf der Menschen. In Frankfurt an der Oder stehen die Menschen an freien Tagen um 34 Minuten früher auf, gestalten ihren Tagesablauf dementsprechend, und gehen auch früher zu Bett als ihre Mitbürger im Saarland.

Gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Roenneberg: Ja, je größer die Städte sind, desto später ist die innere Uhr dran. Umso weniger richten sich die Menschen in ihren Lebensgewohnheiten nach dem Tageslicht. In Deutschland leben nur 20 Prozent der Menschen in Städten mit mehr als 300 000 Einwohnern. Bei ihnen wird der Einfluss des Tageslichts am stärksten zurückgedrängt.

Warum ist das in Großstädten so?

Roenneberg: Wir vermuten, dass der chronische Lichtmangel der Großstädter die Ursache ist. Dieser führt zu einer Verschiebung zu späteren Zeiten als auch zu einer geringeren Abhängigkeit von der Sonnenzeit. Wir alle arbeiten fast nur noch in lichtschwachen Räumen. Je größer die Stadt, desto weniger Licht bekommt die innere Uhr der Bewohner. Sie hat, wie wir sagen, keinen starken Zeitgeber mehr. Unsere innere Zeit rutscht nach hinten und kann sich auch nicht mehr genau nach dem Sonnenstand richten.

Kommt es vor, dass sich die innere Uhr völlig vom Tageslicht abkoppelt?

Roenneberg: Der Einfluss von Licht und Dunkelheit kann nicht durch soziale Zeitgeber ersetzt werden. Kaum ein Mensch hat einen Tagesrhythmus von exakt 24 Stunden, bei vielen sind es etwa 24,5 Stunden. Dieser wird allerdings auf exakt 24 Stunden geregelt. Wir haben herausgefunden, dass die innere Uhr bei vollständig blinden Menschen mit ihrem eigenen Rhythmus unabhängig läuft, also nicht im exakten 24-Stunden-Takt. Doch auch diese Menschen gehen festen Arbeitszeiten nach. Jedoch wird ihre innere Uhr dadurch wenig beeinflusst.

Das Interview führte Thorsten Naeser.

Informationen im Internet: www.euroclock.de

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