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Instagram-Gründer Kevin Systrom

Soziales Netzwerk

Was der Instagram-Gründer in München macht

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München - Bei jungen Nutzern ist Instagram schon beliebter als Facebook. Jetzt war Gründer Kevin Systrom (31) zu Besuch in München und hatte eine Mission.

Wie ein Modeexperte sieht Kevin Systrom nicht aus. Hemd mit Krawatte, darüber ein grauer Pullover, Stoffhose, Lederschuhe. Ziemlich normal eben für einen 31-Jährigen. Und trotzdem reißt sich die globale Modeelite um Systrom. Gerade war er drei Tage lang bei der Pariser Fashion Week, am Donnerstag dann Weiterflug nach München, Termine beim FC Bayern und beim Burda-Verlag. Dokumentiert ist das alles natürlich auf seinem Instagram-Konto.

Kevin Systrom steht am Donnerstagabend im Münchner Kunstverein und zieht sein Smartphone aus der Tasche. Mit dem Finger blättert er auf dem Bildschirm durch die Fotos: Er mit Karl Lagerfeld, mit den Machern der Modemarke Louis Vuitton, mit Bastian Schweinsteiger. Dazwischen ein Bild von Hündin Dolores. Und schon wieder drängen sich modebewusste Münchner um ihn. Sie wollen ein Selfie mit dem Erfinder ihrer Lieblings-Foto-App Instagram.

Kevin Systrom hat zusammen mit einem Freund vor vier Jahren Instagram gegründet. Am Anfang war das ein kleines Handy-Programm, mit dem man Schnappschüsse verschönern konnte. Hobbyfotografen können über ihre Bilder sogenannte Filter legen, das sieht meist besser aus als das Originalmotiv. Doch weil man seine Fotos natürlich auch zeigen will, hat sich Instagram schnell zu einem Sozialen Netzwerk entwickelt, auf dem man virtuellen Freunden seine neuesten Fotos und Videos präsentiert. Mehr als 300 Millionen Menschen weltweit tun das bereits.

Nur 400 Millionen Dollar? Zu früh verkauft?

Vor allem bei besonders jungen Nutzern ist Instagram beliebter als Facebook. Doch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erkannte das Potenzial von Instagram schnell und kaufte das Netzwerk bereits 2012. So wurde Kevin Systrom, dieser bescheidene Zwei-Meter-Mann, der gerade im Münchner Kunstverein steht, ein reicher Mann: 400 Millionen Dollar soll er bekommen haben. Insgesamt zahlte Facebook damals eine Milliarde, den Rest bekamen Systroms Mitgründer und Investoren. Viel Geld, doch mancher im Silicon Valley lästert, dass Systrom zu früh verkauft hat. Schließlich bekamen andere Dienste wie Whatsapp später bis zu 19 Milliarden Dollar, um unter das Dach von Facebook zu kommen. „Es war nicht zu früh“, sagt Systrom dem Münchner Merkur. „Damals war das der Deal des Jahrhunderts.“ Außerdem bringe es jetzt viele Vorteile, zu Facebook zu gehören, man teile sich die Verwaltung und viele technischen Entwicklungen. Gibt es keine Nachteile? „Ich muss jetzt pendeln“, sagt Systrom und lacht. Jeden Morgen fährt er eine Stunde von seiner Wohnung in San Francisco bis zur Facebook-Zentrale in Menlo Park, denn Systrom hat zwar verkauft, ist aber noch immer Chef von Instagram und Angestellter von Facebook.

Dass Systrom jetzt auf Europatour ist, hat auch damit zu tun, dass mit den Millionen Nutzern endlich Geld verdient werden soll. In den USA gibt es bereits Werbeanzeigen auf Instagram, in Deutschland noch nicht. Dabei ist das Umfeld besonders attraktiv für Edelmarken. Viele Popstars, Schauspieler und Sportler nutzen das Netzwerk, halten dort Kontakt zu ihren Fans. Und Instagram wirkt durch die Beschränkung auf Fotos und Videos nicht so unaufgeräumt wie Facebook. „Geld zu verdienen ist kein großes Thema“, behauptet Systrom. „Aber es ist schön, wenn man seine Rechnungen bezahlen kann.“ Er wolle das Anzeigengeschäft nach und nach auch in anderen Ländern starten. „Aber das Schlechteste, was wir machen könnten, wäre, es zu schnell anzugehen.“

Wer hatte die Filter-Idee?

Und dann liegt da an diesem Abend in München noch kurz eine Sensation in der Luft: Hervorgekitzelt hat sie Gastgeber Hubert Burda, der Systrom im Rahmen seiner Digital-Konferenz DLD nach Bayern gelockt hat. Ob denn Systroms Verlobte Nicole, die ihn begleitet, auch an der Erfindung von Instagram beteiligt war, will der Verleger wissen. „Sie hat geholfen“, antwortet Systrom. „Sie hat gesagt: Das Programm sollte Filter haben.“ Stammt die Durchbruch-Idee also gar nicht von Systrom selbst? Nein, nein, er habe nur Spaß gemacht, erklärt er später. Die Filter für die Fotos seien auch gar nicht das wichtigste: „Jeder kann eine Filter-App entwickeln“, behauptet er. „Aber nicht jeder kann eine Gemeinschaft mit 300 Millionen Nutzern aufbauen.“

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