Facebook-Tochter macht ernst

Jetzt auch in Deutschland: Instagram startet Revolution bei zentraler Funktion

Sie nutzen Instagram? Stellen Sie sich vor, dass sie bald die Gesamtzahl der Likes für Beiträge nicht mehr sehen können. Das testet die Facebook-Tochter schon länger. 

  • Facebook treibt geplante Reformpläne jetzt um.
  • Beim Tochter-Unternehmen Instagram kommt es bald zu gravierenden Änderungen.
  • Hierfür geben Influencer mit Sicherheit keinen Like.

München - Weltweit nutzen eine Milliarde Menschen das soziale Foto- und Video-Netzwerk Instagram. In Deutschland sind es über 15 Millionen User. Für die kommt es nun zu einer einschneidenden Änderung. Denn das Tochter-Unternehmen von Facebook weitet Tests aus, die bislang nur in sechs Ländern liefen - aber für positives Feedback sorgten.

Likes auf Instagram: Influencer verdienen Geld mit Posts

Es ist nur eine kleine Geste, ein kurzer Klick. Doch für viele in der Social-Media-Welt bedeutet dieser Moment alles: Einen sogenannten Like für einen Beitrag erhalten. Das rote Herzchen zeigt anderen, wie beliebt, gefragt oder angesehen er/sie oder der Beitrag ist. Mehr noch. Influencer verdienen damit Geld, die Stars und Sternchen sogar richtig viel. Je mehr Likes ein Beitrag erhält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen die Zusammenarbeit ausdehnt und ein höheres Angebot macht. Kunden können anhand der Likes Statistiken einsehen, wie groß die Reichweite eines einzelnen Posts ist. Doch was ist, wenn das plötzlich wegfiele?

Bislang liefen die Tests nur in sechs Ländern. Doch die Rückmeldungen aus Australien, Brasilien, Kanada, Irland, Italien und Neuseeland waren so positiv, dass die Tests ausgeweitet werden. Tara Hopkins, Sprecherin von Instagram, sagte gegenüber Bild (Bezahlschranke), dass die Versuche global ausgeweitet werden. Also auch in Deutschland. Zwar werden nur ausgewählte Nutzer betroffen sein. Doch die können dann nicht mehr sehen, wie viele Likes in der Gesamtzahl andere für ihre Fotos und Videos erhalten haben. Wie viele man selbst erhält, bleibt hingegen sichtbar.

Instagram löst psychische Erkrankungen bei jungen Menschen aus

Will man die Gesamtzahl der Likes erfahren, müsste man im Zweifelsfall selbst durchzählen, denn die Liste mit den Namen aller User, die einen Beitrag geliked haben, bleibt sichtbar. Ebenso wie die Anzahl der Kommentare. 

Nach Informationen der BBC steckt hinter den Plänen von Instagram vor allem der Versuch, das Mobbing von psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen zurückzufahren. Denn das steht offenbar im Zusammenhang mit dem Glauben, dass ein Like beziehungsweise viele Likes einen höheren sozialen Status einbringen. Instagram selbst begründet die Maßnahme damit, „den Menschen zu helfen, sich auf die Fotos und Videos zu konzentrieren, die sie teilen, und nicht darauf, wie viele Likes sie dafür bekommen.“ 

Für Influencer, denen immer wieder peinliche Foto-Fehler auf Instagram unterlaufen, bedeuten die Pläne gravierende Änderungen. Denn die Geschäftspartner können dann nicht mehr so einfach die sogenannten „Insights“ sehen beziehungsweise können diese leichter gefälscht werden. Ob demnächst Fußball-Star Cristiano Ronaldo mit einem gesponserten Foto also nicht mehr 750.000 Euro verdienen kann? Nur Kylie Jenner und Selena Gomez verdienen noch mehr, wenn sie ein Foto für einen Sponsor posten. 

Wenn Likes nicht mehr angezeigt werden, könnte das auch zu weniger Fake-Fotos auf Instagram führen. Denn wie einfach man hier die Leute hinters Licht führen kann, zeigte Natalia Taylor mit einem Experiment

Facebook sucht für Influencer auf Instagram nach einer Lösung

Das Tochter-Unternehmen von Facebook, das selbst übrigens ausbleibende „Gefällt mir“-Klicks in Australien testet, kündigte bereits an, sich deswegen nach einer Lösung umzuschauen. Gut möglich, dass dann die Anzahl der Kommentare die neue digitale Währung für Influencer wird. Damit würde die Mobbing-Probleme und psychischen Erkrankungen aber nicht zwingend in den Griff bekommen werden.

Video: Instagram löscht diese Filter-Funktionen

Immer wieder machen Instagram und der Mutterkonzern Facebook mit Störungen auf sich aufmerksam. 

rawi

Rubriklistenbild: © dpa / Carsten Rehder

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