Wer das Internet hört, muss es auch fühlen

- München - Robert Martin kann das Internet hören. Und er kann es fühlen. Während der Datenstrom mit blecherner Monotonie aus den kleinen grauen PC-Lautsprechern quillt, rauschen die Informationen unter seinen Fingern auf einer Braillezeile an der Tastatur vorbei. Für Martin sind beide Hilfsmittel unentbehrlich, wenn er sich in die elektronische Welt der Sehenden vorwagt, denn er ist blind.

Unentwegt plappert der PC. Er liest Links vor und ganze Texte, einfach alles. Stück für Stück "ertastet" sich so Robert Martin das Netz. Zumindest solche Seiten, die speziell präpariert wurden, etwa der Internetauftritt des Landesverband Bayern für Körper- und Mehrfachbehinderte (LVKM). Er gilt seit kurzem als "barrierefrei". Damit hat der Verband die Forderung des neuen Bundesgleichstellungsgesetz erfüllt. Bis 2005 verlangt es von allen Behörden-Webseiten, auch für Menschen mit Behinderungen problemlos zugänglich zu sein.

Barrierefreiheit im Internet, das bedeutet vor allem: Einfache und übersichtliche Navigation, mit erläuternden Inhaltsangaben hinterlegte Links und kommentierte Fotos. Und: Die Farben des Layout müssen so ausgewählt werden, dass sehbehinderte oder rot-grün-blinde Nutzer keine Probleme bei der Betrachtung haben. Eine Codierung soll bewirken, dass die Navigation neben der Maus auch mit der Tastatur bedient werden kann. Manche Besucher sind darüber hinaus besonders auf variable Schriftgrößen angewiesen, damit sie die Inhalte auch in sehr großer Schrift anschauen und lesen können. 

 

Aleksander Dordevic, Behindertenbeauftragter des Münchner Landratsamtes erklärte, dass man behinderte Internetbenutzer verliere, wenn diese Regeln nicht eingehalten würden. "Das ist nicht nur ein sozialer Faktor. Die Barrierefreiheit bringt den Betreibern auch wirtschaftliche Vorteile, denn viele Behinderte können so im Netz einkaufen."

Doch die paar barrierefreien Webseiten im Netz sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Früher meist rein textorientierte Homepages setzen sich heute mehr denn je auf visuellen Effekten zusammen, etwa aufwändige Flash-Animationen und blinkende Werbebanner. Das schließt Behinderte von sorgenfreiem Surfen von vorneherein aus. Robert Martin bestätigt: "Wenn ich die Seite nicht kenne, wird es schwierig." Er muss sich durch unzählige kryptische Bildpfad-Infomationen und Linkansammlungen wühlen, bis er endlich erkennt, was los ist. Da wünscht man sich doch übersichtliche und erklärende Seiten wie vom LVKM herbei. "Dann ist Surfen auch für mich ein echter Genuss", sagt Martin.

 

Weitere Infos:

www.lvkm.de

www.barrierefinder.de

 

 

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