Internet-Abzocker locken gezielt Kinder in die Gebührenfalle

- Kein Bollwerk ohne Schlupfloch: Trotz neuer Schutzgesetze gegen Telefon- und Internet-Abzocke können sich Verbraucher nach wie vor in Fallstricken verheddern, die sie teuer zu stehen kommen. Vor allem Kinder und Jugendliche sollten beim Surfen im Netz besonders aufmerksam sein, mahnt Evelin Voss, Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, zur Vorsicht.

<P>Internet so teuer wie viele Nachhilfestunden</P><P>Kostspielige Dialer, also Internet-Einwählprogramme, gibt es nämlich immer noch. Deren Betreiber haben es neuerdings offensichtlich verstärkt auf unerfahrene Jugendliche abgesehen. Die jüngste Masche einiger Anbieter nutzt unter anderem den zunehmenden Trend unter Schülern, sich aus dem Internet auf die Schnelle mit Hausaufgabenhilfen und Referaten zu versorgen. <BR><BR>Den jungen Menschen wird dabei unbemerkt kräftig Geld aus der Tasche gezogen. Für manchen Kurzausflug ins Netz bekäme man eine ganze Hand voll Nachhilfestunden beim Profi: Ein 13-Jähriger wurde für vier simple Hausaufgaben-Beiträge aus dem Internet mit 98 Euro abkassiert.<BR><BR>Argloses Weiterklicken geht richtig ins Geld</P><P>Kein Einzelfall, sagt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. Mit folgendem Trick werden die jungen Leute gezielt an der Nase herumgeführt: Auf beliebten Webseiten, die zum Teil Wochen vorher noch kostenlos waren, platzieren Anbieter verstärkt kostenpflichtige Anwählprogramme. Die Dialer, die anstelle des normalen Minutenpreises von ein paar Cent Verbindungen mit deutlich teureren Gebühren aufbauen, sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Argloses Weiterklicken kann so richtig ins Geld gehen.<BR><BR>Kaum ein Schüler merkt, dass er mit der harmlosen Eingabe der Buchstaben OK sein Einverständnis für das Herunterladen und Einrichten von Dialern gibt. Welche Extrakosten bei der Hausaufgabenrecherche entstehen, wird häufig zunächst einmal verschwiegen. Nicht alle Anbieter legen sofort offen, dass pro Minute Hausaufgabenrecherche zum Beispiel 1,99 Euro fällig werden. Und genau das sei die Alarmglocke für aufziehende Probleme, betont Saller. <BR><BR>Seit 15. August 2003 schreibt das neue Mehrwertdienste-Gesetz nämlich unter anderem eine Pflicht zur Preisangabe vor. Weist der Anbieter nicht ausdrücklich auf die Kosten hin, darf er kein Geld verlangen, erklärt der Münchner Jurist. <BR><BR>Auch Preisobergrenzen wurden eingeführt, um Verbraucher vor horrenden Telefonrechnungen zu schützen: Die Surfminute darf jetzt nur noch höchstens zwei Euro kosten, eine teure Verbindung nicht länger als 60 Minuten bestehen. Oder es gilt ein Blocktarif als Festpreis, der 30 Euro nicht überschreiten darf. <BR><BR>Und seit Mitte Dezember soll ein zusätzlicher Mechanismus für Sicherheit sorgen: Dialer dürfen sich nur noch über die Rufnummerngasse 09 00 9 einwählen. Sie müssen außerdem bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Kommunikation (RegTP) registriert sein. Nur für angemeldete, legale Dialer darf auch kassiert werden. <BR><BR>Rechtslage eindeutig, doch Risiken bleiben </P><P>Jetzt ist die Rechtslage für den Verbraucher zwar klar, betont Saller. Die Risiken, abgezockt zu werden, sind aber geblieben. Gerade für Kinder und Jugendliche, weil sie nicht so genau hingucken, kritisiert Voss. Und was dann? Eltern, die in der Regel für die Telefonrechnung ihrer Sprösslinge aufkommen müssen, sollten sich mit der Regulierungsbehörde in Verbindung setzen, wenn sie sich gegen Unregelmäßigkeiten zur Wehr setzen wollen (Telefon-Hotline: 01805/34 25 37). Erweist sich ein Dialer als regelwidrig, kann er gesperrt werden. Eltern, die sich das Hick-Hack um teure Telefonrechnungen von Anfang an ersparen wollen, sollten in jedem Fall mit ihren Kindern über die neuen Tricks sprechen, rät Voss. </P>

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