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Dieter Kempf (l.), Schatzmeister des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) und Jörg Ziercke (r.), Praesident des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA).

Internetkriminalität deutlich gestiegen

Berlin - Die IT-Kriminalität hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. “Die Kreativität und Flexibilität der Täter scheint keine Grenzen zu kennen“, so der BKA-Präsident, Jörg Ziercke.

“Wir haben ein Anwachsen der IT-Kriminalität im engeren Sinne um 33 Prozent auf mehr als 50.000 Fälle“, betonte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Dazu komme eine enorme Dunkelziffer. Der für 2009 registrierte Gesamtschaden der IT-Kriminalität betrage 37,2 Millionen Euro.

Online-Banking im Visier

Besonders alarmierend seien die Zahlen beim Betrug im Online-Banking. Die kriminellen Eingriffe in den digitalen Zahlungsverkehr haben 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent zugenommen. Für das laufende Jahr zeichne sich eine Steigerung um weitere 70 Prozent ab. Den Schaden bezifferte das BKA auf 17,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für das laufende Jahr sei sogar noch eine größere Schadensumme zu erwarten, da die durchschnittliche Betrugssumme je Fall von rund 3500 auf 5000 Euro gestiegen sei.

Das BKA warnt in diesem Zusammenhang vor Software, die sowohl die Bank- als auch Kreditkartendaten eines Kunden gleichzeitig ausspäht und durch den Besuch von manipulierten Webseiten übertragen werde. Inzwischen gebe es eine Szene der organisierten Online-Kriminalität. Die Größe dieser sogenannten “Underground Economy“ schätzt das BKA hierzulande auf rund 1000 Personen. Der Handel mit Bankdaten, digitalen Identitäten und Schadsoftware wandere dabei immer weiter in den Untergrund und auf ausländische Server ab.Diese Handelsplätze seien dann “für die deutschen Strafverfolgungsbehörden nur schwer erreichbar“, betonte Ziercke.

Schutzgeld digital

Neben dem Bank- und Kreditkartenbetrug blühe auch die digitale Schutzgelderpressung. Dabei nutzen Kriminelle mit Viren infizierte, ferngesteuerte Rechner von arglosen Internetnutzern, um Seiten von Firmen anzugreifen. Weigert sich die Firma, ein Schutzgeld zu zahlen, wird die Website von so vielen Rechnern angegriffen, dass schließlich der Server ausfällt und niemand mehr die Dienste der Seite nutzen kann. Ein Albtraum für jedes Online-Unternehmen.

“Allein die Anzahl der in Deutschland täglich eingesetzten, ferngesteuerten 'Zombie-PCs' beträgt nach Schätzungen durchschnittlich 350.000, in Spitzenzeiten bis zu 500.000“, sagte Ziercke. Die sogenannten Bots sind in Kriminellenkreisen auch eine begehrte Handelsware. Der Preis für den Zugang zu 1000 ferngesteuerten Computern liege zwischen 50 und 100 US-Dollar.

Ziercke forderte eine rasche gesetzliche Regelung zur Vorratsdatenspeicherung, da in 85 Prozent der Fälle, in denen IP-Adressen ermittelt werden konnten, die dahinter stehenden Personen unerkannt blieben. In 893 von 1046 Fällen hätten die deutschen Provider im vergangenen Jahr keine Daten gespeichert, um die Ermittler zu unterstützen.

Meist handle es sich um junge Täter aus Osteuropa. Daher unterhalte das BKA eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden in Bulgarien und Rumänien, sagte Ziercke. In Zukunft erwartet das BKA vor allem eine Zunahme von Straftaten im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken und der Verwendung von Smartphones.

Internetnutzer fühlen sich bedroht

Nach einer Studie des Branchenverbandes Bitkom fühlen sich drei Viertel aller deutschen Internetnutzer durch Kriminalität im Internet bedroht. “Am weitesten verbreitet ist die Angst, das Viren oder andere Schadprogramme den eignen Rechner lahmlegen“, sagte Bitcom-Präsidiumsmitglied Dieter Kempf. In der Studie gaben zwei Drittel der 1000 telefonisch befragten Internetnutzer an, bereits Opfer von IT-Kriminalität geworden zu sein.

dapd

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