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ICANN-Chef Rod Beckstrom befürwortet das neue Abkommen. Die ICANN muss sich künftig vor vier internationalen Gremien verantworten.

Internetverwaltung künftig in internationaler Hand

Jetzt wird das Internet wirklich international! Vier Gremien sind ab sofort für die Netz-Verwaltung zuständig.

Washington - Die US-Regierung lockert ihre Kontrolle über die Internet-Verwaltung. Künftig ist die Regulierungsorganisation ICANN nicht mehr dem Handelsministerium in Washington Rechenschaft schuldig, sondern vier international besetzten Gremien. Das vereinbarten Regierung und ICANN in einem Vertrag, der am Donnerstag in Kraft trat und ein Abkommen ersetzt, das der Regierung in Washington großen Einfluss zusprach.

Die USA sind damit Forderungen nachgekommen, andere Länder bei Entscheidungen über die Infrastruktur des Internet stärker einzubeziehen. Um zu gewährleisten, dass ihre Entscheidungen im öffentlichen Interesse sind, muss ICANN seine Berichte künftig regelmäßig vier neuen Prüfgremien vorlegen. Die Abgeordneten werden von der ICANN- Führung und dem Regierungsbeirat (Governmental Advisory Committee, GAC) bestimmt. Anders als der bisherige Vertrag gilt die neue Vereinbarung unbefristet. Allerdings gibt die US-Regierung von Präsident Barack Obama die Kontrolle nicht komplett auf: So verpflichtet sich die ICANN, das Hauptquartier in den USA zu belassen und sich damit weiter amerikanischer Rechtsprechung zu unterwerfen. Darüberhinaus sichert ein weiterer, bis 2011 gültiger Vertrag der US-Regierung die Kontrolle über die Root Server - ein zentrales Element der Adressverwaltung.

Positive Reaktionen

Mit dem Abkommen werde ICANN zu einer “wahrhaft internationalen Einheit“, sagte ihr Chef Rod Beckstrom. Es werde deutlich, dass die Beteiligung der Öffentlichkeit funktioniere. “Eine Welt, ein Internet, alle vernetzt - das ist unser Ziel bei ICANN.“ Die ersten Reaktionen fielen positiv aus. Entscheidungen des Gremiums seien künftig unabhängiger und besser nachvollziehbar, sagte etwa EU-Medienkommissarin Viviane Reding laut Mitteilung. Sie hatte - ebenso wie Russland und China - in der Vergangenheit gefordert, die Verwaltung des weltweiten Netzes aus der US-Aufsicht zu lösen. Auch Google-Chef Eric Schmidt und Internet-Pionier Vint Cerf lobten die Neuerungen.

Die ICANN - kurz für Internet Corporation for Assigned Names and Numbers - ist eine private Stiftung nach amerikanischem Recht. Zu ihren Aufgaben gehört der Betrieb des Domainnamen-Systems. Dabei handelt es sich um eine Art Verkehrsleitsystem, das Rechner mit Servern rund um den Globus verbindet. Zudem wacht die Organisation über Top Level Domains, beispielsweise “.de“ oder “.com“. Ihr Sitz ist in der kalifornischen Kleinstadt Marina del Rey. Die Führung der Organisation setzt sich aus Vertretern von Internetindustrie, Nutzern, Technik-Experten und unabhängigen Persönlichkeiten zusammen, die alle in einem komplexen Wahlprozess bestimmt werden. Gleichzeitig ist die Organisation seit der Gründung 1998 vertraglich an die US-Regierung gebunden. Der Einfluss hat historische Gründe: Die Grundlagen des Internet entwickelten Forscher in den 1950er und 1960er Jahren im Auftrag des Pentagon.

dpa

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