Ossi Urchs.

Interview: "Informationen gibt´s im Überfluss"

Ossi Urchs ist ein Internet-Guru der ersten Stunde: 1989 hatte er „den ersten Kontakt mit dem Netz“ – heute sagt er: „Das Internet steht noch am Anfang.“ Ein Gespräch über die Zukunft eines unberechenbaren Mediums.

Informationen gibt’s im Überfluss Ossi Urchs ist ein Internet-Guru der ersten Stunde: 1989 hatte er „den ersten Kontakt mit dem Netz“ – heute sagt er: „Das Internet steht noch am Anfang.“ Ein Gespräch über die Zukunft eines unberechenbaren Mediums.

Sie sagen, das Internet sei „im Teenager-Alter“. Kommen die besten Zeiten noch?

Sicher! Für die meisten ist das Internet bislang nur eine Informationsquelle. Wir machen uns keine Gedanken, was dahintersteckt. Es ist wie beim Lichtschalter, da philosophiert auch niemand über die Technologie und das Netzwerk, das dahintersteckt – Hauptsache, es wird hell auf Knopfdruck. Wer weiß schon, dass heute der weltweite Telefonverkehr fast ausschließlich übers Netz läuft? Kaum jemand. Aber diese Entwicklung wird sich rasend schnell fortsetzen: fürs Fernsehen, für den Hörfunk – das kommt noch alles.

Was heißt das konkret?

Früher waren Informationen ein rares Gut. Heute, im Internet, sind sie im Überfluss vorhanden: Was ich brauche, finde ich im Netz, ich muss es nur googeln. Das, was ich davon zu halten habe, hole ich mir wiederum bei jenen, denen ich vertraue, also auf seriösen Produktplattformen oder Nachrichtenportalen. Es geht nicht um die Vermittlung, sondern um die Einordnung von Informationen – deren glaubwürdige Bewertung, wenn Sie so wollen.

Glauben Sie, jeder Internet-Nutzer kann seriöse Plattformen von unseriösen unterscheiden?

Nein, definitiv nicht. Und nicht jeder wird sich die Mühe machen, nach Bewertungen im Netz zu suchen. Es klingt jetzt sehr provokant, was ich sage, aber es ist nunmal die Wahrheit: Intelligente Menschen nutzen das Internet, um intelligenter zu werden – und die Dümmeren nutzen es leider, um noch weiter zu verdummen.

Eine sehr nüchterne Einordnung. Aber es gibt doch auch noch andere negative Aspekte?

Sie meinen die Online-Kommunikation, die angeblich den persönlichen Brief und das persönliche Gespräch ersetzt?

Ja, genau.

Ganz ehrlich: E-Mails können sehr, sehr persönlich sein. Und Menschen, die sich über ein soziales Internet-Netzwerk kennenlernen, treffen sich oft auch im wirklichen Leben. Dass jemand vor seinem Computerbildschirm versauert, das passiert so gut wie nie, denn es handelt sich beim Internet eben vor allem um ein Kommunikations-Medium.

Interview: Barbara Nazarewska

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