Das Jahr der Klon-Diskussion

- Das Wissenschaftsjahr 2002 war geprägt von Diskussionen um ethische Grenzen des Machbaren, die Forschung mit embryonalen Stammzellen und dem Ziel zweier Mediziner, Menschen zu klonen. Außerdem war es ein Jahr, in dem man sich mehr als je zuvor Gedanken um die Zerstörung unseres Blauen Planeten machen musste. 30. Januar 2002: Der Bundestag beschließt nach heftigen Kontroversen mehrheitlich und quer durch die Parteien, dass Forscher unter strengen Auflagen nur menschliche embryonale Stammzellen nach Deutschland importieren dürfen, die bereits kultiviert wurden. Verboten bleibt es, menschliche embryonale Stammzellen neu zu klonen.

<P>Während sich die Staatenwelt nicht auf ein generelles Klon-Verbot einigen kann, liefern sich dubiose Wissenschaftler ein Wettrennen im Ankündigen von Klonkindern: Im April 2002 behauptet der italienische Arzt Severino Antinori, es gebe weltweit schon drei Klon-Schwangerschaften.</P><P> Die Kinder sollen spätestens im Januar 2003 auf der Welt sein. <BR>Die US-Wissenschaftlerin Brigitte Boisselier kündigt kurz darauf die Geburt des ersten Klonbabys noch vor dem Jahresende an. Doch viele Forscher zweifeln generell an der Verwirklichung der Klone von Menschen. So ist bekannt, dass geklonte Tiere kränkeln und früh sterben. Das schottische Klonschaf Dolly bekam früh schwere Arthritis. Klonmäuse leben relativ kurz und sind im Alter extrem dick. <BR><BR> Während die Labors mit geklonten und gentechnisch veränderten Tieren arbeiten, steht es um die Natur schlecht: Auf der weltgrößten Wissenschaftskonferenz in Boston schlagen Forscher im Februar wegen der drastisch gesunkenen Fischbestände Alarm: In 50 Jahren ist der Fang von Kabeljau, Tunfisch, Schellfisch, Seehecht und Flunder um mehr als die Hälfte zurückgegangen.<BR><BR> Auch die Geowissenschaftler warnen: Das Wetter wird sich durch die globale Klimaerwärmung in vielen Teilen der Erde verändern. Große Fluten werden sich häufen. Starke Niederschläge im Winter werden auch in Mittel- und Nordeuropa in den kommenden 100 Jahren bis zu fünf Mal wahrscheinlicher als heute, heißt es im Fachblatt "Nature". Und der Meeresspiegel steigt, denn die Gletscher schmelzen. <BR><BR>Bei den Gesundheitsbehörden warnen schwedische Analytiker im April erstmals vor dem Giftstoff Acrylamid in Lebensmitteln, besonders Pommes frites und Knäckebrot. Im Dezember ist die Acrylamid-Diskussion auch in Deutschland voll im Gange und hat sich bis auf Lebkuchen ausgedehnt. <BR><BR>Sonst aber berichten Mediziner viel Positives: Die Wirksamkeit von Akupunktur wird wissenschaftlich belegt. Zwei Pharmafirmen stellen einen neuen Wirkstoff gegen Aids vor. In Afrika wird ein neues Malariamittel getestet, und in Deutschland kommt die erste Virusgrippe-Pille auf den Markt. Außerdem ist das erste Insulin, das inhaliert werden kann, im klinischen Test. Und die Weltgesundheitsorganisation erklärt Europa als Polio-frei.<BR><BR> Am 10. Dezember werden in Stockholm die Nobelpreise verliehen. Den Medizinpreis teilen sich die Engländer Sydney Brenner und John Sulston sowie Robert Horvitz (USA) für ihre Entdeckungen in der Organentwicklung und der Regulierung des programmierten Zelltods. Ihr Forschungstier ist bei Genetikern sehr beliebt: der winzige Fadenwurm, "Caenorhabditis elegans". Er besteht nur aus 959 Körperzellen. Sulston stellte den Stammbaum des Tieres auf und zeigte, dass der Tod einiger Zellen zur normalen Entwicklung gehört. Horvitz entdeckte die Erbanlagen, die den programmierten Zelltod steuern.<BR><BR>Über den Chemie-Nobelpreis freuen sich John Fenn (USA), der Japaner Koichi Tanaka und der Schweizer Kurt Wüthrich. Sie erhalten ihn für eine neue Analysemethode an Biomolekülen. Die Astrophysiker Raymond Davis und Riccardo Giacconi (USA) teilen sich den Physik-Nobelpreis mit dem Japaner Masatoshi Koshiba. Masatoshi und Davis haben es geschafft, 2000 Neutrinos einzufangen, die milliardenfach unbemerkt durch die Materie auf der Erde fliegen. Giacconi entdeckte die erste Röntgenquelle außerhalb unseres Sonnensystems.<BR></P>

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