Jahr neuer Klimarekorde

- Washington/Genf/Hamburg - 2006 wird als Jahr zahlreicher neuer Wetter-Rekorde in die Klimageschichte eingehen. Diese Entwicklung gefährdet unter anderem das Leben zahlreicher Ureinwohner der Arktis.

Davor warnten die Weltwetterorganisation (WMO) der Vereinten Nationen und die Gesellschaft für bedrohte Völker am Donnerstag. Laut WMO gab es in Teilen Europas, wie etwa Großbritannien (gemessen seit 1659), den Niederlanden (1706) und Dänemark (1768), den heißesten Herbst seit Beginn der Aufzeichnungen. Zum Teil war es zwischen der Nordseite der Alpen und dem südlichen Norwegen mehr als drei Grad wärmer als im Durchschnitt. In den USA gab es die wärmste Periode zwischen Januar und September, hieß es bei der WMO in Genf.

Demnach wird 2006 vermutlich als sechstwärmstes Jahr in die Statistiken eingehen. Die endgültigen Zahlen sollen im März 2007 vorliegen. Schon jetzt stehe aber fest, dass die Temperatur in diesem Jahr 0,42 Grad über dem jährlichen Durchschnitt von 1961 bis 1990 lag.

Auch in Deutschland übertraf der Herbst 2006 alle Temperatur-Rekorde seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen. Der Herbst 2006 sei mit großem Abstand der wärmste seit 1901 gewesen, berichtete der Deutsche Wetterdienst kürzlich in Offenbach.

Betroffen ist laut WMO auch das Eis in der Arktis: Es schwinde Besorgnis erregend schnell. Im September sei mit 5,9 Millionen Quadratkilometern die zweitniedrigste Eisbedeckung gemessen worden. Der bisherige Rekord-Tiefstand von 2005 sei damit um nur 340 000 Quadratkilometer verfehlt worden. "Das ist ein ziemlich schneller und bedeutsamer Rückgang", sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud.

Nach Ansicht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gefährden Klimawandel und Rohstoffabbau rund 400 000 Ureinwohner der Arktis. Durch die Plünderung der Bodenschätze stünden die Menschen buchstäblich vor dem Aus, warnte die GfbV in Hamburg bei der Vorstellung ihres Menschenrechtsreports "Die Arktis schmilzt und wird geplündert".

Angesichts einer schwindenden Schneedecke sei es für die Industrie immer interessanter und einfacher, Öl-, Erdgas- und Teersandreserven in den Polarregionen zu erschließen. Der Klimawandel in der Arktis vollzieht sich dem Bericht zufolge zwei Mal schneller als im globalen Durchschnitt. "Es gibt Schätzungen, wonach das Eis bis 2040 verschwunden ist", sagte der Polarforscher Arved Fuchs.

Infolge des Klimawandels könnte auch der Meeresspiegel stärker steigen als bislang angenommen. Das berichtet Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Journal "Science" (online vorab veröffentlicht). Bis zum Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel zwischen 0,5 und 1,4 Meter höher liegen als 1990, heißt es dort. Bislang gingen Wissenschaftler von einem weiteren Anstieg im 21. Jahrhundert um 9 bis 88 Zentimeter aus. Die bestehenden Klimamodelle im Computer würden den heute bereits beobachteten Anstieg erheblich unterschätzen, schreibt Rahmstorf.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterdessen zu einem klaren Bekenntnis zum Klimaschutz aufgefordert. "Deutschland als größter Treibhausgasverursacher innerhalb der EU muss endlich vorangehen und Klimaschutz vorleben", hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Merkel. Vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft Anfang 2007 solle sich Deutschland zu einer Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2020 verpflichten.

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