100 Jahre Frauenstudium an bayerischen Universitäten.

- Dieses Jubiläum haben Theologiestudierende der Ludwig-Maximilians-Universität zum Anlass genommen, sich genauer in der Hochschule von heute umzuschauen: Welche Probleme bestehen noch heute für Studentinnen? Und welche herausragenden weiblichen Akademikerinnen gibt es in München? Ihre Ergebnisse stellen die Student/inn/en auf der Merkur-Hochschulseite vor. Heute schreibt Ursula Diewald.

Allein unter Männern - als Professorin für Physik <BR>Über die Ordinaria Dorothee Schaile<BR> Dorothee Schaile ist seit 1996 Inhaberin des Lehrstuhls für experimentelle Teilchenphysik an der LMU und damit gegenwärtig die einzig Frau im Professorinnenkollegium ihres Fachs. "Ich bin Physikerin aus Leidenschaft", ist ihre Antwort auf den Alltag in einer männerdominierten naturwissenschaftlichen Welt. Fast scheint es so, als würde die Wissenschaftlerin erst dann über frauenspezifische Probleme grübeln, wenn sich zufällig Studentinnen nach Garching verirren, um sie darüber zu befragen. <BR><BR>Sie sei unter Kollegen und Studierenden schon lange keine Exotin mehr, die Zusammenarbeit verlaufe "ganz normal", versichert sie. Dies liegt vermutlich an der spezifischen Arbeitsweise in den Naturwissenschaften - denn Teamarbeit ist gefragt.<BR><BR>Dies hat sie schon bereits während ihrer Arbeit am Internationalen Forschungszentrum CERN in Genf erfahren, wo sie nach ihrer Habilitation 1991 in Freiburg und nach einer Tätigkeit am Weizmann-Institut in Israel, gearbeitet hat.<BR><BR>Dort hat sie eine Gruppe von Experten aus vier Experimenten mit je mehreren hundert Wissenschaftlern geleitet. In einem solch internationalen Umfeld seien die Karrierebedingungen besonders gut, da dort angesichts der verschiedenen Mentalitäten im Grunde jeder exotisch sei - da sei die Frau "nur eine Exotin unter vielen", beschreibt die Physikerin ihre gesammelten Erfahrungen. <BR><BR>Ob diese auch für die Universität gelten, würde Schaile zurückhaltender bewerten. Die Frau sei dort noch immer in der Außenseiterrolle, und wie alle Außenseiter würden sie im Zweifelsfall kritischer betrachtet. Aber die 48-jährige habe niemals erlebt, dass eine Frau willentlich schlecht behandelt wurde. Klagen von Frauen im Bereich der Geisteswissenschaften, dass sie oft härter als ihre Kollegen arbeiten müssen, kann sie zwar nachvollziehen, selbst habe sie aber die wissenschaftliche Forschung niemals als Belastung, sondern stets als "Wissensdurst" erlebt. <BR><BR>Trotzdem bleibt der geringe Anteil von Frauen unter den Studierenden der Physik auch für sie eine bleibende Herausforderung. Das Phänomen erklärt sich die Wissenschaftlerin dadurch, dass Frauen eher bereit seien, auf Karriere zu verzichten bzw. sie nur dort zu verfolgen, wo die Arbeit auch vom Schreibtisch zu Hause möglich ist, was in den humanistischen Fächern mehr zutreffe. <BR><BR>Hier fordert die Professorin einen Prozess des Umdenkens. So sollten berufsbezogene Verzichtleistungen von beiden Partnern gleichermaßen erbracht werden. Entgegen dieser offensichtlichen Tendenz sieht sie aber wenig Sinn in geschlechtsspezifischen Werbestrategien, um auf ihr Fach aufmerksam zu machen. Dies wirke vermutlich eher abschreckend.<BR><BR>Diese Vermutung sah sie bestätigt, als ein Teil der Physikstudentinnen auf den Vorschlag zur Einrichtung einer frauenspezifischen Übungsgruppe mit heftigem Protest reagierte. Was sie jungen Physikerinnen rät? Ganz einfach: sich nicht über eventuelle geschlechtsspezifische Hindernisse den Kopf zu zerbrechen, sondern vielmehr "sich eingehend danach zu prüfen, was ihnen Spaß macht". Sie sollten dann "einfach loslegen und den Erfolg suchen."<BR>

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