Jazz aus dem Schweinchenbau

- Unsere Serie stellt die akademischen Orchester, Chöre und Bands in München vor. In ihnen können Studierende und Studierte sich neben Hochschul- oder Arbeitsleben mit Musik beschäftigen. Diese Folge widmet sich der LMU-Big Band.

<P>Trompeten, Posaunen, Saxophone, Klavier, Bass, Gitarre und Schlagzeug lassen jeden Dienstag Abend den fünften Stock des "Schweinchenbaus" an der Leopoldstraße erbeben: Die Big Band des Instituts für Musikpädagogik an der LMU hält hier ihre wöchentlichen Proben ab. </P><P>Seine Existenz verdankt das Ensemble dem Jazz-Pädagogen Professor Joe Viera. Der ist in der Szene kein unbeschriebenes Blatt, zählt er doch zu den Gründern der Internationalen Jazz-Woche in Burghausen. Seit 1989 hat Viera einen Lehrauftrag am Institut, die Big Band rief er 1994 ins Leben. Neben Studenten, die sich an der LMU zum Musiklehrer für Grund-, Haupt- oder Realschulen ausbilden lassen, spielen auch Mediziner, Juristen und Angehörige anderer Fakultäten in dem Jazz-Orchester mit. "Immer häufiger kommen auch Frauen, die Jazz spielen wollen", freut sich Joe Viera. Am häufigsten griffen die Damen zum Alt-Saxophon, Bassistinnen und Gitarristinnen seien dagegen selten.<BR>Wer gerne improvisiert, dem bietet die Combo Gelegenheit dazu: Die Rhythmusgruppe spielt mit den Bläsern unisono ein Thema, dazwischen kommen die Solisten zum Zuge. "Einige aus der Big Band spielen zusätzlich in der Combo, weil sie dort mehr improvisieren können", so der Dirigent.</P><P>Und er betont, dass man auch das Improvisieren lernen und üben könne. Schließlich sei ihm die Jazz-Pädagogik schon immer wichtig gewesen, so Viera: "Als ich 1957 meine ersten Workshops gegeben habe, gab es in Deutschland noch gar keine Jazz-Pädagogik und erst recht keine brauchbare Literatur. Die habe ich mir anfangs aus den USA besorgt."<BR>An die Ohren der breiten Öffentlichkeit dringt das musikalische Spiel der Big Band nur selten. Einen jährlichen Konzert-Termin wie bei den klassischen Orchestern gibt es nicht. Und die meisten Jazz-Clubs in München seien zu klein, um eine Truppe von rund 20 Musikern unterzubringen, begründet Viera. Von der Universität selbst sei er bislang nur einmal engagiert worden. "Dabei hätte es die Band verdient, öfter aufzutreten", lobt er seine Mitspieler. Mit denen begibt sich der studierte Physiker nach jeder Probe ins Wirtshaus, "dort diskutieren wir über die Musik-Szene."<BR></P> 

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