Jede Uni braucht ein Orchester

- Münchens Musikliebhaber schätzen nicht nur die vielen hochqualifizierten Berufsmusiker, sondern auch die akademischen Orchester, Musikgruppen und Chöre, die am Ende jedes Semesters faszinierende Konzerte geben. In unserer neuen Serie stellen wir sie vor. Heute: die Sinfonietta München.

<P>"Eine Universität braucht ein Orchester", ist Hartmut Zöbeley überzeugt. "Das ist eine ganz wichtige Förderung für den Musikernachwuchs", so der Dirigent der "Sinfonietta München". <BR>Das 70 Mitglieder starke Orchester bietet musikbegeisterten Studenten die Möglichkeit, sich neben dem Studium musikalisch zu engagieren.</P><P>"Die Leute studieren nicht Musik, sondern Jura oder Medizin, aber sie werden auch später wieder in die Konzertsäle gehen, um die Sinfonien zu hören, die sie während ihres Studiums bei uns selbst gespielt haben", ist sich der ehrenamtliche Leiter des Studenten-Orchesters sicher.<BR>Nicht nur die Förderung einer Elite darf in den Augen von Zöbeley die Welt der Musik beherrschen, vielmehr tritt der studierte Violinist und Dirigent dafür ein, eine "breite Basis" von Menschen für Musik zu begeistern. "Auf diese Weise wird der kulturelle Schatz unseres Landes bewahrt." </P><P>Gegründet wurde die Sinfonietta 1985 unter dem Namen "Camerata Academica" als Kammerorchester von Medizin-Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität. Das war auch noch 1995 so, als Hartmut Zöbeley die Leitung übernahm. Der Dirigent, Sohn des Chor-Dirigenten Hans Rudolf Zöbeley, öffnete dann das Orchester auch für Studenten anderer Fakultäten der beiden großen Unis. Heute sind auch andere gute Amateurmusiker willkommen. <BR>Wöchentliche Proben in einem Hörsaal auf dem Stammgelände der Technischen Universität sind die Grundlage des Orchesterlebens. Doch die Musik soll nicht die einzige Verbindung zwischen den Spielern sein, auch das gesellschaftliche Beisammensein ist hoch angesiedelt.Auf zwei Probenwochenenden im Semester sollen sich die Studenten deshalb persönlich kennenlernen.</P><P>Musikalisch bemüht sich Hartmut Zöbeley darum, Werke einzustudieren, "die für das Orchester erreichbar aber dennoch fordernd sind". Auch die Spieler dürfen bei der Programmgestaltung neben Vorstand und Dirigent mitentscheiden. </P><P>Gelegentlich verlässt die Sinfonietta ihre heimatlichen Gefilde: Zum einen findet eine der Wochenendproben für gewöhnlich außerhalb Münchens statt, zum anderen gehen die Musiker bisweilen auf Auslandsreise. 1999 zum Beispiel gaben sie ein Konzert in Amsterdam.<BR>Ist die Sinfonietta auch ein reines Studentenorchester, so war die Bindung an die Hochschulen der Landeshauptstadt doch noch nie besonders eng. Zwar stellte die TUM den Musikern schon von Beginn an einen Probenraum zur Verfügung, doch der Kampf um finanzielle Förderung durch eine Hochschule war seit je her erfolglos. </P><P>Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern bei Konzerten und ein Sponsor sichern zur Zeit das Bestehen der Sinfonietta. Die musizierenden Jungakademiker müssen so keinen Mitgliedsbeitrag zahlen und bekommen auch die Noten gestellt.</P><P>Ein Auswahlvorspiel gibt es nicht. Zöbeley möchte in den ersten Proben herausfinden, ob ein Mitspieler der Orchesterarbeit gewachsen ist.<BR></P>

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