Jeder siebte DFG-Stipendiat verlässt Deutschland

- Mehr als 70 deutsche Nachwuchswissenschaftler an führenden ausländischen Universitäten wie Cambridge, Yale, Princeton, Stanford und am MIT haben gemeinsam mit dem Job- und Wirtschaftsmagazin-Magazin "karriere" eine Unterschriften-Initiative zur Verbesserung der Lehr- und Forschungsbedingungen in Deutschland gestartet.

In einem Manifest "Pro Science", das der neuen Bundesregierung übergeben werden soll, fordern die Unterzeichner eine leistungsgerechte Förderung von Forschung, bessere Karriereaussichten für Nachwuchsforscher, international offene Bewerbungsverfahren und die zeitliche Entlastung von Verwaltungsaufgaben, um den seit Jahren anhaltenden Verlust der besten Jung-Wissenschaftler ans Ausland - vor allem an Unis in den USA, Großbritannien und der Schweiz - zu stoppen.

Studiengebühren befürworten die Unterzeichner; aber nur, wenn sie den Hochschulen zu Gute kommen. Wichtig ist ihnen die Förderung der Wissenschaftssprache Englisch. Zudem sollte die Hochschul-Karriere stärker von der Forschungs- und Lehrqualität künftiger Professoren abhängen.

Die meisten deutschen Nobelpreisträger in USA

Es gibt zwar keine genaue Statistik, aber alarmierende Fakten zur Abwanderung: Jeder siebte Ex-Stipendiat der Deutschen Forschungs-gemeinschaft, die deutsche Top-Wissenschaftler im Ausland fördert, kehrt nicht nach Deutschland zurück. Und: Vier der fünf letzten deutschen Nobelpreisträger forschen in den USA. Besonders groß ist der so genannte Braindrain in den Natur-, Ingenieur- und Wirtschafts-wissenschaften. Laut Magazin sind allein 20 000 Nachwuchswissenschaftler in die USA abgewandert.

Gefordert wird für Deutschland:

1. Auswahl der besten: Weg von engen Stellenausschreibungen hin zu international offenen Bewerbungsverfahren. Damit Deutschland die besten Köpfe der Welt anziehe, brauche es internationale Berufungskomitees mit mehrheitlich externer Besetzung. Diese wählen den geeignetsten Kandidaten gemeinsam mit Frauenbeauftragten, Studentenvertretern und Verwaltung aus.

2. Statt befristeter Verträge ohne Perspektive wird Planungssicherheit gefordert, wie beim US-amerikanischen "tenure track"-Modell: Jeder junge Assistenz-Professor erhält nach fünf Jahren bei positiver Bewertung durch ein internationales Gremium eine feste Stelle. Die weitere Karriere ist an Forschungs- und Lehrqualität gekoppelt.

3. Leistungsgerechter Wettbewerb: Statt Geldvergabe nach dem Gießkannenprinzip solle Spitzenforschung gefördert werden. Die jeweiligen Forschungsprojekte sollen von unabhängigen Gremien nach international akzeptierten Kriterien alle drei Jahre evaluiert werden. Hochschulmittel gehen nicht wie bislang an einzelne Lehrstuhlinhaber, sondern an Departments. "Diese Form der Mittelvergabe fördert den internen und externen Wettbewerb." Konkurrierende Departments können sich durch die Anwerbung von Spitzenforschern zusätzlich stärken. Dadurch entstünden automatisch Exzellenzzentren.

4. Mehr Forschung: Statt Frontalunterricht und Bürokratie zeitgemäße Lehre und gemeinsame Forschung. Professoren sollten mehr Zeit haben zu forschen. Dafür müssen sie von Verwaltungsaufgaben entlastet werden und sich in der Lehre auf ihr Spezialgebiet konzentrieren können. Kleine Seminare und Forschungsgruppen sollten Massenvorlesungen ersetzen. Wenige große Seminare sollten didaktisch besser gestaltet werden.

5. Internationalität: Weg von der Ausgrenzung durch deutsche Hochschulsprache hin zur Wissenschaftssprache Englisch. Professoren müsste auf Englisch unterrichten dürfen. In jedem Fach sollte es (mit sinnvollen Ausnahmen, z.B. Sprachwissenschaften) einen durchweg englischen Lehrplan geben. Dann kämen die weltweit besten Studenten nach Deutschland.

6. Studiengebühren: KeinGratis-Studium ohne Leistungspflicht, sondern moderate Studiengebühren, die den Hochschulen zugute kommen. Selbstverstäündlich sollen Stipendien für Ärmere sein. Schließlich: Wer zahlt, schafft an: Studenten gestalten die Universität mit und bewerben sich bewusst an der Hochschule, die ihren Idealen am besten entspricht. Im Gegenzug können Universitäten ihre Studenten aussuchen und werden finanziell flexibler.

Mehr Infos im Internet unter: www.karriere.de

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