Jodmangel bei Müttern macht Kinder dümmer

- München - Werdende und stillende Mütter brauchen mehr Jod, als normal nötig ist (statt 100 Mikrogramm pro Tag 200 bis 300). In Deutschland sind jedoch nur 21 Prozent der Schwangeren ausreichend mit dem Spurenelement Jod versorgt, das für die Entwicklung von Gehirn und Knochen des Ungeborenen sehr wichtig ist. Experten des Arbeitskreises Jodmangel warnten gestern in München vor den Folgen: Jedes zehnte Kind in Deutschland kommt mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion zur Welt.

<P>Selbst ein leichter Jodmangel vermindert schon um vier Prozent die Intelligenz des Kindes, das hat gerade eine große Studie in den USA ergeben. <BR>Der Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel, Prof. Peter Scriba (München) fordert Maßnahmen von der Gesundheitspolitik: "Für Schwangere und Stillende sollten Jodtabletten auch zur Prophylaxe verordnet werden können". <BR><BR>Doch auch die Frauenärzte müssen sich eine leise Mahnung gefallen lassen, denn sie könnten den Wöchnerinnen die Einnahme von Jod ja dringender ans Herz legen. Kostet doch die gesamte Prophylaxe für Schwangerschaft und Stillzeit kaum mehr als 30 Euro.<BR><BR>Umgekehrt gibt es aber auch Frauen, die in der Schwangerschaft zuviel Jod essen: Wenn sie Jodtabletten einnehmen und gleichzeitig noch ein kombiniertes Präparat mit (der ebenfalls für das Ungeborene sehr wichtigen) Folsäure und Jod, dann ist das zuviel. Hier sollten die Jodtabletten weggelassen werden, erklärt der Endokrinologe Prof. Roland Gärtner. Die Frauenärzte müssten ihre Patientinnen also generell besser beraten und überwachen. Dazu gehört auch die Untersuchung der Schilddrüsengesundheit bei Schwangeren, die derzeit freilich nur im Verdachts- und Erkrankungsfall von den Kassen gezahlt wird.<BR><BR>Die Schilddrüse benötigt Jod als Baustein für ihre Hormone. Schwerster Mangel hat die Bildung eines Kropfes bereits beim Kind im Mutterleib zur Folge, und zumindest hier kann der Arbeitskreis Jodmangel auch einen Erfolg von 20 Jahren Aufklärungsarbeit verbuchen: In Deutschland kommt kaum noch ein Kind mit einem Kropf zur Welt. Auch die Jodversorgung bei den Schülern ist nach verschiedenen regionalen Untersuchungen, etwa in Berlin, Greifswald, Leipzig und Würzburg sehr viel besser geworden.<BR><BR>Allerdings gibt es noch viel zu tun, damit das Land wenigstens die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Mindestversorgung erfüllt. So verwenden bisher nur 35 Prozent der Unternehmen für Lebensmittelprodukte Jodsalz. Scriba fordert eine einheitliche EU-Gesetzgebung und alle fünf Jahre ein Jod-Monitoring (mit Messung der Jodharnausscheidung), um den Versorgungsstand festzustellen. Denn: Jodmangel-Schilddrüsenkrankheiten lassen sich erst nach drei Generationen mit Jodvorsorge ausgleichen.</P>

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