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Stockdunkel und ohne Begleitung teste ich den „Way Guard“.

Für ein besseres Sicherheitsgefühl

Begleit-App „Way Guard“: Ich habe sie für Sie getestet

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Unsere Mitarbeiterin Julia Langhof hat die Sicherheits-App „Way Guard“ getestet. Diese soll dabei helfen, dass man sich auch dann gut aufgehoben fühlt, wenn man alleine unterwegs ist.

Exklusiv für Sie teste ich die neue Begleitschutz-App „Way Guard“.

Die Ausgangssituation: Nach der Spätvorstellung im Kino muss jeder meiner Freunde in eine andere Richtung. Es ist nachts und dunkel, zusätzlich auch noch Schienenersatzverkehr - und plötzlich stehe ich alleine im Nirgendwo des Münchner Nordens. Der Bus ist mir gerade weggefahren, und ich würde jetzt eigentlich lieber nach Hause laufen, müsste aber dafür durch einen dunklen Acker. Das ist für mich mitten in der Nacht keine Option, weil ich mich ehrlich gesagt schlichtweg fürchte. Vor was genau, weiß ich eigentlich auch nicht.

Genau wie ich sehen das einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Emnid“ zufolge rund 58 Prozent der Frauen, die sich auf dem nächtlichen Heimweg nicht mehr ganz so sicher fühlen.

Doch was kann ich dagegen tun, wenn man sich, so wie ich gerade, trotzdem alleine auf dem Heimweg befindet und es für das Fahrrad noch zu kalt ist? Empfohlen wird bei diesem mulmigen Gefühl die für iOS und Android bisher noch rundum kostenlose App „Way Guard“. Die App gibt es hier oder im Play Store zum Download. Das Programm entwickelte die Versicherung AXA in Kooperation mit der Kölner Polizei, es ist seit Oktober 2016 auf dem Markt. 

Egal ob ich in der Nacht alleine nach Hause gehe, mein kleiner Bruder auf dem Weg zum Fußballtraining ist oder Mama eine Runde laufen gehen möchte: „Way Guard“ ist für jeden geeignet, ob Frau oder Mann, ob jung oder alt.

Ich bin skeptisch. Heutzutage gibt es Apps für alle möglichen Dinge, und ich habe keine Idee, wie mich ein virtuelles Programm sicher durch die Münchner Nebenstraßen bringen soll.

So funktioniert die App „Way Guard“

Aus dem Store geladen, öffne ich den „Way Guard“. Nachdem ich ein paar Detailfragen wie Handynummer, Name und E-Mail-Adresse eingeben muss, ist der Begleitschutz startklar. Die Oberfläche ist sehr übersichtlich gestaltet. Unter dem Hauptmenü tauchen Kategorien wie „Meine Begleiter“, „Verhaltenstipps“ und „Einstellungen“ auf. Zurück auf der ersten Eingabe, habe ich jetzt die Wahl:

1. Via App mit Freunden verbinden

So sieht die Startseite von Way Guard aus. Sehr einfach zu bedienen und übersichtlich gestaltet.

Sobald ich eine virtuelle Unterstützung möchte, gehe ich auf meine Kontakte und wähle einen Begleiter aus.
Wenn ich also weiß, dass ein Kumpel wie Mike (siehe Abb. links) immer die halbe Nacht durchzockt, kann er die Anfrage direkt auf seinem Smartphone annehmen (er muss die App auch installiert haben) und hat mich dann, während ich nach Hause laufe, auf seinem Schirm.
Mit einer Karte sieht mein Freund, wo ich gerade bin. Zeitgleich kann ich auch mit ihm chatten oder telefonieren und mit einem Klick dann schnell bestätigen, dass ich gesund daheim angekommen bin - und während der Begleitung auch vielleicht gleich noch ein Treffen vereinbaren.
„Ursprünglich haben wir das Programm für Frauen konzipiert, aber auch Eltern, Männer und Jugendliche meldeten sich bei uns“, sagt Michael Bongartz, der Leiter des Kundenmanagements bei der AXA Konzern AG. „Eltern sehen beispielsweise so die Möglichkeit, ihre Kinder virtuell zu begleiten, wenn sie beispielsweise abends noch auf dem Weg zu Freunden sind. Voraussetzung ist natürlich, dass der Nachwuchs die Begleitung aktiv anfragt.“
Ganz wichtig für das Benutzen der App ist eine gute Internetverbindung und ausreichend Akku. Auf der Internetseite der App erfahre ich, dass ich beides unbedingt brauche, weil das Programm sonst nicht funktioniert - das dürfte aber eigentlich klar sein.
Sicher angekommen? Als ich die Haustüre hinter mir geschlossen habe, beende ich das Programm. Dazu muss ich nur auf das grüne Symbol mit der Aufschrift „Bin angekommen“ klicken - das schafft wirklich jeder! Die Kommunikation mit Mike wird eingestellt, und mein Bildschirm wird grün. „Schön, dass du sicher angekommen bist“, freut sich „Way Guard“ mit mir, und ich bin auch sehr glücklich darüber.

2. Via App mit dem Team von „Way Guard“ verbinden

Falls in meinem Umfeld niemand zu erreichen ist, steht die Hotline 24 Stunden am tag zur Verfügung.

Die Ausgangssituation: Es ist Samstag morgen, neblig, und ich bin auf dem Heimweg aus dem Frühsport. Zu diesem Zeitpunkt ist niemand erreichbar, der mich via Internet nach Hause bringen könnte, und ich bin auch ehrlich gesagt gerade einfach zu faul, meine ganzen Freunde anzuklicken und zu schauen, wer schon wach ist. Auch in diesem Fall bietet mir „Way Guard“ eine Möglichkeit an. Eine Leitstelle, die 24 Stunden am Tag besetzt ist, kann mich direkt begleiten.
„Hier sind ausgebildete Mitarbeiter für dich da. Im Notfall können sie schnell Hilfe holen und der Polizei die genauen Koordinaten mitteilen“, sagt Anja Kroll von AXA. Das ist gerade in Stresssituationen absolut wichtig, weil ich bei Gefahr natürlich erst einmal die Beine in die Hand nehme und dann möglicherweise nicht mehr genau weiß, wo ich gerade bin.
Aber ob ich in so einer Situation auch noch in der Lage sein werde, mich aus einem möglichen Versteck durch die App zu wischen, würde ich trotzdem irgendwie bezweifeln. Die Bedienung wäre ja denkbar einfach - unten in der Mitte einmal über das Feld „Für Notruf streichen“ gehen, nur noch einmal auf den roten Notfall-Kreis drücken - schon bekomme ich Kontakt. Die Leitstelle überträgt dann meine GPS-Daten an die Polizei.
Sicher angekommen? Und auch in diesem Fall klappt die Bedienung ziemlich leicht, und mein Bildschirm leuchtet erneut ganz grün und freut sich, dass ich gut angekommen bin. Für die Benutzerfreundlichkeit gibt es deswegen von mir ein extra „Sternchen“.
Wichtig: Ich bin generell zu keinem Zeitpunkt verpflichtet, mich mit „Way Guard“ zu verbinden. Erst sobald ich eine aktive Anfrage an einen persönlichen Begleiter oder das Team stelle, funktioniert der Dienst auch. Dadurch wird verhindert, dass jemand gegen seinen Willen überwacht wird.

In anderen Ländern gibt es solche Konzepte schon länger

Das System mit virtuellen Sicherheitssystemen gibt es außerhalb Deutschland schon länger. „Guardly“ ist auch so eine Software. Vor allem auf Geschäftskunden ausgelegt, hat es ein kostenpflichtiges Premium-Preismodell, bei dem die Nutzer für eine ständig besetzte Leitstelle bezahlen.

Vor allem an amerikanischen Unis und US-Colleges ist „Circle of 6“ ziemlich beliebt. Bei dieser Application sorgen Geo-Daten für ein spezielles Gimmick: Bei einem Notfall, der direkt auf dem Campus-Gelände passiert, wird die Campus-Polizei benachrichtigt, außerhalb geht der Alarm dann wie gewohnt an die amerikanische „911“-Notrufnummer.

Ist die App tatsächlich wirklich hilfreich?

Im Juni 2016 testete AXA „Way Guard“ zum ersten Mal in Kooperation mit der Polizei Köln in der Domstadt: „Die Resonanz war riesig. Das ursprünglich auf 1500 angelegte Testfeld haben wir letztlich auf über 4500 Personen erweitert, die die App über Wochen auf Herz und Nieren geprüft haben“, sagt Michael Bongatz.

Wie hilfreich solche Dienste aber in einer konkreten Gefahrensituation tatsächlich sind, frage ich mich schon. Auf die Frage, wie viele solcher Situationen es bisher gab, antwortet mir „Way Guard“ direkt: „Erfreulicherweise kommt es nur in unter einem Prozent aller Begleitungen zu einer Notruf-Situation.“ Das ist für mich schön zu hören.

Neben der direkten Hilfe für den Heimweg finde ich, wie oben bereits erwähnt, Tipps der Polizei zur Prävention. Gleich beim ersten ist zu lesen: „Wenn du nicht alleine nach Hause gehen willst, verabrede dich vorher mit Freunden für den Heimweg. In der Gruppe seid ihr sicherer.“ Tja, das war in meinem Fall ein Tipp, der in dem Moment zu spät kam. Zusätzlich verbraucht das Programm während der Nutzung auch ordentlich Akku, weil sie sich kontinuierlich meine GPS-Daten zieht.

Die Auflistung, ob ich zu Fuß/Rad oder in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, finde ich dagegen wirklich klasse. Für den Heimweg in öffentlichen Verkehrsmitteln haben wir Ihnen hier auch bereits Möglichkeiten gezeigt, wie sich Mitfahrer vor sexueller Belästigung schützen können und was als Zeuge zu tun ist.

Ich persönlich finde die App zwar ziemlich toll organisiert, habe aber auch noch Fragen. Durch „Way Guard“ hatte ich bei den Testläufen tatsächlich ein sicheres Gefühl und bin gut angekommen, aber ich bin unsicher, wie schnell so ein Notruf wirklich von der Leitstelle abgesetzt wäre.

Auch hier bekomme ich sehr schnell eine Antwort von „Way Guard“: „Die Kommunikation zwischen unserer Notrufleitstelle und der Polizei ist nach den höchsten Sicherheitsstandards ausgelegt worden. Durch die Tatsache, dass wir direkt die Telefonnummer, den Namen und vor allem die Position der betroffenen Person beim WayGuard-Notruf kennen, wird wertvolle Zeit im Notrufprozess gespart und alles so schnell es geht an die zuständige Polizei weitergegeben.“

Besser Vorsorge als Nachsorge

Ein AXA-Sprecher betont, dass „Way Guard“ auch stark auf Prävention und bessere Gefühle setzt. Niemand soll dazu verleitet werden, sich mit der Anwendung in seiner Hand in eine Risikosituation zu begeben, deswegen sind auch die Verhaltenstipps integriert.

Die Polizei Köln unterstützte „Way Guard“ von Anfang an. „Schnelle und gezielte Hilfe im Notfall ist wichtig - genauso wichtig ist allerdings das Wissen, wie Einwohner Gefahrensituationen vermeiden können und wie man sich im Ernstfall richtig verhält“, sagt Wolfgang Baldes vom Kriminalkommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei Köln. „Wir freuen uns über viele positive Kommentare von Testern der App. Über den digitalen Weg erreichen wir dadurch die Menschen, denen wir sonst erst im Nachhinein helfen könnten“.

Fazit: Ich werde „Way Guard“ auf meinem Smartphone installiert lassen. Denn auch wenn es vielleicht ein Umweg darstellt, bei einem Notruf erst an eine Leitstelle gereicht zu werden, kann ich durch die Installation in Zukunft auch mal Begleiter für meine Freunde sein. Außerdem hilft mir die App genau im richtigen Maß - sie gibt mir ein besseres Gefühl auf dem Heimweg.

Julia Langhof

Video-Archiv: taff testet „WayGuard“

Video: SnackTV

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