Juristische Bomben in der Software-Sammlung

- München - Der Plan, das Taschengeld mit dem Verkauf alter Software-CDs aus PC-Magazinen aufzubessern, ging für den oberfränkischen Schüler Sebastian (Name geändert) gründlich daneben: Statt mit dem Erlös seiner Online-Auktion bei Ebay wurde er mit unliebsamer Anwalts-Post beglückt. Insgesamt 2500 Euro müssen seine Eltern zahlen, weil die angebotenen CDs Kopierprogramme enthielten, die mittlerweile verboten sind. Der 17-Jährige hatte das nicht gewusst.

"Seit der Einführung des neuen Urhebergesetzes am 13. September 2003 ist hier der Verkauf von Software wie "ClonyXXL" oder "Any-DVD" nun mal verboten, da diese den Kopierschutz auf CDs und DVDs umgehen kann", betont der Rostocker Anwalt Johannes Richard, der sich auf Online-Recht spezialisiert hat. "Dagegen geht die Industrie rigoros vor."<BR><BR>Der Fall Sebastian, der auch im Bayerischen Rundfunk präsentiert wurde, ging vergleichsweise glimpflich aus, meint Richard: "Solche Vergehen können bei Volljährigen mit bis zu einem Jahr Haft geahndet werden."<BR><BR>Derartige strafrechtlichen Folgen sind zwar selten, aber allein die Schadenersatz-Forderungen können enorm sein: Richard vertritt gerade eine Gruppe Schüler, die im großen Stil CDs illegal zum Download ins Netz gestellt hatten: "Bei so groben Verstößen bewegen sich die Forderungen der Plattenindustrie zwischen 500 000 und 1,5 Millionen Euro."<BR><BR>Doch die Konzerne ziehen längst nicht mehr nur gegen Raubkopien ins Feld, sondern auch gegen die dafür nötigen Software-Werkzeuge, bestätigt Hartmut Spiesecke vom Branchenverband IFPI. Die Organisation, die 93 Prozent aller deutschen Tonträgerhersteller vertritt, lässt im Internet systematisch nach Anbietern illegaler Software fahnden, vor allem bei Ebay.<BR><BR>Da können nicht nur professionelle Händler, sondern auch Schüler eine Abmahnung bekommen. "Wir gehen gegen alle gleichermaßen vor", sagt IFPI-Sprecher Spiesecke. "Schließlich darf auch keiner bei Rot über die Ampel gehen."<BR><BR>Der Schaden, der durch die nun illegalen Programme entsteht, ist laut IFPI enorm: "Mittlerweile übertrifft die Zahl der Raubkopien um ein Vielfaches die der verkauften Tonträger." Da heute fast alle Tonträger mit Kopierschutz versehen sind, kann man sie nur mit illegaler Software vervielfältigen.<BR><BR>Das harte Vorgehen zeige Erfolg, sagt Spiesecke: "Wir beobachten in Internet-Foren, dass unsere Abmahnungen gegen Anbieter und Verbreiter illegaler Kopiersoftware hohe abschreckende Wirkung haben."<BR><BR>Angst vor Repressalien, nur weil man alte PC-Zeitschriften mit Beilage-CDs im Schrank liegen hat, braucht allerdings niemand zu haben, beruhigt Anwalt Johannes Richard: "Der Besitz ist nicht strafbar." Verkauf, Verwendung und Verbreitung dagegen schon, womit sich die CD-ROMs legal eigentlich nur noch als Tassenuntersetzer und Ähnliches nutzen lassen. Richard empfiehlt deshalb: "Wenn man Datenträger mit inzwischen illegaler Software findet, am besten gleich wegwerfen."

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