Die kalkulierte Flut

- Die dramatischen Flutkatastrophen der vergangenen Jahre im Alpenvorland sind bei vielen noch in lebhafter Erinnerung. Jetzt entwickeln die Geowissenschaftler im Fachgebiet für Geoinformationssysteme der Technischen Universität München (TUM) eine Hochwasser-Simulation für den Kreis Weilheim/Schongau. Sie soll den Katastrophenhelfern zeigen, wo die schlimmsten Schäden zu erwarten sind und wie sie am besten zum Einsatzort kommen, wenn die Ammer über die Deiche tritt.

Schrittweise lässt Stefan Mayr den Wasserpegel der Ammer nahe am Peißenberg steigen. Erst auf drei Meter, dann auf vier Meter. Auf der Landkarte in seinem Computer ändert sich wenig, der Fluss bleibt in seinem Bett. Erst als der Geograph in seinen Rechner das Wasser über die Dammkronen steigen lässt, wird die Hälfte seines grünen Bildschirms blau.

"Wir haben berechnet, welche Flächen bei welchem Pegelstand im Norden des Kreises Weilheim/Schongau überflutet werden könnten, wenn das Wasser über die Ufer tritt", erklärt Mayr. "Grundlage für die Simulation war eine dreidimensionale Karte, die von der Bayerischen Vermessungsverwaltung durch Lasermessung per Flugzeug von der Region rund um den Peißenberg angefertigt wurde", sagt Mayr. "Auf dieser Karte sind noch kleinste Höhenunterschiede im Zentimeterbereich digital erfasst."

Im vergangenen Sommer hatten sich die TUM-Geodäten mit Vertretern des Katastrophenschutzes Weilheim/Schongau zusammengesetzt. "Um auf zukünftige Überflutungsereignisse besser eingerichtet zu sein und die Arbeit der Einsatzkräfte zu optimieren, kam bei den Gesprächen der Wunsch auf, genauer zu wissen, welche Gebiete im Falle eines Hochwassers am stärksten betroffen sind und wo Hilfe am dringendsten nötig ist", erklärt Mayr.

Bei einem Ereignis, wie dem Pfingsthochwasser 1999, staut sich die Ammer zuerst im Mündungsgebiet beim Ammersee. Tritt der Fluss über die Deiche, füllen sich zuerst die sehr tief gelegenen, längst trocken gefallenen Altwasserarme. Die gesamte Region ist zudem relativ flach. Vor mehr als 10 000 Jahren befand sich hier noch ein Gletscher. Damit sind bei einem Hochwasser, wie dem im Jahr 1999, schnell große Flächen betroffen.

Simulation wird im Internet veröffentlicht

Vorerst sind die Informationen für die Wissenschaftler und den Katastrophenschutz im Internet nur mit einem Passwort zugänglich. Das Projekt wird die TUM-Forscher noch Jahre beschäftigen, denn die Berechnungen für die Überschwemmungsgebiete müssen noch verfeinert werden. "Hochwasserschutz ist ein komplexes Thema", sagt Mayr. "Doch die Kombination von Überschwemmungsbereichen und Daten zu Verkehrswegen, Infrastruktureinrichtungen und Grundstücken im Internet ist eine wichtige Entscheidungshilfe für die Verantwortlichen."

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