Kaltes Rotlicht gegen den weißen Hautkrebs

- Seit einigen Jahrzehnten beobachten die Hautärzte einen raschen Anstieg der Fälle von weißem und schwarzem Hautkrebs.

<P>Der Sammelbegriff "Weißer Hautkrebs" umfasst verschiedene Hauttumoren und ihre Vorstufen, besonders häufig ist das Basalzellkarzinom. Bei fehlender Behandlung zerstören gerade Basalzellkarzinome im Laufe der Zeit die Hautstrukturen - vor allem im Gesicht - nachhaltig, bilden aber fast nie Tochtergeschwülste. </P><P>Weißer Hautkrebs entwickelt sich besonders an Körperstellen, die stark dem Licht ausgesetzt sind. Verdächtig sind bräunliche oder rötliche Verfärbungen der Haut, doch nicht immer ist es Krebs: Insgesamt müsse heute jeder sechste Mensch damit rechnen, im Verlauf seines Lebens an einem Hauttumor (weißer oder scharzer Hautkrebs) zu erkranken, schätzt die Krebsliga Schweiz. </P><P>Für den Hautkrebs-Anstieg wird vor allem das veränderte Freizeitverhalten mit dem Schönheitsideal der Bräune verantwortlich gemacht. Hauptrisikofaktoren des weißen Hautkrebses mit seinen verschiedenen Formen ist die Höhe der UV-Belastung, also die Summe der Sonnenlichteinwirkungen. "Patienten mit einem hellen Hauttyp sind gefährdeter, mit zunehmendem Alter steigt aber auch für andere Hauttypen das Risiko", erläuterte Prof. Rüdiger Hein von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der Technischen Universität München auf der 19. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München. </P><P>Weitere krebsfördernde Faktoren: Immer noch verwenden 40 Prozent aller Deutschen nie Sonnencremes, so die Erfahrungen der Hautärzte, ein Großteil der Bevölkerung trägt Sonnenschutzmittel unzureichend auf oder hält sich nicht an die notwendige Einwirkzeit - 30 Minuten vor dem Sonnenbad. Zudem setzen sich viele Deutsche bewusst der besonders hautschädigenden, hohen UV-Strahlung des Sonnenlichts in der Zeit zwischen 11 Uhr und 15 Uhr aus. </P><P>E ine weitere Gruppe mit er-höhtem Hautkrebsrisiko sind die Organtransplantierten: "Die immununterdrückenden Medikamente zum Schutz des verpflanzten Organs wirken sich negativ auf die Krebszellabwehr aus", so Hein. </P><P>Ein Student entdeckte die Wirkung auf </P><P>Zellen Viel Beachtung in der Therapie des immer häufigeren weißen Hautkrebses fand auf dem Kongress die so genannte photodynamische Therapie (PDT). Das Verfahren hat in München Tradition: Entdecker war zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Medizinstudent Oscar Raab am damaligen Universitäts-Klinikum München. Der junge Forscher fand im Jahr 1900 bei einem Laborexperiment heraus, dass Kulturen mit Einzellern sterben, wenn er zu den Zellen einen Farbstoff in starker Verdünnung hinzugab und die Einzeller anschließend dem direkten Sonnenlicht aussetzte. </P><P>Seinen Lehrer, den Pharmakologen Hermann von Tappeiner, begeisterten diese Ergebnisse sehr, und er behandelte 1903 in München zusammen mit dem Dermatologen Albert Jesionek den ersten Patienten mit einem Basalzellkarzinom im Gesicht. Als Photosensibilisator verwendete er den Farbstoff Magdalarot, als Lichtquelle die Sonne. "Zunächst war die Behandlung erfolgreich, leider erlitt der Patient jedoch einen Rückfall des Hauttumors und die Therapie geriet in Vergessenheit", erläuterte PDT-Experte Prof. Rolf-Markus Szeimies von der Dermatologischen Uniklinik Regensburg. </P><P>Erst ab 1960 untersuchten Krebsforscher und Hautärzte das Phänomen weiter. Heute setzen immer mehr Mediziner den photodynamischen Effekt zur oberflächlichen Krebsbehandlung ein. Die moderne Variante des alten Münchner Experiments hat wieder das Ziel, die Tumorzellen direkt mit Licht zu zerstören. Beim weißen Hautkrebs sind in der Regel zwei Behandlungen im Abstand von einer Woche ausreichend, um den örtlichen, weißen Krebsherd auf der Haut zu zerstören. Vor Therapiebeginn werden zunächst Art und Ausdehnung des Hautkrebses, in der Regel mit Entnahme einer Hautprobe aus der verdächtigen Stelle geklärt. Die photodynamische Therapie ist gerade für großflächigen Hautbefall geeignet. </P><P>Bei der Behandlung entfernt der Arzt zunächst Krusten und Schuppen von der betroffenen Hautregion. Anschließend wird eine lichtempfindliche Spezialcreme (Photosensitizer) aufgetragen, die speziell von den krankhaften Tumorzellen aufgenommen wird. Die so eingecremte Hautstelle wird anschließend lichtgeschützt abgedeckt. </P><P>Nach drei Stunden Einwirkzeit wird die Abdeckung entfernt und die eingecremte Hautstelle wird für circa drei bis zwölf Minuten mit einem starken, roten Kaltlicht beleuchtet. Die vorher mit der Creme vorbereiteten Tumorzellen werden dabei zerstört. In den Tumorzellen wird eine besonders reaktive Sauerstoffart gebildet, die in der Tumorzelle als starkes Zellgift wirkt. Prof. Rüdiger Hein und Dr. Anna Kasche von der Dermatologischen Klinik der TU München arbeiten mit der photodynamischen Therapie seit einigen Jahren: "Die wichtigste Nebenwirkung dieser Methode sind örtliche Schmerzen im Bereich der abgetöteten Tumorzellen. Wir haben mit Kühlung während der Behandlung bereits eine gute Schmerzreduktion erreicht. Sollte dies aber nicht ausreichen, dann geben wir den Patienten ein Schmerzmittel", so Hein. </P><P>Weitere Nebeneffekte seien eine Rötung und Schwellung des behandelten Hautbereichs, die sich jedoch innerhalb weniger Wochen zurückbilden. Nach der Behandlung ist außerdem ein spezieller Lichtschutz nötig, und der Patient muss die Sonne meiden. Noch zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die photodynamische Therapie nicht. Bei sehr oberflächlichen Formen oder kleinen Ausdehnungen des weißen Hautkrebses können auch andere Methoden zum Einsatz kommen: Basalzellkarzinome zum Beispiel werden bisher meist operativ entfernt. </P><P>In manchen Fällen werden die Hauttumoren auch mit dem Laser zerstört. Für bestimmte oberflächliche Formen des weißen Hautkrebses ist jetzt auch eine Salbe mit einem immunstimulierenden Wirkstoff zugelassen. Sie führt örtlich zu einer Entzündung und aktiviert so die Tumorzellen zum "Selbstmord". Zuerst wurde diese Salbe erfolgreich in der Therapie von bestimmten Warzen eingesetzt.</P>

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