Kampf ums Überleben

- München (dpa) - Die Überlebens-Berater hatten am ersten Tag der Computermesse Systems gut zu tun. Während viele Firmen vergeblich auf Kunden warteten, scharten sich die Besucher am Montag um das "IT- Survival Team" der IG Metall. In der schwersten Krise der deutschen High-Tech-Branche mit dem Abbau Zehntausender Arbeitsplätze verbreiteten die einst verspotteten Gewerkschafter bei den Computer- Experten Zuversicht.

 "Es ist nicht vorbei mit der Branche", sagte Gewerkschafter Wolfgang Müller. Auch die Aussteller gaben am ersten Messetag Durchhalteparolen aus: Der nächste Aufschwung komme bestimmt.<P>Unzählige Firmen haben die Durststrecke aber nicht überstanden. Von mehr als 3000 Ausstellern, die sich im Boomjahr 2000 noch auf der Systems drängten, sind in diesem Jahr nur noch 1600 gekommen. Etliche Firmen sind pleite oder kämpfen mit Verlusten. "Die Messe ist ein Spiegel der Branche", sagt Klaus Dittrich von der Messe München. </P><P>Prominentes Opfer ist der Mobilfunkanbieter Quam, der im vergangenen Jahr auf der Systems seine Premiere gab - die zugleich zur Abschiedsvorstellung werden sollte. Auf dem hart umkämpften Handy- Markt hat sich Quam weniger als ein Jahr gehalten. Die rund 200 000 Kunden sollen nach Informationen aus Branchenkreisen künftig bei der Telekom Unterschlupf finden.</P><P>Der Telefon-Riese verzichtet trotz seines Sparprogramms mit dem Abbau von 50 000 Stellen nicht auf die Messe. "Wer hier auf der Systems vertreten ist, der gehört zu den starken Unternehmen - gewissermaßen zur Kernsubstanz des Marktes", sagte Telekom-Vorstand Josef Brauner. Ihre ganzen Hoffnungen setzen die Telekommunikationskonzerne in den künftigen Mobilfunkstandard UMTS. Nach den milliardenschweren Investitionen wollen sie im nächsten Jahr endlich die ersten Früchte ernten. Die ersten UMTS-Handys gehören auf der Messe zu den Besucher-Attraktionen.</P><P>Um sich über einen Überblick über alle Neuheiten der Systems zu verschaffen, müssen die Besucher in diesem Jahr nicht mehr weit laufen. Die Zahl der Ausstellungshallen hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf acht nahezu halbiert. Werbegeschenke, spektakuläre Präsentationen oder Shows werden die Besucher auf der Messe vergeblich suchen. Für die Gestaltung ihrer Stände haben die meisten Firmen keinen Euro zu viel ausgegeben.</P>

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