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Karpfen-Herpes bedroht Nutz- und Zierfische

- Das Koi-Herpesvirus, das seit 1997 unter Zierkarpfen grassiert, breitet sich weiter aus und bedroht nun auch große Bestände an Nutzkarpfen, die auf bundesdeutsche Esstische kommen sollten. In Deutschland werden immer mehr Fälle des Fisch-Herpes beobachtet, so Professor Rudolf Hoffmann, Fachmann für Fischkrankheiten an der Münchner Universität.

<P>Die Krankheit, die erstmals in Israel diagnostiziert wurde, hat nach Europa, verschiedenen Staaten in Südostasien und Nordamerika vor wenigen Wochen auch Japan, das Haupt-Exportland der Kois, erreicht. <BR><BR>Doch nicht nur der Koi, ein beliebter, aber sehr teurer Zierfisch, ist gefährdet. Experten sehen auch eine zunehmende Gefahr für Nutzkarpfen, weil die Speisefische ebenfalls an Herpes erkranken können. Bei einer Fachtagung wurden jetzt die Folgen diskutiert.<BR><BR> Ein Heilmittel gegen die Fischkrankheit gibt es ebenso wenig wie Vorschriften, die die Verbreitung eindämmen könnten. In Bayern wurde dieses Jahr bereits ein Fall einer infizierten Nutzkarpfen-Zucht bekannt, berichtet Hoffmann. Die Dunkelziffer schätzt er weitaus höher ein: "Vermutlich sind die Bestände, bei denen wir das Virus diagnostizieren, nur die Spitze des Eisberges."<BR><BR>Für den Menschen, so versichert er, sei das Fisch-Virus aber nicht ansteckend und somit ungefährlich. Karpfen dagegen leiden wenige Tage nach der Infektion unter Atemnot und schweren Gewebeveränderungen an den Kiemen. Nach acht bis zehn Tagen sind 90 Prozent der Fische tot.<BR><BR> Zur Eindämmung der Seuche fordern die Experten eine Anzeigepflicht für den Fisch-Herpes. "Im Augenblick haben wir keinerlei Regelungen", bedauert Hoffmann. Zwar verbiete das Tierschutzgesetz den Verkauf kranker Tiere. "Das ist aber praktisch nicht kontrollierbar." Wünschenswert sei eine einheitliche Vorgabe, was bei einer Infektion zu tun ist, betont auch Thijlbert Strubelt vom Verband Deutscher Fischereiverwaltungsbeamter und Fischereiwissenschaftler.<BR><BR>Im nächsten Jahr wollen die Fachleute bei einer internationalen Tagung in London darauf drängen, dass die Europäische Union ihre Richtlinie zur Bekämpfung von Fischseuchen ändert und die Karpfenseuche meldepflichtig wird.<BR><BR> Karpfen-Händler sollten eingeführte Kois untersuchen lassen, so der Veterinär. Die Zierkarpfen, für die Liebhaber bis zu 70 000 Euro je Exemplar zahlen, kommen meist aus Japan, das bislang als frei vom Virus galt. Einfuhrbeschränkungen gibt es nicht. Dennoch sei eine starke Ausbreitung des Virus unter den Kois in Deutschland wohl nicht zu befürchten, so Strubelt. In Japan waren in zuletzt mehrere tausend Tonnen infizierte Fische vernichtet worden.<BR><BR>Gemeinsam mit der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere und einem holländischen Institut will Hoffmann einen Bluttest entwickeln, mit dem die Krankheit schon am lebenden Fisch erkannt werden kann. "Derzeit stecken wir noch in den Verhandlungen mit Geldgebern für unser Projekt", so der Forscher.<BR></P>

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